Interview

»Es entsteht nur Schaden«

Herr Pollock, was wird passieren, wenn die Vereinten Nationen Ende dieser Woche über einen Palästinenserstaat entscheiden?
Vor ein paar Tagen schien es so, als würden die Palästinenser einen Weg finden, die Konfrontation zu vermeiden, die ein Gang vor die UN-Vollversammlung und den Sicherheitsrat bedeuten würde. Jetzt spricht Abbas wieder von einer Vollmitgliedschaft, und das bedeutet eine Entscheidung im Sicherheitsrat. Die USA und andere Regierungen versuchen, die Konfrontation abzumildern und einen Kompromiss zu finden. Ich habe den Eindruck, dass die Palästinenser bereit sind, selbst ihr gutes Verhältnis zur US-Regierung zu riskieren.

Aus welchem Kalkül?
Abbas glaubt, dass er auf diese Weise innenpolitisch mehr gewinnen kann, als wenn er auf den Verhandlungsweg setzt. Die Erwartungen der Palästinenser wurden auch durch andere Regierungen befördert, darunter die USA. Sie haben lange nur auf die Israelis Druck ausgeübt. Die Palästinenser fühlen sich dadurch ermutigt, mehr zu verlangen, als sie bei direkten Verhandlungen bekommen würden.

Was wäre die Folge?
Wenn der Fall vor den Sicherheitsrat kommt, werden die USA ihr Veto einlegen. Das wird Amerika einigen Ärger in muslimischen Ländern einbringen. Es entsteht also nur Schaden, ohne dass den Palästinensern geholfen ist. Besser wäre also, wenn es gar nicht erst zur Abstimmung im Sicherheitsrat käme.

Ist ein Weg zurück zu direkten Verhandlungen denkbar?
Ja – falls die Palästinenser gewillt sind, ihre Vorbedingungen fallen zu lassen, etwa den Siedlungsstopp oder den Grenzverlauf. Abbas sagt bisweilen vage, dass er dazu bereit sei, andere Funktionäre behaupten das Gegenteil. Wenn die Palästinenser flexibel sind, besteht die Möglichkeit zu Verhandlungen, denn selbst Netanjahu betont, dass er in Erwägung zieht, auf der Grundlage der Grenzen von 1967 zu verhandeln. Die Israelis werden nach dieser UN-Provokation natürlich noch miss-trauischer sein als vorher.

Was kann Israel derzeit tun?
Israel stellt sich auf gewalttätige Aufstände ein. Die wären für das internationale Ansehen des jüdischen Staates gefährlicher als die tatsächliche Sicherheitslage. Darüber hinaus wird die Jerusalemer Regierung einige schwierige diplomatische Entscheidungen treffen müssen. Falls es doch wieder zu Verhandlungen kommt, sollte Israel den Palästinensern auf halbem Weg entgegenkommen.

Wird es Unterstützung für palästinensische Aufstände aus Ägypten geben?
Heutzutage kann man nie sicher sein – ein weiterer Grund für Jerusalem, sich um gute Beziehungen zu Kairo zu bemühen. Insgesamt ist die Situation im Nahen Osten für Israel härter geworden. Gleichzeitig gibt es zumindest die Möglichkeit, dass alle Seiten sich zu einem Kompromiss zusammenfinden. Denn die Alternative wäre verheerend. Sogar die Ägypter verstehen das.

Mit dem Wissenschaftler des Washington Institute for Near East Policy sprach Ingo Way.

Meinung

Der Iran, der Krieg und das Völkerrecht

Das Völkerrecht soll Menschen schützen. Wenn es zum Selbstzweck erhoben und höher gewichtet wird, als die Schicksale der Entrechteten, verliert es seinen Sinn

 04.03.2026

Washington D.C.

Militärbasen-Streit: Trump droht Spanien mit Handels-Embargo

»Wir wollen nichts mit Spanien zu tun haben«, sagt der Präsident, nachdem die spanische Regierung US-Streitkräften die Nutzung von Militärbasen verweigert

 04.03.2026

Washington D.C.

Friedrich Merz: Viele offene Fragen zur Zukunft des Iran nach Krieg

Seit Samstag gehen Israel und die USA militärisch gegen den Terror-Sponsor Iran vor. Wie es nach der Offensive mit dem Land weitergehen soll, ist nach den Worten des Bundeskanzlers weiter unklar

 04.03.2026

Teheran

Bericht: Chameneis Sohn gilt als Favorit für Irans oberstes Amt

Während oppositionelle iranische Kanäle und israelische Medien bereits von einer Festlegung sprechen, schweigen staatliche Stellen im Iran

 04.03.2026

Iran-Krieg

Länder starten Evakuierungsflüge

Zehntausende Ausländer halten sich im Nahen Osten auf. Der Konflikt spitzt sich dort zu. Spanien, Großbritannien und Polen reagieren auf die angespannte Sicherheitslage mit Rückholaktionen

 03.03.2026

Bundestag

AfD-Fraktion wirft Jan Wenzel Schmidt raus

Die Debatte über Vetternwirtschaft in der AfD hat erste ernste personelle Konsequenzen: Die Bundestagsfraktion hat den Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt ausgeschlossen

 03.03.2026

Skopje

NATO-Chef Rutte befürwortet Angriffe auf Iran

Mark Rutte ist deutlich: Der Iran als »Exporteur von Chaos« bedroht laut ihm nicht nur Israel. Auch zur Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei hat er eine klare Meinung

 03.03.2026

Nahost

Mehrere Verletzte bei neuen Raketenangriffen auf Israel

Wegen iranischer Raketen müssen zahlreiche Menschen in Israel erneut Schutz suchen. Durch herabgefallene Raketen- und Trümmerteile gibt es Schäden - und Verletzte

 03.03.2026

Berlin

CSU-Landesgruppenchef: »Alles besser als dieses Regime«

Gegen den israelisch-amerikanischen Iran-Krieg werden auch viele Einwände wegen einer fehlenden völkerrechtlichen Grundlage laut. Von der CSU kommt Widerspruch

 03.03.2026 Aktualisiert