USA

Ende einer Beratung

Bald nicht mehr an Barack Obamas Seite: Stabschef Rahm Emanuel (M.) und Chefberater David Axelrod Foto: Reuters

Abschiedsstimmung im Weißen Haus: Fast gleichzeitig nehmen drei wichtige jüdische Berater des amerikanischen Präsidenten ihren Hut. Stabschef Rahm Emanuel, Chefberater David Axelrod und Chefökonom Larry Summers werden Washington bis zum Jahresende verlassen haben. Sie gehen freiwillig. Gerade der Wechsel des intensiv belasteten Stabschefs nach so kurzer Zeit ist nichts Ungewöhnliches. Ohnehin bleibt die jüdische Präsenz im Stab in der 1600 Pennsylvania Avenue stark, und die Nahostpolitik Obamas liegt weiterhin in den Händen von Experten wie Dennis Ross und Dan Shapiro.

Scharfsinn Seit Jahren bewegen sich Amerikas Juden viel selbstbewusster auf dem politischen Parkett. Rahm Emanuel zum Beispiel bewirbt sich gerade um das Bürgermeisteramt in Chicago – der amerikanischsten aller Städte. Emanuel, von kleiner Statur, mit Scharfsinn und großem Durchsetzungsvermögen, wird dafür von Freund und Feind bewundert – und gefürchtet. Auch David Axelrod kehrt in die Windy City zurück.

Der Altlinke sucht allerdings den direkten Kontakt zum Volk und möchte so Obamas Wiederwahl planen. Mit den Institutionen der Macht ist er in den letzten zwei Jahren sowieso nicht so richtig warm geworden. Und Larry Summers geht zurück an die Harvard‐Universität, deren Präsident er einst war. All diese Männer haben jüdische Wurzeln. Doch sind sie vor allem Amerikaner, die in die Politik gegangen sind, um das System selbst gestalten zu können. Solche Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Macht ist Zeichen einer gelungenen jüdisch‐amerikanischen Symbiose.

Lagerdenken Für den jüdischen Wähler dagegen stellt sich die Situation anders dar. Denn er ist – wie so viele – von grassierender Ideologisierung und Lagerdenken in der US‐Politik betroffen. Befragt man einen Linksliberalen wie Ira Forman vom National Jewish Democratic Council zu Obamas Nahostpolitik, wird er beteuern: Der US‐Präsident gibt Israel nicht preis.

Obamas Kritiker hingegen wünschen sich nichts sehnlicher als die Rückkehr der Republikaner an die Macht. Und so werfen Konservative wie der Kolumnist Jeff Jacoby den Linksliberalen vor, sie würden die Augen davor verschließen, dass die Demokratische Partei immer weniger Sympathie für Israel empfindet. Nicht wenige danken deshalb dem Himmel für die 85 Prozent Evangelikalen, die Israel bedingungslos unterstützen, wo doch nur 48 Prozent aller Wähler der Demokraten Sympathien für das heutige Israel bekunden.

Die politische Unruhe unter amerikanischen Juden ist groß. Und Obamas Israelpolitik lässt sich nicht mehr einfach daran ablesen, wie viele jüdischstämmige Berater im Regierungsviertel von Washington sind. Wie in anderen Bereichen der amerikanischen Politik sind die Lager so unterschiedlich, dass ein Dialog meistens in gegenseitigen Schuldzuweisungen endet. Zwar zog Obama einst aus, eben dieser Unkultur ein Ende zu setzen, doch unter seiner Präsidentschaft verschlimmerte sich die Polarisierung. Am meisten leiden diejenigen jüdischen Wähler, die sich zwischen ihren alten Loyalitäten zu Demokraten und ihren Sorgen um Israel hin und hergerissen fühlen.

Schachbrett In dieser Konstellation ist die Rückkehr von Rahm Emanuel in die Niederungen der Chicagoer Politik wohl die wichtigste Bewegung auf dem politischen Schachbrett. Denn bedeutender als ein vermeintlicher Exodus der jüdischen Politstars aus Washington ist es, einen Exodus der pro‐israelischen jüdischen Wähler aus der demokratischen Partei einzudämmen. Denn das würde langfristig den Interessen Israels am meisten schaden. Und Rahm Emanuel als Bürgermeister von Chicago würde sicherlich alles daran setzen, dies zu verhindern.

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