Rosch Haschana

»Einzigartiger und wunderbarer Vertrauensbeweis«

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Zu Rosch Haschana grüße ich Sie herzlich! Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Neujahrsfest im Kreis Ihrer Familien und Freunde. Mögen Friede und Zuversicht, Gesundheit und Glück Sie auch durch das neue Jahr tragen!

In diesem Jahr feiern wir die Zeitenwende vor 30 Jahren, als die friedliche Revolution in der DDR und die Freiheitsbewegungen in den mittel- und osteuropäischen Staaten zur Einheit Deutschlands und Einigung Europas führten. Diese historischen Ereignisse waren eine Zäsur für uns alle auf unserem Kontinent – so auch für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland.

SOWJETUNION Der Zuzug jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus der ehemaligen Sowjetunion führte zu einem rasanten Wachstum der Gemeinden, zu einer neuen Vielfalt und Vielstimmigkeit. Heute ist die jüdische Gemeinschaft in Deutschland dank ihrer großen Integrationsleistung die drittgrößte in Europa. Neue Synagogen, jüdische Kindergärten und Schulen haben sich etabliert.

Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit, dass jüdisches Leben in Deutschland nach dem Zivilisationsbruch der Shoa wieder aufblühen konnte.

Rabbiner – inzwischen auch Rabbinerinnen – werden wieder hier in Deutschland ausgebildet und ordiniert. Es ist ein einzigartiger und wunderbarer Vertrauensbeweis und eine große Bereicherung für unser Land, dass jüdisches Leben nach dem Zivilisationsbruch der Shoa wieder aufblühen konnte. Dies erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

COURAGE Zugleich braucht es heute wieder mutige Menschen, die für unsere Werte einstehen, um in Frieden und Freiheit zusammenleben zu können. Wir müssen entschlossen und deutlich gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus vorgehen. Wir müssen unsere Stimme erheben, wenn sich Hass und Hetze im Internet verbreiten. Wir dürfen nicht hinnehmen, wenn Kritik an der Politik des Staates Israel zum Deckmantel für Ressentiments gegenüber jüdischen Menschen wird.

Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Menschen auf der Straße angepöbelt oder tätlich angegangen werden, weil sie eine Kippa tragen. Antisemitische Taten und Worte sind immer auch Angriffe auf unsere ganze Gesellschaft und ihre Werte, die uns alle zusammenhalten.

Durch Erziehung und Bildung, durch Vermittlung von Wissen und Erfahrung, durch gegenseitiges Kennenlernen lassen sich Vorurteile überwinden. Die Menschlichkeit einer Gesellschaft bemisst sich immer auch am Willen zum Dialog. Offenheit füreinander hat viele Facetten. Das sehen wir auch an den zahlreichen Initiativen, um Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen und
religiösen Gruppen zusammen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Von ganzem Herzen danke ich allen, die sich für Austausch und Verständigung in unserem Land engagieren. Nichts schützt besser vor Menschenfeindlichkeit als persönliche Begegnung.

Wir dürfen nicht hinnehmen, wenn Kritik an Israel zum Deckmantel für Ressentiments gegenüber Juden wird.

In unserem Land soll jeder Mensch den eigenen Weg gehen können und Wertschätzung erfahren – unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht. In unserem Land soll sich jede Frau und jeder Mann sicher und anerkannt fühlen können. Es ist eine gemeinsame Aufgabe des Staates wie auch eines jeden Einzelnen von uns, sich auf der Grundlage von Respekt und Toleranz für ein friedliches und gedeihliches Miteinander einzusetzen – in der Familie und Nachbarschaft, im Beruf und Ehrenamt, in Politik und nicht zuletzt in Religionsgemeinschaften.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass das bevorstehende Jahr ein gutes Jahr wird – Schana Towa!

IHRA

Allianz für die Erinnerung

Im März übernimmt Deutschland von Luxemburg den Vorsitz der International Holocaust Remembrance Alliance

von Michael Thaidigsmann  27.02.2020

Hanau

Der Schock sitzt tief

Reaktionen auf den rechtsextremistischen Anschlag

von Canan Topçu, Eugen El  27.02.2020

Bundesverfassungsgericht

Verbot religiöser Symbole im Justizwesen rechtens

Vorschrift, die Rechtsreferendaren Tragen religiöser Symbole verbietet, ist mit Grundgesetz vereinbar

von Michael Thaidigsmann  27.02.2020

Gesellschaft

Gegen Hass und Hetze

Wie die zunehmende Verrohung in der digitalen wie der realen Öffentlichkeit bekämpft werden kann

von Anatol Stefanowitsch  27.02.2020

Rechtsextremismus

»Mir bereitet das große Sorgen«

Armin Laschet über die Bedrohung von Minderheiten, Feinde der Demokratie und den Israel-Jacobson-Preis

von Detlef David Kauschke  27.02.2020

Einspruch

Es braucht Führungsstärke

Maram Stern fordert, dass Deutschland im internationalen Kampf gegen Antisemitismus Akzente setzt

von Maram Stern  27.02.2020

Berlin

386 Verfahren mit judenfeindlichem Hintergrund

Am Mittwoch wurde Jahresbericht der Antisemitismusbeauftragten der Generalstaatsanwaltschaft vorgestellt

 26.02.2020

Bundesverfassungsgericht

Karlsruher Sterbehilfe-Urteil umstritten

Frankfurter Mediziner Leo Latasch begrüßt den Richterspruch – Kritik kommt vonseiten der Kirchen

von Michael Thaidigsmann  26.02.2020

Berlin

Stolpersteine vor dem Axel-Springer-Neubau

Verlag erinnert an vertriebene und ermordete Berliner im ehemaligen Zeitungsviertel

 26.02.2020