Diplomatie

Eine schwierige Reise

Nach Paris, Athen, Straßburg und Rom nun Jerusalem: In der Reihe der Antrittsbesuche, die Frank-Walter Steinmeier als neuer Bundespräsidenten absolviert, dürfte dies seine bislang schwierigste Reise werden.

Steinmeier ist in Begleitung von Frau Elke Büdenbender auf Einladung des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin nach Israel gekommen. Mit seinem Besuch möchte der Bundespräsident die besondere Partnerschaft mit Israel würdigen und zur Vertiefung beitragen, hieß es zuvor. Nachdem der Besuch von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel in der Vorwoche mit einem Eklat endete und die Beziehungen bereits deutlich belastet waren, soll es nun Steinmeier richten. Eine schwierige diplomatische Mission.

Der Auftakt am Samstag war locker und entspannt. Steinmeier besuchte gleich nach Ankunft mit Rivlin den Schuk Mahane Yehuda. Der Jerusalemer Markt verwandelt sich spätabends in eine Ausgehmeile und Straßengalerie. Dutzende Graffitis schmücken die heruntergelassenen Rollläden der Marktstände. Die beiden Staatsoberhäupter trafen sich auf ein Bier, besichtigen anschließend die Sprayer-Kunst.

Am Sonntag beginnt das offizielle Programm mit Kranzniederlegungen an den Gräbern von Itzhak Rabin und Schimon Peres. Danach besucht das deutsche Staatsoberhaupt die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Anschließend trifft sich Steinmeier mit Präsident Rivlin und Premier Netanjahu. Am Abend hält er in der Hebräischen Universität eine Rede und diskutiert mit Studierenden.

Position Auch sind Gespräche mit Vertretern der Zivilgesellschaft geplant. Am Montag kommt Steinmeier unter anderen mit dem Schriftsteller Amos Oz, der als Kritiker der israelischen Siedlungspolitik gilt, zusammen. Ein Treffen mit der NGO »Breaking the Silence« soll es nicht geben. Spiegel-Online berichtete bereits am Donnerstag von »Steinmeiers Strategie gegen den Eklat«. Demnach wolle der Bundespräsident die umstrittenen Organisationen nicht treffen, aber dem Thema auch nicht aus dem Weg gehen und in seiner Rede in der Hebräischen Universität Position beziehen. Steinmeier wähle den diplomatischen Weg, so Spiegel-Online. Am Dienstag wird Steinmeier er in die Palästinensischen Gebiete fahren, dort mit Präsident Mahmud Abbas zusammentreffen und ein Ausbildungszentrum besuchen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begleitet den Bundespräsidenten auf der Reise. Es sei Ausdruck der besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, dass das Staatsoberhaupt als eines der ersten Länder Israel besucht. »Nach den jüngsten Irritationen hoffe ich, dass Herr Steinmeier die unverbrüchliche Freundschaft und die immer währende Verantwortung Deutschlands für den jüdischen Staat deutlich macht«, so Schuster. »Der Bundespräsident sollte insgesamt in seiner Amtszeit der schwindenden Solidarität für Israel in der deutschen Bevölkerung mit Worten und Taten entgegenwirken.« ddk

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Teheran

Iran droht USA im Falle von weiteren Angriffen mit Vergeltung

Das Mullah-Regime warnt die USA vor weiteren Attacken auf Handelsschiffe. Ob mittlerweile die von US-Präsident Trump erwartete Antwort aus Teheran auf den Friedensvorschlag eingegangen ist, ist nicht bekannt

 10.05.2026

Moskua

Russland will Uran aus dem Iran einlagern

Kremlchef Putin erklärt, dass Russland bereit sei, angereichertes Uran aus dem Iran einzulagern. Ob die USA dem Vorschlag zustimmen werden, ist offen

 10.05.2026

Washington

Rubio: Erwarten heute eine Antwort aus dem Iran

Während sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA zuletzt zugespitzt haben, setzen die USA weiter auf eine Verhandlungslösung mit Teheran. Nun äußert sich der US-Außenminister dazu

 08.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Andenken

Vier Schulen und mehrere Plätze nach Margot Friedländer benannt

Vor einem Jahr - am 9. Mai - starb die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit 103 Jahren. Für viele war sie ein Vorbild. Inzwischen tragen immer mehr Schulen, Straßen und Plätze ihren Namen. Eine Übersicht

von Karin Wollschläger  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026

Initiative

Antisemitismusbeauftragter Klein begrüßt Gesetzentwürfe im Bundesrat

Im Bundesrat geht es an diesem Freitag um den Handel mit Nazi-Opfer-Gegenständen und um das Leugnen des Existenzrechts Israels. Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein begrüßt die Vorstöße

von Anita Hirschbeck  08.05.2026