Leo-Baeck-Preis

Ein wahrer Freund Israels

Preisträger Mathias Döpfner (M.) mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (2.v.r.), den Vizepräsidenten Abraham Lehrer und Mark Dainow (v.l.) sowie dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder (r.) Foto: Marco Limberg

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den Springer-Chef Mathias Döpfner mit seiner höchsten Ehrung, dem Leo-Baeck-Preis, ausgezeichnet. Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE wurde am vergangenen Donnerstag in Berlin für sein außerordentliches Engagement für die jüdische Gemeinschaft und Israel geehrt.

Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte Döpfner als einen Meinungsführer, der nicht dazu schweige, wenn Juden und der Staat Israel angegriffen oder verächtlich gemacht würden. Döpfner finde klare Worte gegen neuen Antisemitismus, der häufig »mit dem Deckmäntelchen namens Israelkritik« daherkomme und offenbar weite Teile der Bevölkerung kaum beunruhige. Nicht nur der Gesellschaft, auch einigen Medien drohe der innere Kompass verloren zu gehen, sagte Schuster.

Durch die stete Abwertung Israels habe sich »quasi durch die Hintertür« in unsere Gesellschaft »eine Haltung eingeschlichen, mit der alte antisemitische Vorurteile gepflegt werden können, ohne sie benennen zu müssen«. Immer wieder werde in der Berichterstattung einseitig in Israel der Schuldige gesucht, beklagte Schuster. Er sei sich nicht sicher, ob Journalisten sich dessen bewusst seien, was sie mit ihren voreingenommenen Schilderungen über Israel auslösen könnten. »Es ist ein Spiel mit dem Feuer.«

Der Springer-Chef findet klare Worte gegen neuen Antisemitismus.

Dies gelte nicht für die Medien des Springer-Verlags, die sich der Verantwortung für Israel und dem Gedenken an die Schoa verpflichtet hätten. Es gebe auch andere, die sich durch eine faire Berichterstattung über Israel auszeichneten – doch der Mainstream sei das nicht, sagte Schuster. Er erinnerte daran, was Israel den Juden bedeute. Das sei offenbar weiten Teilen der Bevölkerung und auch vielen Medienschaffenden nicht bewusst. Döpfner hingegen sei der Inbegriff eines wahren Freundes Israels und der jüdischen Gemeinschaft.

In einem Meinungsbeitrag für die »Welt« hatte sich Mathias Döpfner selbst als »nichtjüdischen Zionisten« bezeichnet. Für seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft und den jüdischen Staat erhielt er 2014 den Europäischen B’nai-B’rith-Preis und 2016 den Arno-Lustiger-Ehrenpreis.

Ansporn Schuster betonte in seiner Rede, die Verantwortung Deutschlands, die aus der Geschichte resultierte, könne ausgefüllt werden, indem Missstände – Antisemitismus, Anfeindungen von Sinti und Roma, Muslimen oder Homosexuellen – heutzutage klar benannt und angegangen werden. Diese Haltung zeichne Mathias Döpfner aus. »Wir können Sie leider nicht klonen, aber ich hoffe, dass die heutige Preisverleihung Ansporn für viele Journalisten, gerade Nachwuchsjournalisten, ist, in Ihre zugegeben riesig großen Fußstapfen zu treten«, sagte Schuster.

Lob äußerte der Zentralratspräsident auch für Außenminister Heiko Maas (SPD), der beklagt hatte, dass Israel in UN-Gremien ausgegrenzt und nicht angemessen behandelt werde. »Endlich hat dies ein deutsches Regierungsmitglied ausgesprochen!« Ebenfalls begrüße der Zentralrat, dass der Bundestag ein deutliches Zeichen gegen die Israel-Boykott-Bewegung BDS setzen wolle (der Beschluss des Parlaments in Berlin fiel am vergangenen Freitag).

Ronald S. Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), sagte in seiner Laudatio: »Mathias, du bist ein großer Mann. Nicht nur mit deinen fast zwei Metern, sondern auch als Mensch. Du bist einmalig! Vielen, vielen Dank für alles, was du für die deutsch-jüdische Beziehung geleistet hast.« Der Springer-Chef sei ein Mann, »der für Mut und Anstand steht und all die noblen Eigenschaften repräsentiert, die man mit Deutschland verbindet«, sagte Lauder.

Mit Döpfner verbinde ihn eine mehr als 20-jährige Freundschaft: »Ich habe niemals einen Menschen gefunden, der sich stärker verpflichtet gefühlt hätte, gegen Kommunismus und Totalitarismus zu kämpfen, und keinen größeren Verteidiger Israels und des jüdischen Volkes.«

Rechtsrahmen Mathias Döpfner nahm den Preis sichtlich bewegt entgegen. Er sagte, die Freundschaft mit Ronald S. Lauder bedeute ihm sehr viel. In seiner Dankesrede betonte er, man brauche seiner Meinung nach keine neuen Gesetze gegen antisemitische Straftaten. Es reiche, den geltenden Rechtsrahmen konsequent auszunutzen.

»Sie können sich auf Axel Springer und auf mich immer verlassen, wenn es darum geht, Antisemitismus zu bekämpfen und jüdisches Leben zu fördern. Und ich sage Ihnen auch: Das reicht nicht.« Deutschland könne »nur zu sich selbst kommen, wenn es zu seinen jüdischen Wurzeln steht. Die jüdischen Wurzeln sind prägend für dieses Land«, unterstrich der Springer-Chef. Er zitierte die Worte von Leo Baeck, dass die Geschichte des deutschen Judentums definitiv zu Ende sei. Er, Döpfner, wünsche sich, »dass dies vielleicht der einzige Satz des großen Leo Baeck ist, den wir gemeinsam widerlegen können«.

Mit dem Leo-Baeck-Preis, der an Rabbiner Leo Baeck (1873–1956) erinnert, ehrt der Zentralrat der Juden seit 1957 Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Zu den Gästen gehörten auch Joachim Gauck und Christian Berkel.

Zu den Gästen des Gala-Diners gehörten unter anderem die Verlegerin Friede Springer, die Schoa-Überlebende Margot Friedländer, Ex-Bundespräsident Joachim Gauck, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, Israels Botschafter Jeremy Issacharoff, US-Botschafter Richard Grenell, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, der Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, weitere Parlamentarier, Berlins Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli (SPD), und der Schauspieler Christian Berkel.

Gekommen waren auch die Zentralratsvizepräsidenten Abraham Lehrer und Mark Dainow sowie weitere Präsidiumsmitglieder, Zentralratsgeschäftsführer Daniel Botmann, der Antisemitismusbeauftragte des Bundes, Felix Klein, der evangelische Bischof Markus Dröge, der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Hellmut Königshaus, die Leo-Baeck-Preisträger Volker Beck und Nikolaus Schneider, der frühere Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der Präsident des Deutschen Historischen Museums, Raphael Gross, der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, und mehrere Rabbiner.

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026 Aktualisiert

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026