Meinung

Islamisten bekämpft man nicht mit Worten, sondern mit Taten

Kurz vor Ende der Frist haben die Staaten der E3, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, den Snapback-Mechanismus des JCPoA eingeleitet und den Weg für eine Rückkehr zum strengen UN-Sanktionsregime von vor 2015 freigemacht.

Ich selbst hatte in vielen Gesprächen mit Politikern dargelegt, wie überfällig diese Maßnahme ist, nicht nur um die iranische Bombe zu verhindern, sondern um endlich den Kopf der Schlange der Destabilisierung im Nahen Osten, den Financier und Waffenlieferanten aller Terrorgruppen, ins Visier zu nehmen. Denn Islamisten wie das iranische Regime bekämpft man nicht mit Worten, sondern mit Taten. Man muss sie ökonomisch und militärisch einhegen, um die Gefahr zumindest zu bannen.

Mit dem Snapback ist die Gefahr eines Auslaufens bestimmter Sanktionen zum iranischen Atomprogramm zunächst verschoben. In ihrem Brief an den UN-Sicherheitsrat kritisieren die Außenminister der drei Staaten deutlich die Verstöße Teherans gegen die Verpflichtungen des Atomabkommens seit 2019. Sie betonen, mangelnde Verhandlungsbereitschaft des Iran habe den Snapback nun nötig gemacht. Dieser Schritt ist zu begrüßen, er erfolgt dennoch viel zu spät. Denn wie die E3-Außenminister selbst implizieren und es sich bereits lange vor den Militäreinsätzen Israels und der USA im Juni gezeigt hat, reagiert das Regime nur auf stärksten internationalen Druck.

Die Gefahr besteht also, dass doch noch ein fauler Kompromiss mit dem iranischen Regime geschlossen wird.

Die kommenden 30 Tage bis zum Wiederinkrafttreten der Sanktionen sollen für weitere Verhandlungen mit dem Regime über eine Verlängerung der Verpflichtungen des JCPoA genutzt werden. Die Gefahr besteht also, dass hier doch noch ein fauler Kompromiss geschlossen wird.

Wenn die E3 aber konsequent bleiben, werden bald wieder weitreichende Sanktionen gelten: neben Beschränkungen von Im- und Export nuklear sensibler Güter auch umfassende Waffenembargos. Dies dürfte auch Auswirkungen auf Russlands Krieg in der Ukraine haben, bei dem Moskau auf iranische Rüstungsgüter zurückgreift. Des Weiteren gelten strenge Richtlinien für Logistik-, Finanz- und Versicherungsleistungen, die geeignet sind, dem Regime in seinen nuklearen und Rüstungsambitionen dienlich zu sein.

An dieser Stelle liegt die wirkliche Herausforderung. Die Einhaltung dieser Sanktionen muss effektiv sichergestellt und ein umfassender Plan zur Verhinderung von systematischer Sanktionsumgehung durch Teheran erstellt werden. Geldflüsse aus und in den Iran sowie Geschäfte mit iranischen Banken müssen unterbunden werden. Auch in Deutschland befinden sich Niederlassungen iranischer Banken.

Lesen Sie auch

Bei der Überwachung von Handelsrouten muss der rechtliche Rahmen voll ausgeschöpft werden. Inspektionen verdächtiger Frachtschiffe auf See müssen zur Regel werden. Auch wenn nur der leiseste Verdacht besteht, dass es sich um eine Waffenlieferung an Hamas, Hisbollah oder andere iranische Terrorproxies handelt.

Hierfür ist es nötig, dass alle westlichen Partner eng kooperieren. Nur durch ein offensives Vorgehen kann illegaler Proliferation und Schmuggel begegnet werden. Auch hier muss das Motto sein: Taten, nicht nur Worte.

Der Autor ist Direktor des Mideast Freedom Forum Berlin.

Hamburg

Block-Prozess: Mehr Fragen an mutmaßlichen Kindesentführer

Ein israelischer Angeklagter gesteht, an der Entführung der Block-Kinder Silvester 2023/24 beteiligt gewesen zu sein. Er sah sich aber als »Superman«, der Kinder rettet. Das Gericht hat viele Nachfragen

 29.08.2025

Schweiz

Antisemitische Hetze in Zürich

In den Stadtvierteln Enge und Wollishofen, wo viele Juden leben, sind israelfeindliche Plakate an öffentlichen Orten aufgetaucht

 29.08.2025 Aktualisiert

Markus Lanz

Wolkige Rhetorik und rhetorische Volten

In der ZDF-Sendung bemühte sich Kanzleramtsminister Thorsten Frei, den Rüstungsexportstopp seiner Regierung zu erklären, während taz-Journalistin Ulrike Herrmann gar einen »Regimewechsel« in Israel forderte

von Michael Thaidigsmann  29.08.2025

Bonn

Experte: Opfer mit Bewältigung von Rechtsterror nicht alleinlassen

Der erste NSU-Mord liegt beinahe 25 Jahre zurück. Angehörige der Opfer fordern mehr Aufmerksamkeit - und angemessenes Gedenken, wenn es um rechtsextreme Gewalt geht. Fachleute sehen unterschiedliche Entwicklungen

 29.08.2025

Kopenhagen

Sanktionen gegen Israel? Außen- und Verteidigungsminister beraten

Was ist mit möglichen Sanktionen gegen den jüdischen Staat? Wie geht es weiter mit der Unterstützung der Ukraine? Um Fragen wie diese geht es jetzt bei zwei EU-Treffen in Dänemark

 29.08.2025

Würdigung

Tapfer, klar, integer: Maram Stern wird 70

Er ist Diplomat, Menschenfreund, Opernliebhaber und der geschäftsführende Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses. Zum Geburtstag eines Unermüdlichen

von Evelyn Finger  29.08.2025

Justiz

Gericht erlaubt israelfeindliche Demonstration in Frankfurt

Gegen den Beschluss kann die Stadt Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel einlegen

 28.08.2025

New York

Europäer wollen Sanktionen gegen Iran aktivieren

Steht das umstrittene Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe endgültig vor dem Aus? Ein Schritt, den Deutschland jetzt mit europäischen Partnern geht, deutet darauf hin

 28.08.2025

Atomprogramm

Wadephul droht Iran mit Wiedersetzung von Sanktionen

Wird schon heute der Snapback-Mechanismus gestartet, mit dem Sanktionen gegen Teheran wieder eingeführt werden? Der deutsche Außenminister betont erneut den Willen zu einer diplomatischen Lösung

 28.08.2025