Meinung

Ein Hakenkreuz für Richard Wagner

Foto: Marco Limberg

Meinung

Ein Hakenkreuz für Richard Wagner

In ihrem Bemühen, sich von der eigenen Vergangenheit abzusetzen, schießen die Bayreuther Festspiele übers Ziel hinaus

von Michael Wuliger  23.07.2012 18:55 Uhr

Der gefeierte russische Bassbariton Evgeny Nikitin war in seiner Jugend Schlagzeuger einer Heavy-Metal-Band. Aus dieser Zeit trägt er am Körper diverse Tätowierungen, darunter SS-Runen und ein handtellergroßes, inzwischen teilweise überstochenes Hakenkreuz auf der rechten Brust.

Wegen der »Konnotationen dieser Symbole in Verbindung mit der deutschen Geschichte« hat die Leitung der Wagner-Festspiele Nikitin zum Rückzug von dem Festival gedrängt. Der 35-Jährige war deshalb nicht, wie vorgesehen, zur Eröffnung am Mittwoch in der Hauptrolle des Fliegenden Holländer zu sehen und zu hören.

Zwar hatte Evgeny Nikitin, soweit man weiß, nicht vorgehabt, seinen Part mit nacktem Oberkörper zu geben. Die Tattoos sind dem Sänger inzwischen peinlich, »eine Jugendsünde«, wie er sagt. Aber auf dem Grünen Hügel versteht man, anders als früher, heute keinen Spaß, wenn es um Hakenkreuze geht.

Co-Festspielleiterin Katharina Wagner ist seit ihrem Amtsantritt 2008 emsigst bemüht, mit der traditionellen Affinität zwischen Bayreuth und den Nazis zu brechen. Deshalb beleuchtet zur diesjährigen Saison eine Ausstellung auf dem Festspielgelände den Antisemitismus Wagners und die historische Nazinähe des Festivals. Deshalb durfte Evgeny Nikitin nicht singen.

gut gemeint Das ist von Katharina Wagner sicherlich gut gemeint. Doch es hat auch etwas Lächerliches an sich. In ihrem Drang, sich von der eigenen Geschichte abzusetzen, schießt die Festspielleitung mit Kanonen auf Spatzen. Das erinnert an Ex-Kettenraucher, die, kaum von den Zigaretten losgekommen, die unerbittlichsten Nikotinbekämpfer werden.

Zumal noch tausend Besetzungswechsel oder Ausstellungen am eigentlichen Bayreuther Problem nichts werden ändern können: Dass Hitler und die Nazis sich für Wagner so begeisterten – und die Familie des Komponisten umgekehrt für sie –, war nur natürlich. Die deutsch-völkischen Erweckungswerke des geschworenen Judenhassers Richard Wagner waren – und sind – in Noten gesetzter Nationalsozialismus. Wenn seine Urenkelin Katharina sich von dieser Tradition wirklich absetzen will, gibt es nur eine Möglichkeit: in Bayreuth keine Opern Richard Wagners mehr aufzuführen.

Berlin

Julia Klöckner ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Die Bundestagspräsidentin erinnert an die Opfer des 7. Oktober 2023 in Israel. Ihre Botschaft: Antisemiten müssten in die Schranken gewiesen werden

 07.10.2026

Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne, v.l.) vor dem ersten Vorsondierungsgespräch, 1. Oktober

Nach der Wahl

Linke, Grüne und SPD in Berlin beraten über Umgang mit Antisemitismus

Die Regierungsbildung ist noch nicht richtig in Gang gekommen. Nun treffen sich Linke, Grüne und SPD zu einem dritten Vorgespräch – an einem historischen Tag. Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

 07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  07.10.2026

Islamismus

Studie: Nach Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg verlagern sich Netzwerke nach Frankfurt

Einer neuen Untersuchung von American Jewish Committee Berlin und democ zufolge bestehen die Strukturen des vom Iran gesponserten schiitischen Islamismus in Deutschland fort

 07.10.2026

Berlin

Fischer, Thierse, Altmaier – Prominente warnen vor Rot-Grün-Rot

Frühere Spitzenpolitiker von SPD, Grünen und CDU wenden sich gegen eine Koalition mit der Linkspartei in der Hauptstadt. Sie sähen gemeinsame Grundüberzeugungen zu Rechtsstaat und Demokratie nicht gesichert, heißt es in einem Appell

 07.10.2026

Berlin

Initiative von Jüdinnen und Juden wendet sich gegen Koalition mit der Linken

Mit einem offenen Brief an Vertreter von SPD und Grünen in Berlin und auf Bundesebene sowie ihre Fraktionsmitglieder warnen die Unterzeichnenden vor einer Regierung mit der Linkspartei in der Hauptstadt

 07.10.2026

Justiz

Fast 12.500 Strafverfahren zum Nahost-Konflikt in Berlin

Seit dem Terrorangriff auf Israel hat der Antisemitismus zugenommen. Keine Woche vergeht in Berlin ohne Demonstrationen zum Gaza-Krieg. Wie aufgeheizt die Stimmung ist, zeigen auch Zahlen der Justiz

 07.10.2026

Antisemitismus

Nach Angriff auf jüdischen Mann in Düsseldorf: Verdächtige ermittelt

Eine Woche nach dem Angriff auf einen deutschen Juden am Rheinufer in Düsseldorf hat die Polizei nun zwei Tatverdächtige ermittelt. Was bislang bekannt ist

 07.10.2026