SchUM

»Ein großer Schatz«

Eingang zur historischen Mikwe im rheinland-pfälzischen Speyer Foto: imago

Auf rund 1000 Seiten dokumentiert ein Antrag für die UNESCO, warum das jüdische Erbe von Speyer, Worms und Mainz ins Weltkulturerbe aufgenommen werden sollte. Der Antrag für die Schum-Städte - so benannt nach den Anfangsbuchstaben ihrer hebräischen Namen - wird am Montag von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in der Neuen Synagoge in Mainz unterzeichnet und am 23. Januar bei der Weltkulturorganisation UNESCO in Paris eingereicht - rechtzeitig vor Fristende am 1. Februar.

Das geistige Leben der jüdischen Gemeinden am Rhein fand im Hochmittelalter Beachtung in weiten Teilen Europas. Erhalten geblieben sind Reste der 1104 errichteten Synagoge in Speyer sowie eine um 1120 gebaute Mikwe: Das Bad zur rituellen Reinigung vor dem Gebet ist das älteste erhaltene Bauwerk dieser Art in Europa.

In Worms wurde die 1034 geweihte Synagoge schon in mittelalterlichen Pogromen schwer beschädigt und bei den NS-Pogromen im November 1938 in Brand gesetzt. Erhaltene Baureste konnten beim Wiederaufbau von 1956/57 wiederverwendet werden. Auch eine etwas kleinere Mikwe ist in Worms erhalten: Als in der Erde errichtetes Bauwerk überstand das um 1185/86 entstandene Bad alle Verfolgungen und Zerstörungen in der Geschichte der Wormser Juden, auch wenn es im 19. Jahrhundert teilweise verschüttet war. Vom Leben der jüdischen Gemeinden im Mittelalter zeugen schließlich zwei Friedhöfe in Worms und Mainz, mit Grabsteinen, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen.

»Es ist ein großer Schatz, die Schum-Stätten in Rheinland-Pfalz zu haben«, sagt Ministerpräsidentin Dreyer. »Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben wieder angegriffen wird, ist es sehr wichtig, dass das Bewusstsein für die jüdische Tradition in diesem Land gestärkt wird und dass jüdische Kultur in den auch sehr aktiven Gemeinden weiter gelebt wird.«

Der Antrag sei ein großer Schritt auf dem langen Weg zur Aufnahme ins Welterbe, erklärt die Geschäftsführerin des Schum-Städte-Projekts, Susanne Urban. »Wir haben alle das Gefühl, dass wir unser Allerbestes gegeben haben.« In der Endphase habe es Diskussionen teilweise bis in die Nacht hinein gegeben. Alle Beteiligten seien zuversichtlich, nun einen sehr überzeugenden Antrag vorlegen zu können. »Aber jetzt beginnt noch ein richtig intensives Jahr«, sagt Urban.

Das Dossier für die UNESCO besteht aus zwei großen Teilen. Zum einen wird auf etwa 600 Seiten wissenschaftlich fundiert der außergewöhnliche universelle Wert der jüdischen Stätten am Rhein dargelegt. Dieser »Outstanding Universal Value« ist Voraussetzung für die Aufnahme ins Welterbe. Zum anderen wird in einem etwa 400 Seiten umfassenden Management-Plan erklärt, wie die Stätten dauerhaft und damit für alle kommenden Generationen gesichert und für die Öffentlichkeit erschlossen werden sollen.

Den Antrag genau anschauen wird sich der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS). Nach der fachlichen Prüfung wird bis Anfang 2021 eine Stellungnahme erwartet. Im Juli 2021 soll dann das Welterbe-Komitee der UNESCO eine endgültige Entscheidung treffen.

Das Projekt der Schum-Städte will bewusst machen, dass sich jüdische Geschichte in Deutschland nicht auf den Holocaust reduzieren lässt. Die Geschichte der mittelalterlichen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz zeigt zudem nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler, dass sich Judentum und christliche Mehrheitsgesellschaft in einem regen Austausch auch wechselseitig befruchten konnten. Aus der Betrachtung der besonderen Situation der jüdischen Gemeinden am Rhein ergeben sich somit auch Impulse für den Umgang mit Minderheiten heute.

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 08.10.2026

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026

Clan-Kontakte

Berliner SPD-Chef fordert Ausschluss von Ferat Koçak

Auch die Linken-Landesvorsitzende betonte, die Aufklärung sei noch nicht abgeschlossen

 08.10.2026

Kommentar

Allein mir fehlt der Glaube

Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin haben bei ihren Sondierungen in Berlin ein dreiseitiges Papier zur Bekämpfung von Antisemitismus vereinbart. Eine Einordnung

von Michael Thaidigsmann  08.10.2026

Washington D.C.

Medien: US-Regierung erwägt neue Angriffe auf den Iran

Seit Wochen gibt es im Krieg der USA gegen den Iran keine sichtbaren Fortschritte. Kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen könnte US-Präsident Trump die Situation noch einmal eskalieren lassen

 08.10.2026

Gedenken

Litfaßsäulen in Berlin sollen an NS-Deportationen erinnern

Mehr 1000 jüdische Berlinerinnen und Berliner Juden wurden mit dem ersten sogenannten »Osttransport« aus der Hauptstadt deportiert. Eine neues Projekt soll an die Opfer des nationalsozialistischen Zivilisationsbruchs erinnern

 08.10.2026

7. Oktober

»Wir erinnern nicht schweigend«

Melody Sucharewitz über ihren Kampf gegen das Vergessen des 7. Oktober bei der Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz in Berlin. Ihre Rede im Wortlaut

von Melody Sucharewicz  08.10.2026

9. Oktober 2019

Gedenken zum Jahrestag des Anschlags von Halle

Der antisemitische Anschlag von Halle jährt sich am Freitag zum siebenten Mal. Die jüdische Gemeinde, Kirchen, Stadt und zivilgesellschaftliche Gruppen planen Gedenkveranstaltungen auch an den Anschlagsorten

 08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026