Einspruch

Ein falscher Freund

Also Trump. Der fleischgewordene Albtraum des Westens. Der Mann, der bei allen, die halbwegs bei Trost sind, Angstneurosen auslöst – Atomkrieg, Schulterschluss mit Russland, Zerschlagung der NATO … Gemach.

Ja, es ist ein fürchterliches Wahlergebnis für alle US-Romantiker. Ja, es ist ein Signal, dass das Ende des Polit-Establishments näher kommt und das Zeitalter der Populisten anbricht. Als nächstes drohen der Front National in Frankreich und die AfD in Deutschland. Ja, es wäre wirklich an der Zeit, schwarzzumalen.

demokratie Aber: Die USA haben in demokratischer Wahl entschieden. Die USA sind eine starke, wenn nicht die stärkste Demokratie der Welt. Ihre Strukturen sind stabil. Deshalb sei allen, die jetzt Weimar-Vergleiche bemühen, ins Stammbuch geschrieben: Trump wird nicht das politische System verändern. Wenn er sich nicht durch das Amt domestizieren lässt, werden die Abwehrmechanismen einer wehrhaften Demokratie greifen.

Die republikanische Mehrheit in Senat und Kongress bedeutet nicht automatisch, dass Trump »durchregieren« wird – im Gegenteil: Etliche Republikaner werden geradezu erpicht darauf sein, die zivilisierten Formen der Politik zu bewahren oder zurückzuerobern, die die Tea Party und Trump so leichtfertig zertrümmert haben.

ultima ratio Und wenn gar nichts mehr helfen sollte, dann gibt es als Ultima Ratio noch die Amtsenthebung, das Impeachment. Das ist sogar schon während der Clinton/Lewinsky-Affäre bemüht worden. Allein wird Trump jedenfalls die westliche Welt nicht in den Abgrund reißen können.

Und was heißt Trump für uns Juden? Seine Pro-Israel-Signale wurden durch permanent antisemitische Misstöne seiner Kampagne überlagert. Wie alle Populisten ist er ein falscher Freund. Er wird sich zunächst an anderen Minderheiten abarbeiten. Aber er wird nie unser Freund, schon gar nicht seines Umgangs mit Muslimen wegen.

Der Autor ist Publizist in Hamburg und Deutsch-Amerikaner.

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  15.06.2026 Aktualisiert

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Berlin

Streit um die Landesansprechperson für Antisemitismus

Recherchen des »Tagesspiegel« zufolge geht es bei der Suche nach einem Antisemitismusbeauftragten für die Berliner Hochschulen längst nicht mehr nur um die Belange der jüdischen Studierenden, sondern auch um Politik

 15.06.2026

Diplomatie

Macron will schnell Minen in Straße von Hormus räumen

Noch ist die Tinte nicht auf dem Abkommen zwischen den USA und Iran, doch Frankreichs Präsident signalisiert seine Bereitschaft »sehr schnell zu handeln«

 15.06.2026

Wirtschaft

Iran will Gebühren für Straße von Hormus verlangen

US-Präsident Donald Trump hat die Straße von Hormus für geöffnet erklärt. Aber Details eines US-Iran-Rahmenabkommens sind noch unklar. Im Iran fordern Stimmen Gebühren für die Durchfahrt der Meerenge

 15.06.2026

Meinung

Ein beschämender Deal

Israel und die USA haben den Iran zwar militärisch geschwächt. Dennoch haben sie keines ihrer Kriegsziele erreicht. Mit dem sich nun abzeichnenden Abkommen belohnt Präsident Donald Trump das mörderische Mullah-Regime

von Michael Roth  15.06.2026

Nahost

Die Stolpersteine beim Abkommen zwischen den USA und Iran

Die Umsetzung des Gaza-Abkommens steckt fest, Israel will seine Truppen aufgrund des Verhaltens der Terrororganisation Hisbollah nicht aus dem Libanon abziehen. Droht dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran das gleiche Schicksal?

 15.06.2026