Meinung

Dortmund kann auf uns zählen

Die Juden in Dortmund werden am Sonntag feierlich und öffentlich die sechste Chanukkakerze zünden. Das ist genauso selbstverständlich wie der Umstand, dass dabei auch der Oberbürgermeister anwesend ist. Ulrich Sierau ist das Stadtoberhaupt, das jüngst eine parlamentarische Anfrage der Partei »Die Rechte« sehr souverän nicht beantwortet hat.

Die rechtsextreme Partei hatte wissen wollen, wo genau wie viele Juden in Dortmund leben. Von einer »Judenzählung« war die Rede, und die Empörung war zu recht sehr groß. Auch in der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund hat es viele Sorgen gegeben, schließlich war die Anfrage in einer Sprache verfasst, die viele unserer Mitglieder an die 30er-Jahre erinnerte.

störung Die Provokation der Nazis geschah zudem unmittelbar nach dem 9. November. Wenn wir am jüdischen Mahnmal im Stadtteil Dorstfeld unserer Toten der Schoa gedenken, sind rechtsextreme Störungen mittlerweile beinah normal geworden. »Nie wieder Israel« und »Wir gedenken der deutschen Opfer« wird dann gerufen. In diesem Jahr war der »Rechte«-Ratsherr mit einer Kamera dabei, um die Störaktionen seiner Kameraden zu filmen.

Doch wir Dortmunder Juden sind mutig und stark. Niemand wird wegen dieser Attacken und Drohungen die Stadt und das Land verlassen. Dortmund ist eine Stadt, in der wir große Unterstützung erhalten. Die jüdischen Menschen fühlen sich hier wohl, die Stimmung ist gut. Wir haben viel Zuspruch erfahren, gerade in der jüngsten Zeit: von der Politik, von den Vereinen der Stadt, von den beiden großen christlichen Kirchen, von der Moscheegemeinde und vielen anderen.

akzeptanz Trotzdem dürfen wir uns nicht zufrieden zurücklehnen und uns mit der Gefahr arrangieren. Nazis sind stark in Dortmund, und gerade im Stadtteil Dorstfeld ist es Rechtsextremen gelungen, sich breitzumachen. In Dorstfeld leben auch etliche Juden, von denen viele sagen, dass sie die Bedrohung aushalten, solange sie sich nicht als Juden zu erkennen geben. Eine solche Haltung ist nachvollziehbar, aber akzeptabel ist sie letztlich nicht.

Wir sind Bürger dieser Stadt und müssen unbehelligt in die Synagoge gehen, eine Kippa tragen oder Chanukkalichter zünden und ins Fenster stellen dürfen. Das schreibe ich nicht, weil ich Rabbiner bin und natürlich mit Kippa gehe, sondern weil wir jüdisches Leben nicht verstecken dürfen.

Der Autor ist Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund.

Justiz

Melanie Müller und der Hitlergruß auf der Bühne: Das Landgericht Leipzig hat nun sein Urteil gesprochen

Die Schlagersängerin hatte bei einem Konzert in Leipzig mehrfach den Hitlergruß gezeigt

 12.01.2026

Jackson

Brandanschlag auf Synagoge in Mississippi

Überwachungsvideos zeigen laut Shemper einen Mann mit Kapuze und Maske, der eine Flüssigkeit aus einem Kanister im Inneren des Gotteshauses verteilt

 12.01.2026

Bayern

Kommunen müssen Antisemitismus-Verdacht alleine prüfen

Wenn der Verdacht des Judenhasses aufkommt, können Bayerns Kommunen jetzt Veranstaltungen in ihren Räumen untersagen. Um Gerichtsverfahren zu vermeiden, hatten sie um Hilfe gebeten - vergeblich, wie sich nun zeigt

 12.01.2026

Argentinien

Antisemitische Verschwörungstheorien nach Waldbränden

Der ehemalige General César Milani beschuldigt »Israelis«, für die Brände verantwortlich zu sein. Präsident Javier Milei spricht in Zusammenhang mit den Verschwörungsmythen von der »dunklen Seite Argentiniens«

 12.01.2026

Washington D.C.

Trump an Antisemiten: »Ich denke, wir mögen sie nicht«

In einem Interview sagt der amerikanische Regierungschef auch: »Ich war der beste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten für Israel.«

 12.01.2026

Berlin/Jerusalem

Dobrindt: Mehr Kooperation mit Israel für Sicherheit Deutschlands

Der Brandanschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten zeigt Schwachstellen in Deutschlands Sicherheit. Um besser aufgestellt zu sein, will die Bundesrepublik enger mit Israel zusammenarbeiten

 11.01.2026

Meinung

Wo bleibt Deutschlands Unterstützung für die protestierenden Iraner?

Bisher äußerte sich der Bundeskanzler schmallippig zu den Protesten gegen die Mullahs. Es wird Zeit, dass er aus Europa Druck auf die Mullahs macht

von Saba Farzan  11.01.2026

Kommentar

Ärzte mit Grenzen

Die Waffen schweigen weitgehend in Gaza, der Informationskrieg tobt weiter. Ein besonders niederträchtiges Beispiel liefert »Ärzte ohne Grenzen«

von Wolf J. Reuter  10.01.2026 Aktualisiert

Kommentar

Die Proteste im Iran und die blamable Berichterstattung von ARD und ZDF

Die Mullahs sollen weg, der Schah soll kommen: Dafür hat die Linke gerade keine Erklärung parat - und mit ihr auch nicht die links geprägten Redaktionen des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks

von Christoph Lemmer  10.01.2026