Meinung

Die Show am East River

Kein anderer israelischer Politiker beherrscht die Kunst der Rhetorik so wie Benjamin Netanjahu. Das stellte er am Rednerpult der Vereinten Nationen am vergangenen Freitag wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis. Es war eine bewegende Ansprache, in der er sogar den Lubawitscher Rebben zitierte: In tiefster Dunkelheit kann auch ein kleines Licht sehr weit gesehen werden. Netanjahu betonte den Wunsch nach Frieden und machte konkrete Verhandlungsangebote.

hass Die als historisch angekündigte Rede von Mahmud Abbas hingegen war vor allem eines: hasserfüllt. Für das Scheitern des Friedensprozesses macht der Palästinenserpräsident allein Israel verantwortlich. Doch im Gegensatz zu den nur einen Steinwurf weit entfernten, zumeist bis auf den letzten Platz ausverkauften Theaterhäusern am Broadway endet die Show am East River vor halb leeren Rängen meist schnell. In der UN-Vollversammlung kommt es nicht darauf an, was gesagt wird, sondern wer es sagt.

Doch die Stunde der Wahrheit schlägt erst, wenn Abbas’ Antrag vom UN-Sicherheitsrat entschieden wird. Zwar kann sich Jerusalem der Position der USA gewiss sein. Ein Scheitern der Anerkennung Palästinas aufgrund des Vetos der Vereinigten Staaten würde aber nicht nur Israel weiter isolieren, sondern vor allem Amerika in der arabischen Welt nachhaltig als wichtigen Friedensmittler diskreditieren. Zu hoffen bleibt daher, dass auch andere demokratische Ratsmitglieder wie Brasilien, Deutschland, Großbritannien und Portugal dagegen stimmen oder die Palästinenser zumindest wieder an den Verhandlungstisch zwingen.

ratio Während seiner Rede zitierte Netanjahu passenderweise das arabische Sprichwort, wonach man mit nur einer Hand nicht applaudieren kann. Ebenso wenig können die Palästinenser eigenmächtig einen Staat auf einem ihnen zumindest nicht allein gehörenden Territorium gründen.

Auch wenn sie es nicht hören wollen: Westbank und Gazastreifen sind Relikte des ehemals britischen Mandatsgebietes, über dessen Zukunft Israelis und Palästinenser nur gemeinsam entscheiden können. Bis dahin ist die Präsenz beider Völker gleichermaßen gerechtfertigt und eben nicht »illegal«. Die Rückkehr an den Verhandlungstisch ist nicht zuletzt in palästinensischem Interesse. Denn beharren die Palästinenser unter Verstoß gegen die von ihnen selbst akzeptierte Ratio von Oslo und der Roadmap auf ihrem Alleingang, so dürften ihre Aussichten auf Eigenstaatlichkeit dort enden, wo sie bereits bei Basken, Korsen und Kurden gelandet sind: im Poesiealbum der Weltgeschichte.

Der Autor ist Vorsitzender des Keren Hayesod Deutschland.

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert

Stuttgart/Ulm

Antrags-Scharmützel im Prozess um Angriff auf israelische Rüstungsfirma

Die Verteidigung geht im Prozess um den Angriff auf das Unternehmen Elbit weiter auf Konfrontation zur Richterin. Die Verlesung der Anklage lässt auf sich warten

 11.05.2026

Iran-Krieg

440 Kilo Uran: Zentraler Streitpunkt mit dem Iran

Es dürfte tief unter der Erde in zwei Atomanlagen lagern. Der Verbleib des hoch angereicherten Urans bleibt Hauptkonflikt mit Teheran

 11.05.2026

Wien

Eurovision-Fans werfen EBU unfairen Umgang mit Israel vor

Der Hintergrund ist diesmal eine Werbekampagne der israelischen Rundfunkanstalt KAN für den Sänger Noam Bettan und dessen Beitrag »Michelle«

 11.05.2026

Berlin

Jüdische Gemeinde übt massive Kritik an Antisemitismus-Papier der Linken

Der Gemeinde-Vorsitzende Gideon Joffe bezeichnet das Konzept der Partei als »feige« und spricht von einem »Feigenblatt«

 11.05.2026

Brandenburg

Rechtsextremistische AfD gewinnt erstmals bei Bürgermeisterwahl

In Zehdenick zieht der AfD-Kandidat René Stadtkewitz mit deutlichem Vorsprung ins Rathaus ein. Für seine Partei ist es der erste Sieg bei einer Bürgermeisterwahl in diesem Bundesland

 11.05.2026

Nahost

Drohnenangriffe in Golfstaaten verschärfen Spannungen mit Iran

Die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait melden Drohnenattacken, Süd-Korea einen Angriff auf ein ziviles Schiff in der Straße von Hormus

 11.05.2026

Washington D.C.

Trump weist iranisches Angebot zurück

Die Antwort des Teheraner Regimes auf einen Vorschlag der USA sei »völlig inakzeptabel!«, schreibt der amerikanische Präsident

 11.05.2026