Einspruch

Deutschland ist der Verlierer

Antonia Yamin, Chefreporterin bei der »Bild«-Zeitung Foto: Boaz Arad

»Schon wieder? Wann? Jetzt?« Das sind die Fragen, die meine Kollegen mir stellten, als ich ihnen sagte, dass wieder zwei Hebräisch sprechende Juden in Neukölln angegriffen wurden. Mein erster Gedanke, nachdem ich von der Attacke am Samstag gehört hatte, war, dass mir dieser Berliner Bezirk schon vor dem 7. Oktober unsympathisch war.

Ich selbst wurde dort mehrmals angegriffen, nachdem ich auf der Straße auf Hebräisch journalistisch berichtet hatte. Mein zweiter Gedanke: Ich verstehe nicht, was Juden dort verloren haben, nachdem Neuköllner das Massaker der Hamas mit Süßigkeiten feierten und andere »vom Fluss bis zum Meer, Palästina wird frei sein« riefen.

Wie können wir als deutsche Juden einfach hinnehmen, dass unsere Freiheit in der Hauptstadt stetig schrumpft?

Es ist aber auch genau dieser Gedanke, der mich so wütend macht. Wie können wir als deutsche Juden einfach hinnehmen, dass unsere Freiheit in der Hauptstadt stetig schrumpft? Warum antworte ich nicht mehr auf Hebräisch, wenn mich mein israelischer Mann im Taxi anruft? Und warum verstecken wir unsere Davidstern-Ketten und Mesusot, anstatt stolz darauf zu sein?

Die Antwort auf all diese Fragen ist, dass wir das nicht hinnehmen dürfen. Wir können von den Politikern erwarten, dass sie die Angriffe verurteilen, wir können von der Polizei verlangen, dass sie härter durchgreift, aber am Ende, wenn es darum geht, unser Judentum nicht zu verstecken, ist es unsere eigene Verantwortung. Und eines wurde uns allen nach dem 7. Oktober ohnehin klar: Es ist unsere Aufgabe, uns selbst zu schützen. Wir müssen aufhören, Angst zu haben und uns zu verstecken.

Wenn wir irgendwann merken, dass wir in Deutschland wirklich nicht mehr sicher sind, dann müssen wir uns überlegen, welchen Weg wir gehen. Der Hauptverlierer wird dann Deutschland sein, denn wenn wir das Gefühl haben, dass wir gehen müssen, dann bleiben hier wahrscheinlich nur noch Judenhasser in Form von Islamisten, Linksradikalen oder AfD-Anhängern. Dann wird Deutschland viel mehr als »nur die Juden« verloren haben.

Die Autorin ist Chefreporterin bei der »Bild«-Zeitung.

Nahost

USA weiten Angriffe auf Iran aus – Teheran attackiert US-Stützpunkte

Eine weitere Welle von Angriffen gegen Dutzende Ziele sei durchgeführt worden, heißt es vom Zentralkommando der US-Streitkräfte

 13.07.2026

Brüssel

EU: Außenminister beraten über mögliche Israel-Sanktionen

Bei ihrem letzten regulären Treffen vor der Sommerpause beraten die Außenminister der EU-Staaten über Strafmaßnahmen wegen Israels Siedlungspolitik. Zudem geht es auch um Russland und den Iran

 12.07.2026

Washington

Trump widerspricht Iran: Straße von Hormus ist offen

Trotz gegenseitigen Angriffen erklärt der US-Präsident die Meerenge für offen. Die iranische Seite sieht das anders

 12.07.2026

Meinung

Das iranische Regime hat sich verkalkuliert

In Teheran glaubte man, dass US-Präsident Trump den Konflikt bis zu den Midterm-Wahlen nicht mehr eskalieren lassen würde. Doch in der amerikanischen Außenpolitik hat offenbar ein Lernprozess eingesetzt

von Michael Spaney  12.07.2026

Leipzig

Wie der MDR auf die Ankündigungen der AfD reagiert

Der MDR stellt sich auf juristische Auseinandersetzungen im Fall eines Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt ein

von Katharina Rögner  12.07.2026

Washington

Trump-Freund und Israel-Unterstützer: Senator Lindsey Graham ist tot

Gerade hatte der US-Republikaner Graham noch Kiew besucht, im November wollte er sich erneut zur Wahl stellen. Nun ist der langjährige Senator überraschend gestorben

 12.07.2026

Meinung

Wenn die Brandmauer bröckelt

Immer öfter erlebt unser Autor, dass die rechtsextreme AfD selbst in der gesellschaftlichen Mitte verharmlost wird. Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus Düsseldorf

von Jacques Abramowicz  12.07.2026

Interview

Karin Prien: »Würde mit Davidstern-Kette nicht in bestimmte Stadtviertel«

Die Bundesfamilienministerin (CDU) über Einsparungen in ihrem Ressort, das Programm »Demokratie leben« und ihre persönliche Betroffenheit vom wachsenden Antisemitismus in Deutschland

von Alexander Riedel, Birgit Wilke  12.07.2026

Magdeburg

Die AfD und ihr Plan für Sachsen-Anhalt

Jubel für Ulrich Siegmund, Vorwürfe gegen die CDU und ein 100-Tage-Plan mit radikalen Forderungen – was die AfD in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vorhat

von Christopher Kissmann  12.07.2026