Meinung

Der Turm und die Meinung

Im Grunde wollen doch alle dasselbe: Das Recht auf freie Meinungsäußerung soll in Ehren gehalten werden und Grundstein unserer Demokratie sein und bleiben.

Das wollen diejenigen, die man neuerdings gerne links einordnet, obwohl sie vor ein paar Jahren noch als die Mitte beschrieben worden wären, und auch jene, die sich beklagen, ihre zwischen konservativ und rechtspopulistisch einzustufenden Äußerungen seien in der Debatte um unsere Gesellschaft nicht willkommen.

pegida In dieses Horn bläst auch der angesehene Schriftsteller Uwe Tellkamp (Der Turm), der sich bereits im Rahmen der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst dafür ausgesprochen hatte, dass auch rechte Verlage ausstellen dürfen, und sich nun im Zusammenhang mit der sogenannten Flüchtlingsdebatte in der Nähe von AfD und Pegida positionierte. Daraufhin hat sich der Suhrkamp-Verlag, der Tellkamps Bücher verlegt, von diesen Äußerungen, wohlgemerkt nicht von seiner Person, distanziert.

Der Verlag hat damit genau das getan, was Tellkamp und andere, die ähnlich denken und sprechen wie er, im Niedergang sehen: Er hat sein Recht auf freie Meinungsäußerung ausgeübt. Tellkamp beklagt unter anderem, dass seine Meinung erduldet, aber nicht erwünscht sei.

demokratie Nun, das Recht auf freie Meinungsäußerung geht nicht mit dem Versprechen einer – im Auge des Meinungsäußerers – angemessenen Reaktion einher. Sprich: Man darf alles sagen, aber man wird nicht immer dafür von allen beklatscht. Und manchmal erzeugt man eine Reaktion, eine Gegenmeinung. Das ist kein Denkverbot, das nennt man Debatte oder, wenn man größer denkt, sogar Demokratie.

Der Suhrkamp-Verlag hat eine Haltung gezeigt, indem er sich von einer anderen Haltung – und die Haltungen seien hierbei nicht bewertet – distanzierte. Eine Ankündigung, man werde Tellkamps Bücher nicht mehr verlegen, gab es nicht; es geht hierbei nicht um Bestrafung. Freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht, für das es sich jederzeit zu kämpfen lohnt, da sind sich ausnahmsweise alle einig.

Die Autorin lebt als Schriftstellerin in München.

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  04.07.2026

Parteien

AfD-Chefin Alice Weidel äußert sich zu möglichen Koalitionen mit der CDU

Wie hält es die rechtsextreme Partei ihrerseits mit einer Annäherung an die Union?

 04.07.2026

Parteitag

AfD bestätigt Führungsduo – Chrupalla verliert an Rückhalt

Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. Chrupalla muss allerdings Federn lassen. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter

von Anne-Beatrice Clasmann  04.07.2026

Essay

Die Sprache der AfD

Gewalt, NS-Bezüge und Antisemitismus: Wie die rechtsextreme Partei auch rhetorisch die Grenzen verschiebt. Eine linguistische Analyse

von Deborah Kämper  04.07.2026

Thüringen

Mehr als 30.000 Menschen protestieren gegen AfD-Parteitag

Trotz Blockaden bleibt die Stimmung meist friedlich – doch es gibt auch Zwischenfälle mit Pyrotechnik und Flaschenwürfen

von Simone Rothe  04.07.2026

Wien

Antisemitismus am Denkmal für einen Antisemiten

Ausgerechnet am umstrittenen Denkmal für den einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ist es zu einem judenfeindlichen Eklat gekommen

 03.07.2026

Lettland

Deutsche Städte gedenken der nach Riga deportierten Juden

1941/42 wurden mehr als 25.000 Juden aus Deutschland und Österreich zur Vernichtung in die lettische Hauptstadt deportiert. Daran gedachten nun Vertreter aus 30 deutschen Städten

 03.07.2026

Karlsruhe

Waffen für Hamas? Verdächtiger nach Deutschland überstellt

Seit Monaten geht die Bundesanwaltschaft gegen mutmaßliche Hamas-Anhänger vor, die Waffen für die Organisation geschmuggelt haben soll. Ein weiterer Beschuldigter ist jetzt in deutscher U-Haft

 03.07.2026

Iran

Wollte Israel iranische Unterhändler töten?

Wie die »New York Times« berichtet, fürchtete die Trump-Administration bei den Iran-Verhandlungen die gezielte Tötung der iranischen Delegierten Abbas Araghchi und Mohammad Bagher Ghalibaf durch Israel

 03.07.2026