Meinung

Der Turm und die Meinung

Im Grunde wollen doch alle dasselbe: Das Recht auf freie Meinungsäußerung soll in Ehren gehalten werden und Grundstein unserer Demokratie sein und bleiben.

Das wollen diejenigen, die man neuerdings gerne links einordnet, obwohl sie vor ein paar Jahren noch als die Mitte beschrieben worden wären, und auch jene, die sich beklagen, ihre zwischen konservativ und rechtspopulistisch einzustufenden Äußerungen seien in der Debatte um unsere Gesellschaft nicht willkommen.

pegida In dieses Horn bläst auch der angesehene Schriftsteller Uwe Tellkamp (Der Turm), der sich bereits im Rahmen der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst dafür ausgesprochen hatte, dass auch rechte Verlage ausstellen dürfen, und sich nun im Zusammenhang mit der sogenannten Flüchtlingsdebatte in der Nähe von AfD und Pegida positionierte. Daraufhin hat sich der Suhrkamp-Verlag, der Tellkamps Bücher verlegt, von diesen Äußerungen, wohlgemerkt nicht von seiner Person, distanziert.

Der Verlag hat damit genau das getan, was Tellkamp und andere, die ähnlich denken und sprechen wie er, im Niedergang sehen: Er hat sein Recht auf freie Meinungsäußerung ausgeübt. Tellkamp beklagt unter anderem, dass seine Meinung erduldet, aber nicht erwünscht sei.

demokratie Nun, das Recht auf freie Meinungsäußerung geht nicht mit dem Versprechen einer – im Auge des Meinungsäußerers – angemessenen Reaktion einher. Sprich: Man darf alles sagen, aber man wird nicht immer dafür von allen beklatscht. Und manchmal erzeugt man eine Reaktion, eine Gegenmeinung. Das ist kein Denkverbot, das nennt man Debatte oder, wenn man größer denkt, sogar Demokratie.

Der Suhrkamp-Verlag hat eine Haltung gezeigt, indem er sich von einer anderen Haltung – und die Haltungen seien hierbei nicht bewertet – distanzierte. Eine Ankündigung, man werde Tellkamps Bücher nicht mehr verlegen, gab es nicht; es geht hierbei nicht um Bestrafung. Freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht, für das es sich jederzeit zu kämpfen lohnt, da sind sich ausnahmsweise alle einig.

Die Autorin lebt als Schriftstellerin in München.

The OpenAI logo is displayed on a mobile phone screen in this photo illustration, as artificial intelligence tools continue to expand across consumer and business applications in Brussels, Belgium, on February 28, 2026. (Photo by Jonathan Raa/NurPhoto)

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