Meinung

Der arme, nette Herr George

Fragen, die nicht gestellt werden, verstecken sich. Sie lauern hinter einfachen Gardinen ebenso wie hinter schweren Theatervorhängen. Und manchmal flimmern sie auch durch einen Film. Wie bei George, dem Film über den Schauspieler Heinrich George, einer Mixtur aus Dokumentation und Spielfilm, die dem geneigten Zuschauer Antworten auf Fragen bot, die keiner gestellt hatte. Dafür blieben die eigentlichen Fragen unausgesprochen und folglich auch unbeantwortet, ging es doch um Heinrich Georges Leben von 1933 bis 1946.

Gezeigt wurde: George in der Rolle des leidenschaftlichen Schauspielers, der mehr oder weniger genötigt wird, mit den Nazis zu paktieren. Das erzählte uns jedenfalls der Film. Er berichtete uns nichts von einem George, der seinen Beruf offenbar mehr liebte als die Menschen und dem deshalb auch seine Karriere über die Moral ging. Dabei ist es genau dieses Verhalten, das Fragen aufwirft. Zum Beispiel die, wie George, der noch 1931 in Berlin Alexanderplatz den Franz Biberkopf so glaubwürdig verkörperte, damit umging, dass das Buch von Döblin den Bücherverbrennungen der Nazis zum Opfer fiel. Und dass Döblin selbst, wie viele andere Künstlerkollegen, fliehen musste.

gretchenfrage Oder was dachte sich George dabei, als er in Hitlerjunge Quex, Jud Süß und schließlich in Kolberg mitspielte? Um diese sich aufdrängenden Fragen ging es nicht. Stattdessen wurde suggeriert, dass George das alles irgendwie passiert ist. Uns wurde ein lächelnder George gezeigt, der anscheinend alles für die Kunst tut. Es ist die »Kunst« der Mächtigen, die er da bedient. Die Gretchenfrage nach der Schuld drängt sich auf und wird nicht einmal ansatzweise beantwortet.

Dazu passt, dass am Ende der Faust noch einmal exzessiv inszeniert wurde: »Schone mich, was hab ich dir getan?« Die Szene in der sowjetischen Gefangenschaft, wenn Inhaftierte Goethes Werk auf die Bühne bringen, wurde im Film endlos wiederholt: bis aus dem »Faust George« ein Woyzeck wurde und man wirklich nicht mehr wusste, wer Täter und wer Opfer ist.

Damit haben wir eine der üblichen Neuauflagen eines deutschen Films über die NS-Zeit: ein Streifen, der uns wenig über die Zeit und die Personen damals und viel über deutsche Entschuldungswünsche heutzutage erzählte. Im Grunde war George eine Fortsetzung der Filme, die in der letzten Zeit die wunde deutsche Seele streichelten: Dresden, Die Flucht, Unsere Mütter, Unsere Väter – und nun eben George. Alles sympathische Opfer der Umstände.

Die Autorin ist Schriftstellerin in Heidelberg.

Iran-Krieg

Länder starten Evakuierungsflüge

Zehntausende Ausländer halten sich im Nahen Osten auf. Der Konflikt spitzt sich dort zu. Spanien, Großbritannien und Polen reagieren auf die angespannte Sicherheitslage mit Rückholaktionen

 03.03.2026

Bundestag

AfD-Fraktion wirft Jan Wenzel Schmidt raus

Die Debatte über Vetternwirtschaft in der AfD hat erste ernste personelle Konsequenzen: Die Bundestagsfraktion hat den Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt ausgeschlossen

 03.03.2026

Skopje

NATO-Chef Rutte befürwortet Angriffe auf Iran

Mark Rutte ist deutlich: Der Iran als »Exporteur von Chaos« bedroht laut ihm nicht nur Israel. Auch zur Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei hat er eine klare Meinung

 03.03.2026

Nahost

Mehrere Verletzte bei neuen Raketenangriffen auf Israel

Wegen iranischer Raketen müssen zahlreiche Menschen in Israel erneut Schutz suchen. Durch herabgefallene Raketen- und Trümmerteile gibt es Schäden - und Verletzte

 03.03.2026

Berlin

CSU-Landesgruppenchef: »Alles besser als dieses Regime«

Gegen den israelisch-amerikanischen Iran-Krieg werden auch viele Einwände wegen einer fehlenden völkerrechtlichen Grundlage laut. Von der CSU kommt Widerspruch

 03.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Israel greift Gremium zur Wahl von Chamenei-Nachfolger an

In dem angegriffenen Gebäude in der Stadt Qom sollen sich ranghohe Geistliche zur Beratung versammelt haben. Unklar ist bisher, wer genau vor Ort war

 03.03.2026

Ehrung

Bundesfamilienministerin Prien erhält Israel-Jacobson-Preis

Der Israel-Jacobson-Preis zeichnet alle zwei Jahre Menschen aus, die sich besonders um die Stärkung jüdischen Lebens in Deutschland verdient machen. Jetzt wird Bundesfamilienministerin Karin Prien damit ausgezeichnet

 03.03.2026

Nahost

Iran-Krieg: Wer greift wo an und warum?

Raketenalarm, Explosionen, Brände, abgestürzte Militärjets: Seit Beginn des Krieges gegen den Iran überschlagen sich in vielen Ländern im Nahen Osten die Ereignisse. Ein Überblick

von Johannes Sadek, Arne Bänsch, Cindy Riechau  03.03.2026

Washington D.C.

Trump greift erneut früheres Iran-Atomabkommen scharf an

Der US-Präsident bezeichnet die Vereinbarung als »gefährlich« und verteidigt seinen Ausstieg. Das Abkommen habe Teheran einen »legitimen Weg« zur Bombe eröffnet, sagt er

 03.03.2026