Einspruch

Demokratie stärken

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Andreas Lohnes

Es ist traurige Realität: 12,6 Prozent der Wähler haben bei der Bundestagswahl eine Partei gewählt, die sich zwar mit einem luftigen Blau schmückt, aber braun schimmert, sobald jemand an der Oberfläche kratzt. Obwohl die Umfragen ein ähnliches Ergebnis für die AfD prognostiziert hatten, reagierten Medien und Parteien am Wahlabend wie unter Schock.

Alles drehte sich um diese kleine Partei. Mit etwas zeitlichem Abstand wird uns jedoch allen deutlich: Die Politik hat zunächst ein viel gravierenderes Problem zu lösen, nämlich eine handlungsfähige Regierung zu bilden. Daher ist es gut, dass sich auch die Medien jetzt auf diese Herausforderung konzentrieren und der AfD nicht weiterhin überproportional viel Beachtung schenken.

wachsamkeit Auch für die jüdische Gemeinschaft gilt: Grund zur Panik gibt es nicht, zu erhöhter Wachsamkeit allerdings. Wir haben es jetzt schwarz auf weiß, dass in unserem Land eine beträchtliche Anzahl von Menschen zwar vorrangig ihrem Protest gegen die übrigen Parteien Ausdruck verleihen wollte, aber rassistische und revisionistische Haltungen zumindest duldet, wenn nicht teilt.

Dieser Tatsache müssen wir uns stellen. Daher muss die Politik heraus aus ihrem Berliner Kokon. Menschen, die sich vor Ort gegen Rechtsextreme und Bewegungen wie Pegida engagieren und dabei zum Teil persönlich viel riskieren, brauchen viel mehr Unterstützung als bisher.

unterstützung Sie müssen Solidarität und Rückhalt erfahren. Sie brauchen eine verlässliche und ausreichende finanzielle Unterstützung. Politiker müssen mit den Menschen reden, die sich als Verlierer fühlen und nach einfachen Lösungen suchen. Auch in der Bildung muss viel mehr in Demokratieerziehung investiert werden.

Es wird an uns allen liegen – den demokratischen Parteien und der Zivilgesellschaft –, ob diese Bundestagswahl in die Geschichtsbücher eingeht als Auftakt zu einer bedrohlichen Zeit oder als vorübergehender Ausrutscher der parlamentarischen Demokratie. Letzteres muss unser Ziel sein!

Der Autor ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Diplomatie

Jens Spahn reist nach Israel

Der Unions-Fraktionschef wird am Mittwoch unter anderem Gespräche in der Knesset führen

 03.02.2026

Vorwurf

Büttner kritisiert linken Antisemitismus

Linke glaubten häufig, sie könnten keine Antisemiten sein, sagt Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter. Dieses Selbstbild werde jedoch von der Realität widerlegt

 03.02.2026

Wiesbaden

Letzte Geisel identifiziert - Hessen holt Israel-Flagge ein

Zur Klarheit über das Schicksal aller Verschleppter sagt Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU): »Wir hoffen, dass das ein weiterer Schritt zur Befriedung des Nahostkonflikts ist.«

 03.02.2026

Umwidmung

Kein Zeitplan für Yad-Vashem-Straße in Berlin

Nach der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem soll ein Straßenabschnitt im Herzen von Berlin benannt werden. Bislang ist unklar, wann dies erfolgt

 03.02.2026

USA

Trump will eine Milliarde Dollar von Elite-Uni Harvard

Der Präsident wirft der Fakultät antisemitisches Verhalten vor. Ein Bericht der »New York Times« bringt neuen Schwung in den Streit

 03.02.2026

Teheran

Regime fürchtet Eskalation: US-Schlag könnte Machtapparat ins Wanken bringen

Externer Druck könnte einen erneuten landesweiten Aufstand begünstigen, heißt es aus dem Umfeld hochrangiger Entscheidungsträger im Iran

 03.02.2026

USA

Massiver Anstieg antisemitischer Straftaten in New York

Im Vergleich zum Vorjahresmonat verdoppelt sich die Zahl der durch Judenhass motivierten Taten fast

 03.02.2026

Washington D.C./Teheran

Können Gespräche zwischen den USA und Iran eine Eskalation verhindern?

In den kommenden Tagen könnte es in Istanbul zu hochrangigen Gesprächen über das iranische Atomprogramm kommen. Regionalmächte vermitteln zwischen dem Teheraner Regime und den USA

 03.02.2026

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026