Einspruch

Demokratie in Gefahr

Die Affäre um Christian Wulff, die nun zu dessen spätem Rücktritt führte, ist nicht einfach eine Affäre eines Politikers, dem unrechtes Handeln vorgeworfen wird. Sie stellt vielmehr einen weiteren Schritt zur Unterminierung des demokratischen Systems der Bundesrepublik dar – ein Trend, der seit Jahren anhält. Das Amt des Bundespräsidenten war als Bollwerk gegen den Missbrauch der Demokratie durch nichtdemokratische Kräfte gedacht. Eine Lektion aus der Geschichte.

Nun ist Wulff bereits der zweite Präsident, der zurücktritt. Sein Vorgänger, Horst Köhler, war das erste Staatsoberhaupt der bundesdeutschen Geschichte, der sein Amt aufgab. Merkels Regierung wird als die der Rücktritte in Erinnerung bleiben. Zwei Verteidigungsminister sind ausgeschieden. Der ehemalige Kanzler-Stellvertreter stellte seinen Posten zur Verfügung und trat als Parteichef zurück. Zugleich warfen auch verschiedene Minis-
terpräsidenten das Handtuch.

Glaubwürdigkeit Die Politik in der Krise. Der Parlamentarismus verliert an Vertrauen, die etablierten Parteien und ihre Repräsentanten an Glaubwürdigkeit. Einerseits nimmt bei den Bürgern das Gefühl politischer Machtlosigkeit zu, andererseits gewinnen Protestbewegungen an Unterstützung. Sympathien für Parteien am Rand des politischen Spektrums werden stärker.

Parallel dazu nehmen antidemokratische Haltungen deutlich zu. Fast jeder dritte Deutsche ist Umfragen zufolge der Ansicht, dass ein »starker Mann« an der Spitze gebraucht wird. Unter anderem kamen Wissenschaftler der Universität Bielefeld im vergangenen Jahr zu diesem erschreckenden Ergebnis – lange vor der Affäre Wulff.

Das ist besorgniserregend. Hinweise auf eine schwächer werdende Demokratie beunruhigen. Statt anderen Lektionen zu erteilen, wie zum Beispiel Israel, sollten die Deutschen dringend Lösungen für ihre eigenen Probleme finden.

Nahost

Vollendete Drohkulisse

US-Präsident Trumps »Armada« ist angekommen, die Optionen für Militärschläge liegen auf dem Tisch. Er stellt dem Mullah-Regime zwei Bedingungen. Wird Teheran einlenken?

von Imanuel Marcus  30.01.2026

EU-Sanktionen

Israel bietet Hilfe bei Verfolgung von Revolutionsgarden an

Die Europäische Union hat die Elite-Einheit des Mullah-Regimes auf die Terrorliste gesetzt. Nach Ansicht des israelischen Botschafters dient das auch der inneren Sicherheit in Deutschland

 30.01.2026

Meinung

Endlich!

Es war überfällig, dass die EU die Revolutionsgarde der Islamischen Republik auf der Terrorliste gesetzt hat. Doch die heutige Lage ist auch das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse, falscher Hoffnungen und politischer Feigheit ebenjener EU

von Shahrzad Eden Osterer  30.01.2026

Rheinland-Pfalz

Landtag fordert Institut für Antisemitismusforschung auf Bundesebene

Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) dankt dem Landesparlament. »Antisemitismus ist in diesem Lande eine reale Erfahrung«, sagt er

 30.01.2026

München

Brandstifter von jüdischem Altenheim 1970 womöglich ermittelt  

56 Jahre nach einem Anschlag auf ein jüdisches Altenheim in München verdächtigen Ermittler nun einen schon verstorbenen Neonazi. Was sie auf dessen Spur führte

von Hannah Krewer  30.01.2026

Teheran

Iran bestellt deutschen Botschafter ins Außenministerium ein

Das Regime protestiert gegen Äußerungen von Bundeskanzler Merz. Das Außenministerium verurteilt außerdem die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation

 30.01.2026

Washington D.C.

»Sehr mächtige Schiffe auf dem Weg nach Iran«

Der US-Präsident stellt zugleich Gespräche in Aussicht und dem Teheraner Regime Bedingungen

 30.01.2026

Washington D.C.

US-Gesandter zu Waffenabgabe: Hamas hat keine Wahl

Die Terrororganisation will ihre Waffen behalten. Doch die amerikanische Regierung gibt sich zuversichtlich

 30.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 29.01.2026 Aktualisiert