Einspruch

Das syrische Risiko

Der »Arabische Frühling«, im Westen anfangs romantisch idealisiert, droht, in Blut und Chaos zu ersticken. Syriens Despot Baschar al-Assad wird den Krieg gegen die eigene Bevölkerung trotz des stärker werdenden internationalen Drucks kaum einstellen – weiß er doch, dass vage Zugeständnisse an die geschundene Opposition seine Haut längst nicht mehr retten können.

Welche Kräfte nach ihm das Sagen haben würden, ist indes völlig ungewiss. Ein Blick nach Ägypten und Tunesien stimmt diesbezüglich wenig zuversichtlich. Tendenzen zur Restauration der alten Diktatur verbinden sich dort mit dem Vordringen des Islamismus, dem die viel beschworenen »säkularen Liberalen« kaum etwas entgegenzusetzen haben. Und aus der verzweifelten ökonomischen und sozialen Lage der genannten Länder ist kein Ausweg erkennbar.

Demokratie Bessere Zukunftschancen hätte dank seines Ölreichtums Libyen. Doch der mörderische Gaddafi-Clan krallt sich zäh an die Macht, und erste Friktionen im Lager der Rebellen zeigen, dass auch hier die Zeit danach kaum ein Selbstlauf zur Demokratie werden dürfte. Ausgerechnet in dieser Lage ist der Westen vollauf mit sich und seiner verheerenden Finanzkrise beschäftigt, die USA fallen als aktiver Ordnungsfaktor in der Region weitgehend aus.

Für Israel ergibt das eine zwiespältige Perspektive. Assads Sturz wäre ein herber Rückschlag für Jerusalems Hauptfeind, den Iran, und für dessen Handlanger, die libanesische Hisbollah. Doch wusste man stets, woran man mit dem syrischen Baath-Regime war – nun aber könnte das Verschwinden eines berechenbaren Feinds unkalkulierbare extremistische Kräfte nach oben spülen. Immerhin verschafft die bedrohliche Unübersichtlichkeit Israel eine Atempause von internationaler Dauerdenunziation. Angesichts so vieler explosiver Konflikte in der Region schrumpft – nicht nur im Westen – der Eifer, auf das prosperierende, freiheitliche Israel einzudreschen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026