Ein Jahr Pegida

Das Klima ist vergiftet

Olaf Sundermeyer Foto: dpa

Ein Jahr Pegida

Das Klima ist vergiftet

Rechtspopulistische Meinungen sind mancherorts mehrheitsfähig geworden

von Olaf Sundermeyer  12.10.2015 18:26 Uhr

Wenn die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge und der Brandanschläge auf ihre Unterkünfte in Deutschland steigt, tragen diejenigen Mitverantwortung, die den Wandel hin zu einem fremdenfeindlichen Klima bewusst herbeireden.

Wenn sich die Bürgerwut darin entlädt, Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks vor einem Übergangswohnheim zu demolieren oder die Autos von Flüchtlingshelfern anzuzünden, hat das damit zu tun, dass Pegida zum »zivilen Ungehorsam« anstiftet. Wenn der Eigentümer einer Flüchtlingsunterkunft in Meißen, auf die ein Brandanschlag verübt wurde, anschließend als »antideutsches Asylantenschwein« beschimpft wird und Morddrohungen erhält, hat das mit Pegida zu tun.

Wenn am selben Ort der Redner bei einer Demonstration der »Initiative Heimatschutz« Bundeskanzlerin Angela Merkel empfiehlt, nach Israel auszuwandern oder bei Familie Rothschild Unterschlupf zu suchen, hat das mit Pegida zu tun. Wenn bei einer Pegida-Demonstration in Dresden Menschen einen Galgen bauen, der für Merkel bestimmt ist, hat das damit zu tun, dass die sächsische Landesregierung das rassistische und staatsfeindliche Treiben zehntausender Menschen auf gefährliche Weise verharmlost und den Hetzern keine klaren Grenzen zeigt.

zäsur Wenn Journalisten gesagt wird, sie würden bald mit »Knüppeln getrieben durch den Zuchthaushof kriechen«, oder sie mit »Verschwinde, du Jude!« bedroht werden, dann ist die Pressefreiheit in Gefahr. Wenn den Medien im Land grundsätzlich Wahrhaftigkeit abgesprochen wird, dann hat Pegida in Allianz mit anderen der Demokratie bereits einen nachhaltigen Schaden zugefügt.

Und wenn die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) von diesem Klimawandel in Wahlumfragen profitiert, hat das auch damit zu tun, dass die Partei die Pegida-Anhänger als »natürliche Verbündete« bezeichnet.

Das ist die Bilanz nach einem Jahr Pegida. Mit der AfD ist eine Partei angetreten, die sich bereits aus dem konservativen Lager verabschiedet und für eine Position rechts von der Demokratie entschieden hat. An manchen Orten in Deutschland werden derzeit rechtspopulistische Positionen mehrheitsfähig, und Rechtsextremismus wird nicht mehr als Problem angesehen. Das ist eine Zäsur. Der gefährliche Bruch mit Regeln, die sich Menschen vor knapp 70 Jahren selbst gegeben haben.

Der Verfasser ist Koautor der Fernsehdokumentation »Dunkles Deutschland« (ARD).

Nahost

Wie der Konflikt im Libanon den US-Deal mit Iran gefährdet

Der Gesprächsbeginn zwischen Washington und Teheran in der Schweiz lässt auf sich warten. Derweil spitzt sich die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon zu. Es gibt Tote auf beiden Seiten

von Hans Dahne, Christoph Meyer, Mathis Richtmann  19.06.2026

Meinung

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Berlin

Nouripour zu Iran-Rahmenabkommen: »Weg in Normalität für Regime«

Ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Weg in den Frieden? Bundestagsvizepräsident Nouripour bezweifelt das. Die Übereinkunft gebe dem Iran vielmehr »eine andere Legitimität«

 19.06.2026

Bayreuth

Bayreuther Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman soll nun doch stattfinden

Eine Gedenkveranstaltung zum Bayreuther Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Michel Friedman und Charlotte Knobloch zeigen sich entsetzt – jetzt rudert das weltbekannte Opernfestival zurück

 19.06.2026

Washington D.C.

Republikaner kritisieren Trumps Iran-Abkommen ungewöhnlich scharf

»Die Geschichte zeigt, dass es eine außergewöhnlich schlechte Idee ist, Milliarden Dollar an theokratische Verrückte zu geben, die uns ermorden wollen«, sagt Senator Ted Cruz

 19.06.2026

Wahlkampf in Israel

Trump signalisiert Unterstützung für Netanjahu

»Ich werde mir ansehen müssen, wer kandidiert, aber ich mag Bibi sehr«, sagt der amerikanische Präsident

 19.06.2026

Genf

Absage aus Bern: Heute keine USA-Iran-Gespräche

Abkommen unterzeichnet, Treffen abgesagt: Die geplante Gesprächsrunde in der Schweiz findet heute doch nicht statt

 19.06.2026

Bayreuth

Scharfe Kritik nach abgesagter Gedenkveranstaltung

Eine Gedenkveranstaltung zum Festspieljubiläum wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele

 19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026