Einspruch

Das dritte Geschlecht

Heide Sobotka Foto: Stephan Pramme

»Gelobt seist Du, der Du mich nicht als Frau erschaffen hast« – diese Worte sprechen fromme Juden beim täglichen Morgengebet. Dankbar kann vor allem sein, wer entweder als Mann oder als Frau zur Welt gekommen ist: In Deutschland leben etwa 80.000 bis 160.000 intersexuelle Menschen, die nicht mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren wurden.

Wer diese besitzt, wem in der Pubertät Brüste oder Bart wachsen, kann oft nicht nachempfinden, welch schweren Konflikten intersexuelle Menschen ausgesetzt sind, die man umgangssprachlich auch als Zwitter oder Hermaphroditen bezeichnet. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass die Frage des Geschlechts dieser Menschen in der Geburtsurkunde offenbleiben kann, ist daher mutig und richtig, aber sie kommt für viele Betroffene zu spät.

beispiele Wir kennen prominente Beispiele aus dem Sport: Die 800-Meter-Läuferin Caster Semenya (26) aus Südafrika lebt als Frau, hat aber auch männliche Geschlechtsmerkmale. In den Stadien dieser Welt wird gegen sie der Vorwurf erhoben, sie sei im Grunde ein Mann, gegen den Frauen keine Chancen hätten. Semenya selbst erwehrt sich der Vorwürfe mit einer drastischen, aber treffenden Antwort: »Ich muss – wie ihr – im Sitzen pinkeln.«

Bislang wurden Intersexuelle zu dem Geschlecht gezählt, das augenscheinlich das dominantere ist. In den meisten Fällen operieren Ärzte zu diesem »dominanteren Geschlecht« hin, ohne zu berücksichtigen, dass dieses Geschlecht für die Betroffenen das falsche sein kann. Durch das Gerichtsurteil haben jetzt sowohl die Eltern wie auch später die Kinder die Möglichkeit, selbst über ihre Geschlechtlichkeit zu entscheiden, in ihren Körper hineinzuwachsen und ihn akzeptieren zu lernen.

Der Alltag der Menschen ohne eindeutiges Geschlecht ist oft schwierig, ihre psychischen Nöte sind groß. Auch in religiöser Hinsicht ist ihr Status schwierig. Nun haben sie wenigstens das Gesetz auf ihrer Seite – und damit die offizielle Anerkennung, als diejenigen geboren zu sein, die sie sind.

Debatte

Nach Rede zu Iran-Krieg: Spahn kritisiert Bundespräsidenten

Bundespräsident Steinmeier hatte den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als völkerrechtswidrig bezeichnet. Der Unionsfraktionschef hält das für anmaßend

 24.03.2026

Krieg

Iran lässt wenige Schiffe durch Straße von Hormus

Die iranischen Behörden lassen nur wenige Schiffe durch die für den Energiehandel wichtige Wasserstraße. Viele Reedereien meiden die Route angesichts von Angriffen und fehlender Versicherungen

 24.03.2026

Berlin

Urteil gegen mutmaßliche Hamas-Mitglieder erwartet

Die Terrororganisation Hamas soll in Europa Waffenlager haben, um Anschläge verüben zu können. Vom Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder erhoffte man sich auch weitere Erkenntnisse. Ist das gelungen?

 24.03.2026

Interview

»Geschichten, die Kindern guttun«

Die Jiddisch-Professorin Miriam Udel über Kinderliteratur, Ethik und Menschlichkeit

 24.03.2026

Meinung

Wie lange müssen wir noch so leben?

Seit Beginn des Iran-Kriegs werden jüdische Einrichtungen noch häufiger Ziel von Terrorattacken. Das Absurde ist: Dieser Zustand ist für Jüdinnen und Juden längst zur Norm geworden

von Laura Cazés  24.03.2026

Erinnerungskultur

Felix Klein verteidigt Wolfram Weimer gegen Buchenwald-Verbände

Zwei Angehörigen-Verbände wollen verhindern, dass der Kulturstaatsminister eine Rede in der Gedenkstätte Buchenwald hält. Mit ihrer Kritik würden sie sich selbst schaden, sagt der Antisemitismusbeauftrage

 24.03.2026

Kommentar

Bedingt lernfähig

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übt harte Kritik am Vorgehen der USA gegen den Iran. Über den Terror der Mullahs verliert er dagegen kein Wort – wieder einmal

von Ralf Balke  24.03.2026

Teheran

Bericht: Neuer Generalsekretär in Irans Sicherheitsrat

Nach der Tötung von Ali Laridschani ist im Iran ein neuer Generalsekretär für den mächtigen Nationalen Sicherheitsrat benannt worden. Das Amt bekleidet nun ein bisher eher Unbekannter

 24.03.2026

Nahost

Libanon weist iranischen Botschafter aus

Die Lage zwischen der Hisbollah und Israel spitzt sich immer weiter zu. Die Regierung in Beirut trifft nun weitere Maßnahmen, um den iranischen Einfluss einzudämmen

 24.03.2026