Debatte

CDU-Politikerin Güler: Antisemitismus unter Muslimen großes Problem

Serap Güler (CDU) Foto: picture alliance/dpa

Die Bundestagsabgeordnete Serap Güler (CDU) ruft muslimische Verbände und die Politik auf, mehr zu tun gegen Juden- und Israelfeindlichkeit unter Muslimen in Deutschland. Im Interview der »Kölnischen Rundschau« (Montag) forderte die gläubige Muslimin außerdem Verschärfungen im Versammlungsrecht nach israelfeindlichen Botschaften bei Demonstrationen am Wochenende.

Die Deutsche Islamkonferenz sei weiterhin eine gute Plattform, um Forderungen an die Verbände zu stellen, betonte Güler: »Bundesinnenministerin Nancy Faeser muss das Thema Antisemitismus unter Muslimen als Punkt 1 auf die Tagesordnung setzen - und neben konkreten Forderungen könnte man ja auch Angebote machen, wie man gemeinsam dagegen vorgehen kann.«

Mit Blick auf den Zentralrat der Muslime kritisierte Güler, dieser habe lange vermieden, die Hamas als Terrororganisation zu bezeichnen. Und der größte Islamverband Ditib sei weiter zu sehr vom türkischen Staat abhängig. Dabei lobte die Politikerin, dass die deutschen Ditib-Moscheen am letzten Freitag eine von der türkischen Religionsbehörde Diyanet verbreitete »anti-israelische Freitagspredigt« nicht übernommen hatten.

Um Ditib wirklich unabhängig zu machen, müsse man diese stärker unterstützen, forderte Güler weiter: »Wir sagen immer der Ditib, sie müsse sich von der Türkei lösen. Aber wir sagen nicht, wie sich dann finanzieren soll.« Man könne den Islam in Deutschland nicht nach dem Staatskirchenrecht, also als Körperschaft mit Kirchensteuerfinanzierung, organisieren, weil er keine Strukturen wie in den großen Kirchen habe. Doch müsse man »zumindest an eine staatliche Teilfinanzierung denken. Dann allerdings können wir auch unsere Erwartungen an die Ditib ganz anders formulieren, und es geht ja vor allem um die Ditib als die mit Abstand größte Organisation.«

Mit Blick auf israelfeindliche Parolen bei Demonstrationen in Deutschland forderte die Politikerin strenge Konsequenzen im Versammlungsrecht: »Da wird Demokratie verhöhnt. Man versteckt sich hinter den Grundrechten auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Da wurde mehr als nur eine rote Linie überschritten.«

Die Wortführer der Demonstrationen seien den Nachrichtendiensten bekannt, fügte sie hinzu: »Wir müssen uns also erstens ihren Aufenthaltsstatus anschauen, zweitens die betreffenden Vereine verbieten und drittens das Versammlungsrecht überprüfen.« Zur Not müsse man dazu auch die Verfassung ändern: »Es darf nach diesem Wochenende keine Tabus mehr geben.«

Ina Czyborra

Berlin

Kein Antisemitismusbeauftragter vor der Abgeordnetenhauswahl

Das Auswahlverfahren für eine Ansprechperson an Hochschulen der Bundeshauptstadt ist vorerst gescheitert

 28.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Interim

Christoph de Vries übernimmt zeitweise Amt von Felix Klein

Der langjährige Antisemitismusbeauftragte Felix Klein wechselt als deutscher Vertreter zur OECD nach Paris. Bis seine Nachfolge geklärt ist, übernimmt der Parlamentarische Staatssekretär seine Aufgaben

von Anna Mertens  28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

Diplomatie

Iran-Konferenz in Istanbul wird verschoben

Außenminister Wadephul wollte am Sonntag mit Kollegen unter anderem aus der Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan über die Lage in der Straße von Hormus reden. Daraus wird vorerst nichts

 28.08.2026

Golfregion

Irans Außenminister: »Druck funktioniert nicht«

Regionale Staaten haben eine neue Runde diplomatischer Bemühungen im Iran-Krieg begonnen. Teheran richtet eine Botschaft an die USA

 28.08.2026

Professor Lars Rensmann von der Universität Passau

Wissenschaft

Ist die AfD das »freundliche Gesicht« des Antisemitismus?

Das American Jewish Committee thematisiert in einer am Dienstag veröffentlichten Analyse den Antisemitismus in der Alternative für Deutschland

 28.08.2026

Den Haag

Kriegsverbrecher Ratko Mladic gestorben

Er galt als ruchloser Kriegsverbrecher, der Zehntausende unschuldige Zivilisten auf dem Gewissen hatte. Jetzt ist Ratko Mladic tot, gestorben in einem Gefängniskrankenhaus

von Markus Schönherr  28.08.2026