Karlsruhe

Bundesanwaltschaft ermittelt zu Synagogen-Anschlägen

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat den Schutz jüdischer Einrichtungen, wie hier vor der Alten Synagoge in Essen, verstärkt. Foto: imago images/Gottfried Czepluch

Gegen den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, gibt es eine »Bedrohungslage«. Das bestätigte der Zentralrat am Freitag in Berlin. Die Lage habe sich im Zuge der Ermittlungen zu den jüngsten Angriffen auf Synagogen in Nordrhein-Westfalen ergeben. Man fühle sich jedoch bei den Sicherheitsbehörden in guten Händen.

Am Donnerstag hatte das ARD-Magazin Kontraste unter Berufung auf Sicherheitskreise gemeldet, dass hinter den Angriffen möglicherweise die iranischen Revolutionsgarden stünden. Am Freitag übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zu den Anschlägen. Das sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Abend der Deutschen Presse-Agentur. Details zu den Hintergründen nannte sie allerdings nicht.

ORD Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das eine »neue Dimension der Gewalt gegen jüdisches Leben«, so der Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland am Freitag. Dies sollte zudem »für die deutsche Bundesregierung und ihre Sicherheitsbehörden Konsequenzen im weiteren Umgang mit dem Iran und den hierzulande operierenden und dem Regime nahestehenden politischen und religiösen Organisationen haben«. Diese gehörten geschlossen, weil sie Hass auf jüdisches Leben und eine freie westliche Gesellschaft schürten.

In der Nacht zum 18. November war in Essen mindestens dreimal auf das frühere Rabbinerhaus an der Alten Synagoge geschossen worden. Die Tat könnte nach früheren Angaben der Ermittler in NRW in Zusammenhang mit einem Brandanschlag auf die Hildegardis-Schule in Bochum stehen, die ein 35-Jähriger in derselben Nacht verübt haben soll.

UNTERSUCHUNGSHAFT Der Mann, der die deutsche und iranische Staatsangehörigkeit hat, soll laut der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf zudem Mitte November versucht haben, einen Mittäter für einen Brandanschlag auf die Synagoge in Dortmund zu gewinnen. Dieser habe abgelehnt und sich der Polizei offenbart. Die geplante Tat sei nicht ausgeführt worden. Der Verdächtige kam in Untersuchungshaft.

Der Verteidiger des 35-Jährigen hatte vergangene Woche die Ermittler kritisiert. »Der Haftbefehl ist relativ dünn. Er stützt sich auf einen Zeugen«, sagte der Dortmunder Anwalt Jörg Tigges. Außerdem hätten er und sein Mandant erst aus der Presse von weiteren Ermittlungen gegen ihn erfahren. Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten erachte er diese Vorgehensweise für schwierig. »Hier weiß offensichtlich jeder alles – bis auf den Beschuldigten und seinen Verteidiger.« Zu den Vorwürfen äußerte sich der Anwalt nicht.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte vor einigen Tagen in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Düsseldorfer Landtag gesagt: »Einen mutmaßlichen Täter haben wir aus dem Verkehr gezogen. Ob da eine Gruppe dahinter steckt, wissen wir noch nicht.«

PRÄSENZ Laut Reul sind neben dem Landeskriminalamt der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz sowie die Polizeibehörden in Essen und Dortmund in die Ermittlungen eingebunden. Auch der Generalbundesanwalt werde stets »auf dem Laufenden gehalten«, sagte er damals.

Die Polizei erhöhte unterdessen ihre Präsenz vor vielen jüdischen Einrichtungen in NRW noch einmal. Der Schutz von jüdischen Gebäuden und Personen war unmittelbar nach dem Anschlag in Essen schon einmal erhöht worden. »Aufgrund der Gesamtentwicklung und der (...) Ermittlungsergebnisse« seien die Schutzmaßnahmen nun »landesweit angepasst« worden, hieß es am Mittwoch aus dem NRW-Innenministerium.

Reul zufolge stagniert die erfasste Zahl antisemitischer Straftaten in NRW seit Jahren. Seit 2017 liege sie zwischen 280 und 350. Der Minister wies allerdings auch auf ein großes Dunkelfeld hin, das derzeit in einer wissenschaftlichen Studie untersucht werde. dpa/kna

Berlin

Israel-Kurs: Streit in der SPD eskaliert

Adis Ahmetović, der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, kritisiert Außenminister Wadephul, weil dieser Sanktionen gegen Israel ablehnt. Das sorgt für Ärger in der Partei

 24.04.2026

Antisemitismus im Alltag

Angefeindet wegen einer Kippa

Zwei Studenten der JSUD werden in Berlin-Mitte angefeindet – weil sie Kippa tragen. Viele Jüdinnen und Juden verstecken aus Angst ihre religiöse Identität

von Jan Feldmann  24.04.2026

Bündnis-Streit

Spanien reagiert auf Bericht über mögliche Nato-Suspendierung

Planen die USA Maßnahmen gegen »schwierige« Nato-Partner? Madrid jedenfalls betont nun die Zusammenarbeit mit Bündnispartnern

 24.04.2026

Fördergeldaffäre

»Evident rechtswidrig«

Kein einziges der 13 vom Berliner Senat mit staatlichen Zuschüssen bedachten Projekte gegen Antisemitismus sei »bescheidungsreif« gewesen, so der Prüfbericht des Rechnungshofes. Die Hintergründe

von Michael Thaidigsmann  24.04.2026

London/Washington

Giuffres Vermächtnis: Epstein-Opfer warten auf Gerechtigkeit

Ihre Berichte brachten den Skandal um Epstein vor Jahren ins Rollen. Doch nach wie vor kämpfen die Opfer des Sexualstraftäters um Gerechtigkeit. Bleibt ihr Kampf am Ende vergeblich?

von Patricia Bartos  24.04.2026

Österreich

Neuer Höchststand an antisemitischen Vorfällen

Seit Beginn des Gaza-Kriegs haben die Anfeindungen stark zugenommen. Der Konflikt droht auch den ESC in Wien zu überschatten. Warum sich die jüdische Gemeinde dennoch auf den ESC freut

 24.04.2026

Berlin

Wegner entlässt Berliner Kultursenatorin Wedl-Wilson

Nach dem die Vergabe von Fördergeldern gegen Antisemitismus als rechtswidrig gerügt wurde, hat Kultursenatorin Wedl-Wilson ein Rücktrittsgesuch eingereicht

 24.04.2026

USA

18-Jährige wollte Anschlag auf Synagoge in Houston verüben

Angelina Han Hicks aus Lexington (North Carolina) befindet sich in Gewahrsam. Der Vorwurf gegen sie: Verschwörung zur Planung eines Massenangriffs auf die Gemeinde Beth Israel

 24.04.2026

Jerusalem

Katz: Israel zu neuer Offensive gegen Iran bereit

Die Armee warte auf grünes Licht aus Washington, sagt der Verteidigungsminister. Die Streitkräfte seien sowohl für Verteidigung als auch für Angriffe vorbereitet. Sämtliche Ziele seien bereits markiert

 24.04.2026