Gemeindetag

»Ein historischer Tag«

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Zentralratspräsident Josef Schuster (2.v.r.) und den Vizepräsidenten Mark Dainow (l.) und Abraham Lehrer Foto: Gregor Zielke

Fast 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben der Zentralrat der Juden und die Bundesrepublik Deutschland einen Staatsvertrag über Militärsorge abgeschlossen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Zentralratspräsident Josef Schuster unterzeichneten den Vertrag am Freitag im Rahmen des Gemeindetags des Zentralrats in Berlin.

Kramp-Karrenbauer (CDU) bezeichnete das Zustandekommen eines Staatsvertrags für jüdische Seelsorge in der Bundeswehr als »bewegenden Moment«. Vor der Unterzeichnung des Vertrags sagte sie, Jüdinnen und Juden seien heute in Deutschland zu Hause. »Dass dies möglich und wirklich ist nach den unfassbaren Verbrechen, die von Deutschland ausgegangen sind, macht mich demütig und dankbar«, sagte Kramp-Karrenbauer.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In Anspielung auf das Motto des Gemeindetags sagte die Verteidigungsministerin: »In Deutschland zu Hause sein, das heißt auch: ganz selbstverständlich in der Bundeswehr zu Hause sein.« Kramp-Karrenbauer betonte, das Judentum und die deutschen Streitkräfte hätten eine lange Tradition und eine gebrochene Geschichte. Juden hätten insbesondere im Ersten Weltkrieg für das Land gedient, das sie später verraten habe. Zudem verurteilte sie Antisemitismus und betonte, Extremismus, insbesondere Rechtsextremismus, dürfe in der Bundeswehr nicht geduldet werden.

Bundestag Das Bundeskabinett hatte in der vergangenen Woche dem Staatsvertrag für die Verankerung jüdischer Militärseelsorge in der Bundeswehr zugestimmt. Kramp-Karrenbauer sagte, sie sei voller Zuversicht, dass der Bundestag im kommenden Jahr zustimme. Erstmals seit 100 Jahren kann es damit wieder Militärrabbiner in der deutschen Armee geben.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprach von einem »historischen Tag«. So wie die Bundeswehr ein Teil des demokratischen Deutschlands sei, sei dies auch die jüdische Gemeinschaft, sagte er. Militärrabbiner zeigten zudem, wie das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in diesem demokratischen Staat gewachsen sei, nachdem Juden nach dem Holocaust mit großer Distanz auf das deutsche Militär geblickt hätten.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprach von einem »historischen Tag«.

schoa »Nach der Schoa war dies in Deutschland aus jüdischer Sicht undenkbar«, sagte Schuster. Heute jedoch sehe die jüdische Gemeinschaft die Bundeswehr als »Armee der Demokratie und möchte daher für die jüdischen Soldaten in der Bundeswehr und ihre Familien eine jüdische seelsorgerische Betreuung sicherstellen, die auch für nichtjüdische Soldaten offen ist«.

Eine große Rolle spiele aus Sicht des Zentralrats der Lebenskundliche Unterricht, an dem Soldaten aller Religionen teilnehmen können. »Warum sollte nicht in einer Kaserne neben dem Weihnachtsbaum auch eine Chanukkia entzündet werden?«, sagte der Zentralratspräsident.

https://www.facebook.com/zentralratderjuden/videos/2858594697539382/

In seiner Rede bedankte sich Schuster auch bei der Orthodoxen und Allgemeinen Rabbinerkonferenz, die die Unterstehung der jüdischen Militärseelsorge unterstützend begleitet hätten. Dabei nannte er insbesondere den Rektor des Abraham Geiger Kolleg, Rabbiner Walter Homolka, den er in diesem Zusammenhang als »spiritus rector« bezeichnete.  epd/ag

Interview

»Weder die Verwaltung noch die Politik stehen an meiner Seite«

Stefan Hensel hat seinen Rücktritt als Antisemitismusbeauftragter Hamburgs angekündigt. Ein Gespräch über die Folgen des 7. Oktober, den Kampf gegen Windmühlen und kleine Gesten der Solidarität

von Joshua Schultheis  29.11.2025

Meinung

Wenn ein Botschafter Schoa-Überlebende zu Lügnern erklärt

Tom Rose, neuer US-Botschafter in Warschau, hat in einer Rede die Komplizenschaft Tausender Polen während des Holocaust bestritten. Das ist fatal für das Ansehen der USA

von Menachem Z. Rosensaft  29.11.2025

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Berlin

Anschlag auf israelische Botschaft geplant? Prozess beginnt

Ein mutmaßlicher IS-Unterstützer kommt vor Gericht. Der Prozess gegen den inzwischen 19-Jährigen beginnt am Montag

 28.11.2025

Brüssel

Weimer warnt vor Antisemitismus und Ausgrenzung beim ESC

Der Kulturstaatsminister will darüber mit seinen europäischen Kollegen sprechen

 28.11.2025

Eurovision Song Contest

Spanien bekräftigt seine Boykottdrohung für ESC

Der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE gibt sich kompromisslos: José Pablo López wirft Israel einen »Genozid« in Gaza und Manipulationen beim Public Voting vor und droht erneut mit dem Austritt

 28.11.2025

USA

Mehrheit der Juden blickt nach Mamdani-Sieg mit Sorge nach New York

Eine Umfrage zeigt: Fast zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, Mamdani sei sowohl antiisraelisch als auch antisemitisch

 28.11.2025

Berlin

Israel, der Krieg gegen die Hamas und die Völkermord-Legende

Der israelische Militärhistoriker Danny Orbach stellte im Bundestag eine Studie und aktuelle Erkenntnisse zum angeblichen Genozid im Gazastreifen vor – und beklagt eine einseitige Positionierung von UN-Organisationen, Wissenschaft und Medien

 27.11.2025

USA

Staatsanwaltschaft rollt den Fall Etan Patz neu auf

Der jüdische Junge Etan Patz verschwindet am 25. Mai 1979 auf dem Weg zur Schule. Jahre später wird er für tot erklärt

 27.11.2025