Interview

»Betäubung ist sehr wichtig«

Kristina Schröder Foto: bund

Frau Ministerin, der Bundestag fordert, dass schnell Rechtssicherheit für religiöse Beschneidung geschaffen werden muss. Was unternimmt die Regierung in dieser Hinsicht?
Für die Situation, vor der wir stehen, hat niemand einen fertigen Plan in der Schublade gehabt. Wir beraten innerhalb der Regierung intensiv darüber, welcher rechtliche Weg am besten und sichersten zum Ziel führt.

Einem Rabbiner in Hof droht ein Ermittlungsverfahren, weil gegen ihn Strafanzeige gestellt wurde: Ist jetzt nicht dringend die Politik gefordert, Beschneidung in Deutschland dauerhaft zu legalisieren?
Wir werden uns nicht mehr Zeit lassen als unbedingt nötig. Allerdings müssen wir nicht nur eine Regelung formulieren, sondern auch die unmittelbaren und mittelbaren Folgen dieser Regelung sehr sauber abschätzen, damit keine unbeabsichtigten rechtlichen oder gesellschaftspolitischen Nebenwirkungen eintreten.

Sie haben als Voraussetzungen für die Beschneidung angemessene Betäubung und ärztliche Mitwirkung genannt. Ist Ihnen bewusst, dass diese Forderung der jüdischen Tradition widerspricht?
Ich erkenne in der jüdischen Religionspraxis durchaus Wege, eine maximale Schmerzfreiheit und ärztliche Standards mit den religiösen Vorschriften in Einklang zu bringen. Eine angemessene Betäubung bei der Beschneidung ist für mich ein sehr wichtiger Punkt.

Vor Kurzem hatten Sie eine Unterredung mit dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer. Hat das Ihre Haltung zur Beschneidung verändert?
Diese lange und ausführliche Unterredung hat mich in manchen Detailfragen noch einmal sensibilisiert. Wir waren uns ausgesprochen einig, dass dieses Thema im Interesse der jüdischen und übrigens auch islamischen Gläubigen in Deutschland rasch einer guten und konkreten Lösung zugeführt werden sollte.

Sie haben in dieser Woche auch Israels Oberrabbiner Yona Metzger getroffen. Konnten Sie ihm verdeutlichen, warum ausgerechnet in Deutschland diese jahrtausendealte jüdische Tradition infrage gestellt wird?
Die besondere Verantwortung Deutschlands hat ja schon der Bundestag sehr schnell und eindrucksvoll unterstrichen. Oberrabbiner Metzger und ich haben sehr intensiv über Lösungswege gesprochen. Wir waren uns einig, unsere Kraft lieber auf die Umsetzung des Möglichen zu konzentrieren, anstatt denkbare Unvereinbarkeiten überzubetonen.

Liegt die Zuständigkeit für diese Frage in Ihrem Ressort oder im Bereich des Justizministeriums?
Das hängt davon ab, welche Gesetze wir letzten Endes ändern oder ergänzen. Da es neben Religionsfragen auch um das Kindeswohl geht, haben wir uns jedenfalls klar angesprochen gefühlt.

Mit der Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sprach Martin Krauß.

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post von Georg Restle hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

AfD-Verbot

»Wachkitzeln von Gewalt- und Mordphantasien«

Der Historiker und NS-Forscher Götz Aly, der mit Blick auf die AfD bislang vor überzogenen Vergleichen mit dem Nationalsozialismus und der NSDAP gewarnt hatte, hat offenbar seine Position revidiert

 07.08.2026

Kanada

Bericht: Jüdische Studenten erleben Antisemitismus als alltägliche Realität

Fast alle befragten jüdischen Studenten geben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben

 07.08.2026

Miami

Antisemitischer Angriff in Starbucks-Filiale

Laut Polizei schlug eine Frau ihr Opfer mit einem Mobiltelefon. Dann habe sie mit einem Metallstuhl auf den Mann, der eine Kippa trug, losgehen wollen

 07.08.2026

Berlin

Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren ernsthaft prüfen

Die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren erhält neue Dynamik. Was sagt SPD-Chef Klingbeil und wie reagiert die Linke auf seinen Vorstoß?

 07.08.2026

Teheran/Maskat/Washington D.C.

Iran und Oman arbeiten an Hormus-Regelung – Teheran stellt Bedingungen an die USA

Iranischer Vertreter sagen, ein Rahmenabkommen für den Schiffsverkehr sei weit fortgeschritten. Eine sofortige Wiederöffnung der Wasserstraße sei damit jedoch nicht verbunden

 07.08.2026