Meinung

BDS: Obsessiv und gefährlich

Michaela Fuhrmann Foto: Uwe Steinert

Meinung

BDS: Obsessiv und gefährlich

Wer Israel boykottiert, setzt sich nicht für die Palästinenser ein. Sondern gegen Juden

von Michaela Fuhrmann  24.08.2015 19:29 Uhr

Ein Kürzel ist international gerade besonders »in«: BDS. Die drei Buchstaben stehen für »Boycott, Divestment, Sanctions«. Sie begründen eine vermeintlich legitime politische Kampagne, die bei genauerem Betrachten letztlich nichts weiter als ein international gebündelter Versuch der Delegitimierung Israels ist.

2005 von palästinensischen NGOs initiiert, haben die BDS-Bewegungen eine weltweite Welle geschlagen, auf der gerade in Kunst und Wissenschaft viele empörte Akteure reiten. Plötzlich verschreiben sich alle der »palästinensischen Sache«, was ihnen zu bedeuten scheint: Ausschluss von Israelis und Juden.

Matisyahu Falls der Leser sich jetzt fragt, ob hier ein Satz fehlt, der diesen Zusammenhang erklärt: Nein. Einen Zusammenhang zwischen der Situation der palästinensischen Bevölkerung beziehungsweise dem sogenannten Nahostkonflikt und den Werken israelischer und jüdischer Künstler gibt es nicht. Er wird künstlich generiert, weil es in den Augen der BDS-Befürworter plausibel erscheint. Oder wie sonst soll man es verstehen, dass man den amerikanisch-jüdischen Sänger Matisyahu von einem Musikfest in Spanien auslädt, weil dieser kein Statement zugunsten eines palästinensischen Staates abgibt?

Wie sonst kann man erklären, dass eine Dokumentation über Behinderte in Israel von einem Osloer Filmfestival ausgeschlossen wird, weil sie nicht die »israelische Besatzung« thematisiert? Wie kann man nachvollziehen, dass es einen Zusammenschluss von Wissenschaftlern gibt, der israelische Kollegen boykottieren und deren Forschungsergebnisse, etwa in der Medizin oder Mikrotechnologie, einfach ignorieren will?

So etwas ist kein »Engagement für einen palästinensischen Staat«. Dass ein solcher hoffentlich in naher Zukunft entsteht, ist ein Wunsch, den wir alle teilen. Doch während Israel und die jüdische Gemeinschaft sich eine sichere Zweistaatenlösung für beide Seiten wünschen, sind die BDS-Anhänger obsessiv damit beschäftigt, Israel einseitig zu verurteilen und dessen Daseinsberechtigung zu bestreiten.

Jüdische Menschen zu boykottieren und sie für die israelische Politik verantwortlich zu machen, hat nichts mit dem Einsatz für das palästinensische Volk oder für einen »gerechten Frieden« zu tun. Wenn der jüdische Staat sowie jüdische Künstler, Sportler und Wissenschaftler weltweit Boykotten ausgesetzt sind, ist die als »BDS« firmierende Kampagne eine weitaus gefährlichere Sache, als es drei Buchstaben je ausdrücken könnten.

Die Autorin ist Leiterin der Politischen Abteilung des Zentralrats der Juden.

Prozess

Mutmaßlicher Block-Entführer wollte wie James Bond sein

Er war Model und Fitnesstrainer, da erhielt er ein Angebot, von dem er sich geehrt fühlte: Er solle zwei Kinder der Familie Block retten, berichtet ein Zeuge. Seine Geschichte klingt wie ein Thriller

von Stephanie Lettgen  08.07.2026

Tel Aviv/Neapel

Israelische Touristin storniert Hotel in Italien nach BDS-Nachricht

Das Hotel Decumani Hotel De Charme verschickt E-Mails, in der es heißt, es unterstütze die Kampagne ›No Room for Genocide‹ der antisemitischen BDS-Kampagne

 08.07.2026

Krieg

Trump kündigt weitere Angriffe auf Iran an

In der Nacht zum Mittwoch hat das US-Militär Ziele im Iran bombardiert. Nach Aussage von US-Präsident Trump könnten weitere Angriffe folgen

 08.07.2026

Einspruch

Die Hitze spüren

Mascha Malburg empfindet die jüngsten Temperaturrekorde als Mahnung, die Schöpfung zu bewahren

von Mascha Malburg  08.07.2026

Meinung

Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Die Performance des jüdischen Künstlers Alon Ishay hat eine neue Debatte über den Umgang der österreichischen Hauptstadt mit ihrer antisemitischen Geschichte angestoßen

von Tobias Kühn  08.07.2026

Nahost

Bericht: Neue Angriffe im Süden des Libanon

Laut libanesischen Medien flog Israels Luftwaffe erneut Angriffe auf Ziele im Süden des Landes. Nach einem Schusswechsel dort meldet die israelische Armee den Tod eines Hisbollah-Terroristen

 08.07.2026

Fußball-Weltmeisterschaft

Die Wut der Pharaonen

Ägypten sucht nach der knappen Niederlage gegen Titelverteidiger Argentinien nach Schuldigen - und Trainer Hossam Hassan spuckt beim Anblick einer Israel-Flagge aus

von Michael Thaidigsmann  08.07.2026

Ankara

Trump: Waffenruhe ist aus meiner Sicht beendet

Die jüngste Eskalation führt offenbar zum Bruch der Vereinbarung

 08.07.2026 Aktualisiert

Hamburg/Ankara

Wadephul: Iran muss jetzt endlich vernünftig verhandeln

Im dauereskalierenden Konflikt mit dem Iran betrachtet der Bundesaußenminister das Verhandlungsfenster noch nicht als geschlossen. Dafür brauche es aber klare Zugeständnisse Teherans, fordert er

 08.07.2026