Sachsen-Anhalt

Bauernverband sagt Demo an Gedenktag ab

Ein Bauernprotest Anfang Januar auf dem Magdeburger Domplatz direkt vor dem Landtag. So hätte es auch am 27. Januar aussehen sollen. Foto: picture alliance/dpa

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt hat seine für den 27. Januar geplante Kundgebung auf dem Magdeburger Domplatz um einen Tag verschoben. Erst am Donnerstag hatte Landtagspräsident Gunnar Schellenberger (CDU) die zentrale Gedenkveranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust im Plenarsaal des Landtages absagen müssen, weil eine würdevolle Zeremonie durch die Proteste mit 2500 Bauern und 300 Traktoren vor den Türen des Parlaments nicht möglich sei.

Die Gedenkveranstaltung im Plenarsaal bleibt trotz der nun getroffenen Entscheidung des Bauernverbands aber weiterhin abgesagt. Sie soll erst am 1. März stattfinden, wie der Landtag der Jüdischen Allgemeinen bestätigte.

Ursprünglich hatte Schellenberger auch die Kranzniederlegung am Denkmal für die verfolgten und ermordeten Magdeburger Sinti und Roma abgesagt. Doch nach einer Sitzung des Ältestenrats wurde diese Entscheidung widerrufen.

»Zum Zeitpunkt der Anmeldung der Kundgebung war den Organisatoren nicht bekannt, dass es zu zeitlichen oder räumlichen Überschneidungen mit zwei Veranstaltungen anlässlich des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus kommen würde«, heißt es in einer Mitteilung des Bauernverbandes. Die Gedenkveranstaltung im Plenarsaal sollte nach der Kranzniederlegung von 10.30 Uhr bis 12 Uhr stattfinden. Der Bauernprotest war für 12 Uhr angemeldet, die rund 300 Traktoren sollten aber bereits vorher anreisen. »Diese Gedenkveranstaltungen zu beeinträchtigen, war vonseiten der Organisatoren nicht beabsichtigt. Aus Respekt nehmen wir Rücksicht auf den Gedenktag und planen die Verschiebung unserer Kundgebung auf Sonntagnachmittag.«

Bauernpräsident Olaf Feuerborn, der ebenfalls im Landtag sitzt, hatte am Donnerstagmorgen dem Landtagspräsidenten zunächst vorgeschlagen, die Gedenkveranstaltung in die Senatskanzlei zu verlegen, die etwa 500 Meter vom Dom entfernt liegt, wie er der Jüdischen Allgemeinen mitteilte. Seiner Darstellung zufolge habe der Bauernprotest ursprünglich am Alten Markt stattfinden sollen, wurde allerdings auf Initiative der Versammlungsbehörde auf den Domplatz verlegt. Feuerborn betonte, dass Vertreter des Verbandes bei der Behörde gefragt hätten, ob der Protest die Gedenkversammlung störe.

Der Versammlungsbehörde zufolge wurde der Bauernprotest am Alten Markt am 19. Januar angemeldet. Zwei Tage später sei eine weitere Versammlung auf dem Domplatz angemeldet worden, wie die Behörde auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen mitteilte. »Im Kooperationsgespräch ist von den Beteiligten die Anzahl der Versammlungen reduziert worden und schlussendlich der Domplatz festgelegt worden«, teilte die Versammlungsbehörde mit. Die Behörde habe »in einem engen Abstimmungsprozess« mit dem Bauernverband gestanden, um die Gedenkstunde im Plenarsaal nicht zu beeinträchtigen.

Interview

»Plötzlich ist das Gefühl von Sicherheit weg«

In der Nacht auf Sonntag ist das private Grundstück von Brandenburgs Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner Ziel eines Brandanschlags geworden. Mit der Jüdischen Allgemeinen spricht er nun exklusiv über den Angriff – und benennt, was daraus folgen muss

von Mascha Malburg, Philipp Peyman Engel  04.01.2026 Aktualisiert

Templin

Brandanschlag auf Grundstück von Beauftragten gegen Judenhass

Auf dem Grundstück des Antisemitismusbeauftragten von Brandenburg wurde ein Schuppen in Brand gesteckt. Auf seiner Haustür haben die Täter ein rotes Hamas-Dreieck hinterlassen

 04.01.2026

Analyse

Warum die Proteste im Iran auch eine Chance für unsere Sicherheit sind

Anschläge und Morde, verdeckte Handelsfronten, Identitätsdiebstahl und Sanktionsumgehung: Das Regime in Teheran ist auch in Europa zu einem hybriden Bedrohungsakteur geworden. Umso wichtiger ist es, die Regimegegner zu unterstützen

von Rebecca Schönenbach  04.01.2026

Interview

»Israels Sache ist gerecht, sie muss nur besser erklärt werden«

Der saudische Influencer Loay Alshareef über Frieden im Nahen Osten, seine erste Begegnung mit Juden und die Kraft persönlicher Erfahrung

von Stefan Laurin  04.01.2026

Iran

Proteste gegen Chamenei weiten sich aus

Im Iran kam es erneut zu Gewalt gegen Demonstrierende. Die Proteste haben sich inzwischen auf etwa 70 Prozent des Landes ausgeweitet. Auch in Berlin und Washington versammelten sich oppositionelle Exiliraner

 04.01.2026

Venezuela

Netanjahu gratuliert Trump

Israels Regierungschef Netanjahu lobt den US-Angriff in Venezuela und hebt Trumps Vorgehen gegen Maduro als »historisch« hervor. Andere israelische Politiker ziehen Parallelen zum Iran

 04.01.2026

Caracas

Venezuelas Vizepräsidentin behauptet »zionistische Handschrift«

Delcy Rodriguez, die nach der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro die Leitung des Landes übernehmen will, stellt den US-Angriff in einen Zusammenhang mit Israel

 04.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  02.01.2026

Kommentar

Der Edelpilz, der keiner ist

New Yorks neuer Bürgermeister Zohran Mamdani hat bereits die Anerkennung der IHRA-Definition durch die Stadtverwaltung und das Boykottverbot gegen Israel aufgehoben

von Louis Lewitan  02.01.2026