Einspruch

Auf verlorenem Posten

Die syrische Regierung – derzeit damit beschäftigt, ihre eigene Bevölkerung niederzukartätschen, so in der Stadt Dschisr al-Schughour im Norden des Landes, wo am vergangenen Montag nach offiziellen Angaben 120 Menschen erschossen wurden –, die syrische Regierung also hat ein kleines großes Problem. Der herrschende Assad-Klüngel, der über ungefähr so viel Legitimität verfügt wie der Ku-Klux-Klan in den USA, fürchtet, er könnte demnächst von den eigenen Leuten massakriert werden. Es geht ans Eingemachte, es geht eigentlich um alles: zusammengeklauten Besitz, luxuriöse Villen, die Macht. Was könn- te Assad und Co. jetzt, wo ihnen der Aufstand schon bis zum Hals steht, noch aus der Bredouille helfen?

Richtig: Israel. Wenn es den jüdischen Staat nicht gäbe, müsste man ihn eigentlich erfinden. Israel ist der Blitzableiter, die ideale Ablenkung. Am Sonntag strahlte das syrische Staatsfernsehen einen Film aus: »Der Golan in meinem Herzen«. Jerusalem hatte 1967 bekanntlich die ungeheure Frechheit besessen, die Höhen zu stürmen, statt sich weiterhin von ihnen herunter beschießen zu lassen. Am vergangenen Sonntag sind außerdem Hunderte Leute auf die dortige Grenze zu marschiert. Die israelischen Soldaten haben sie durch Lautsprecher auf Arabisch gewarnt, sie näherten sich einer Staatsgrenze. Sie haben ein paar der Marschierer in die Beine geschossen, aber die blieben trotzdem nicht stehen. Das bestürzende Ende: 27 Tote, 350 Verletzte. Das syrische Staatsfernsehen war selbstverständlich ganz zufällig auch gerade vor Ort. Und die Bilder wurden sofort ausgestrahlt.

Wir müssen neidlos anerkennen: eine tolle Propaganda-Show. Denn inzwischen gibt es Berichte, wonach es sich bei den Demonstranten um bettelarme Bauern handele, die 1.000 Dollar pro Nase für den Aufmarsch kassiert hätten; die Hinterbliebe- nen würden sogar 10.000 Dollar erhalten – für syrische Verhältnisse ein Vermögen.

Und was soll Israel jetzt machen? Es hat nur noch die Wahl zwischen falsch und verkehrt.

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026

Sanaa

Regierungstruppen im Jemen melden 181 Angriffe in 24 Stunden

Mit Drohnen und Raketen attackieren Regierungskräfte Militärstützpunkte und Waffendepots der Huthi-Terrormiliz. Wie weit eskaliert die Lage noch?

 16.08.2026

Teheran

Iran richtet Mann wegen angeblicher Israel-Spionage hin

Die iranische Justiz hat ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Menschenrechtler werfen den Behörden vor, die Todesstrafe zur Unterdrückung von Kritik einzusetzen

 16.08.2026

Berlin

Prien: Differenzierte Haltung zu Israel kann ein Wagnis sein

Der Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Gräben in der Gesellschaft verdeutlicht - und teils auch vertieft. Wer dagegen differenziert argumentiere, habe es oft nicht leicht, sagt Ministerin Prien

 16.08.2026

Magdeburg

Will AfD-Spitzenkandidat Siegmund den Verfassungsschutz abschaffen?

AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nach der Landtagswahl die Zukunft des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt prüfen lassen. Diese Optionen fasst er ins Auge

 16.08.2026

Washington/Teheran

Frist verstreicht: Iran-Krieg vor ungewisser Zukunft

Während US-Präsident Trump mit einer Übernahme der Straße von Hormus kokettiert, gehen die Angriffe auf zivile Schiffe weiter. Dabei sollte in diesen Tagen ein finales Abkommen stehen

 16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026