Burg Giebichenstein

Antisemitismusvorwürfe gegen Kunsthochschule Halle

Blick auf die Burg Giebichenstein in Halle in Sachsen-Anhalt Foto: IMAGO/Zoonar

Die Jahresausstellung zum Ende des Sommersemesters hat an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Tradition. So fand sie auch dieses Jahr am vergangenen Wochenende statt. Doch die Feierlichkeiten wurden von Gewalt gegen eine Person mit einem sichtbaren Davidstern-Tattoo überschattet. Das Opfer musste daraufhin im Krankenhaus medizinisch behandelt werden.

»Doch nicht nur das Ausmaß der Gewalt ist ein Skandal, sondern das Auftreten der Burg«, heißt es dazu in einer ersten Stellungnahme des Bündnisses gegen Antisemitismus Halle. »Die Judenhasser von Students for Palestine bedrängten den Angegriffenen unter den Augen der Security und den Verantwortlichen der Hochschule.« So soll der Täter selbst aus dem Kreis des Security- und Awarenessteams stammen, das vom Studierendenrat der Hochschule engagiert wurde.

Israelfeindliche Grundstimmung

Dies ist vorläufiger Höhepunkt einer ganzen Reihe von Vorfällen, die auf eine israelfeindliche Grundstimmung hinweisen. So berichtet das Bündnis gegen Antisemitismus Halle von zahlreichen Plakaten, die auf dem Hochschulgelände ungehindert längere Zeit hängen konnten und Israel als Kindermörder darstellten. Auch sollen dort zwei Livestreams der Gruppe »Students for Palestine« zu sehen gewesen seien, in denen das Existenzrecht Israels infrage gestellt wurde.

Ein Graffiti mit der Forderung »Antisemiten runter vom Campus« dagegen ließ man verhängen.

Man wisse nicht, wer der oder die Verfasser dieser Plakate seien, so die Rektorin der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Bettina Erzgräber, gegenüber MDR Sachsen-Anhalt. »Im Rahmen der Jahresausstellung sind alle Standorte der Burg geöffnet, so dass durchaus Eingriffe von Außenstehenden nicht ausgeschlossen werden können, wie zum Beispiel das Hängen von Plakaten in Fluren oder das Verteilen von Flyern. Der Hochschulleitung ist nicht bekannt, wer diese Plakate in den öffentlich zugänglichen Fluren gehängt hat.«

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Dann stellt sich jedoch folgende Frage: Warum ist das Security-Team vor Ort nicht eingeschritten, wenn es womöglich Außenstehende waren, die auf dem Hochschulgelände aktiv wurden und israelfeindliche Plakate aufgehängt haben?

»Selbst am späten Sonntag waren die israelfeindlichen Plakate auf einigen Standorten der Kunsthochschule noch immer zu sehen«, weiß dagegen Dennis Hoffmann, Sprecher des Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) zu berichten.

Gegendarstellung der Hochschule

Auch die Auseinandersetzung auf der Jahresausstellung sieht man anders. In einer Gegendarstellung der Kunsthochschule Halle zu den inzwischen laut gewordenen Antisemitismusvorwürfen ist davon die Rede, dass »einem Besucher der Jahresausstellung eine Kufiya gewaltsam entrissen worden« sei. Zudem hätte der Angreifer den Palästinensertuch-tragenden jungen Mann »mit einem Faustschlag ins Gesicht« niedergeschlagen. Das Bündnis gegen Antisemitismus Halle widerspricht der Behauptung der Kunsthochschule und betont, dass Letzteres nie geschehen sei.

»Bemerkenswert ist ebenfalls die Tatsache, dass die Hochschule sich jetzt auch noch in einer Rundmail an Studierende und Mitarbeitende gewendet hat, und ausschließlich nach Zeugen für ihre Version der Ereignisse sucht«, so Jufo-Sprecher Hoffmann weiter.

Die Polizei in Halle erklärte auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen, dass mittlerweile zwei Anzeigen wegen Körperverletzung vorliegen würden, und zwar von zwei jungen Männern. Zu den israelfeindlichen Plakaten sagte die Polizei, dass strafrechtlich nichts Relevantes gezeigt worden sei.

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