Berlin

»Antisemitismus und Israel-Hass«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: ZR

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat die am kommenden Samstag in Berlin geplante Al-Quds-Demonstration als »Hass-Marsch« bezeichnet: »Es ist eine Schande, dass in Berlin Raum gelassen wird für Antisemitismus und Israel-Hass. Denn nichts anderes haben die Al-Quds-Demonstrationen der vergangenen Jahre zutage gefördert, und nichts anderes ist auch in diesem Jahr zu erwarten.«

Synagoge Die agitatorische Demonstration solle mitten in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zu mehreren Synagogen, verlaufen. Dies sei für die Gottesdienstbesucher unzumutbar, so Schuster.

»Uns allen sind die antisemitischen Parolen und Übergriffe der Vergangenheit präsent. Wenn man einen solchen Hass-Marsch nicht verbieten kann, muss die Stadt zumindest im Vorfeld alle notwendigen Auflagen erteilen, um Antisemitismus und Israel-Hetze zu verhindern. Verstöße müssen sanktioniert werden.«

Er hoffe, dass am Samstag viele Menschen zur Gegendemonstration kommen, »um zu zeigen, dass Antisemitismus und Antizionismus keinen Platz in unserer Hauptstadt haben«. Der Zentralrat zählt zu den Unterstützern der Gegendemonstration.

Innensenator Unterdessen erklärte Berlins Innensenator Frank Henkel am Dienstag, dass die Versammlungsbehörde in diesem Jahr strengere Auflagen für die diesjährige Al-Quds-Demonstration verhängen will.

So soll es nicht erlaubt sein, für die Hisbollah zu werben und Kennzeichen, Symbole oder Embleme dieser Organisation zu zeigen. Des Weiteren ist es wie im Vorjahr untersagt, Gewalttaten, die darauf gerichtet waren oder sind, Menschen zu töten, zu verletzen oder zu entführen, zu verherrlichen oder gutzuheißen beziehungsweise zu solchen Taten aufzufordern.

Innensenator Frank Henkel sagte: »Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass eine Verschärfung sinnvoll und geboten ist. Deshalb halte ich ein Flaggenverbot als Auflage für richtig. Die Polizei wird auch wie in den Vorjahren konsequent gegen Hetzparolen vorgehen.«

AJC Das American Jewish Committee (AJC) stellte am Dienstag ein Rechtsgutachten zur Al-Quds-Demonstration vor. Rechtsanwalt Max Putzer legt darin »überaus gewichtige Gründe« für ein Verbot von Hisbollah-Symbolik sowie eine zeitliche und räumliche Verlegung der Kundgebung dar. AJC-Direktorin Deidre Berger forderte wesentlich strengere Auflagen als in den Vorjahren, die Behörden müssten die Veranstalter »in engere Schranken weisen«.

Der Al-Quds Tag wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ausgerufen und dient dazu, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen und den arabischen Anspruch auf ganz Jerusalem zu untermauern. Die Al-Quds-Demonstration findet seit 1996 in Berlin statt, vergangenes Jahr mit rund 1.000 Teilnehmern.

Für diesen Samstag haben die Veranstalter 1500 Teilnehmer für die Route über den Kurfürstendamm und die Tauentzienstraße mitten in der westlichen Berliner City angekündigt. Ab 12.30 Uhr ist zudem eine Gegendemonstration mehrerer Veranstalter angemeldet. ja (mit epd)

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026