Einspruch

Antisemitismus im weißen Kittel

Katja Ridderbusch

Einspruch

Antisemitismus im weißen Kittel

Katja Ridderbusch fragt sich, wie eine Ärztin in den USA dazu kommt, Juden falsch behandeln zu wollen

von Katja Ridderbusch  10.01.2019 07:12 Uhr

Die Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Ohio macht in der Regel wegen ihrer medizinischen Spitzenleistungen von sich reden. Nicht so im Fall von Lara Kollab. Die junge Ärztin, Amerikanerin mit palästinensischen Wurzeln, hatte sich mit antisemitischen Tiraden in sozialen Medien profiliert, hatte Juden als »Hunde« bezeichnet, Israel mit Nazideutschland verglichen, den Holocaust als Übertreibung abgetan, Allah gebeten, die Juden zu töten, und erklärt, sie würde »absichtlich allen Juden die falschen Medikamente geben«. Es war wohl vor allem ihre Ankündigung, den hippokratischen Eid zu brechen, der die Klinik veranlasste, Kollab zu feuern.

Der Fall empört, aber er überrascht nicht. Denn die USA, bislang das einzige Land außer Israel, in dem Juden selbstverständlich und (relativ) sicher leben konnten, drohen den Weg Europas zu gehen, wo das toxische Dreieck aus rechtem, linkem und muslimischem Antisemitismus sich immer mehr in die Mitte der Gesellschaft vorschiebt, wo Hass zunehmend salonfähig wird, oft getarnt als »Israelkritik«.

antisemitismus Die Gesichter des Antisemitismus in den USA: Das sind die rechtsextremen Aufmärsche in Charlottesville und das Synagogen-Massaker in Pittsburgh. Aber das sind auch Edel-Unis wie Berkeley, die BDS ein Forum bieten. Und das ist eine Gruppe demokratischer Kongressabgeordneter, darunter einige Muslime, die sich klar gegen Israel positionieren – teils aus Überzeugung, teils aus Ahnungslosigkeit.

Ins Lager der Ahnungslosen kann sich Lara Kollab kaum einreihen, denn – besondere Ironie – sie studierte am Touro College, einer jüdisch geprägten Hochschule. Jetzt bat sie um Nachsicht für ihre »unsensiblen Bemerkungen«. Mittlerweile sei sie »gereift«, schreibt sie. Und werde »als Ärztin alles tun, um meine Patienten bestmöglich medizinisch zu versorgen, unabhängig von Rasse, Religion oder Kultur«.

Bleibt nur zu hoffen, dass Lara Kollabs Versprechen nie dem Test der Wirklichkeit standhalten muss.

Die Autorin lebt als freie Journalistin in Atlanta/USA.

Landtagswahl

AfD bei Wahl in Sachsen-Anhalt klar vor CDU

In den Umfragen lag die AfD seit langem deutlich in Führung. Nun gibt es erste Zahlen

 06.09.2026 Aktualisiert

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  06.09.2026

Jerusalem

Israels Sicherheitsrat: Weltweite Reisewarnung für die jüdischen Feiertage

Die Behörde warnt vor gezielten Anschlägen durch extremistische Gruppen und Einzeltäter auf Juden und Israelis. Von Reisen in zahlreiche arabische und an den Iran grenzende Staaten wird dringend abgeraten

 06.09.2026

München

Bayern erhöht Staatsleistungen für israelitische Kultusgemeinden

Seit 1997 gibt es in Bayern einen Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden. Dieser muss immer wieder mal angepasst werden. Am Freitag war es wieder soweit. Ein Signal der Wertschätzung

 06.09.2026

Exklusiv-Interview

»Anders als Hitler ist die AfD nicht kriegslüstern«

Der Historiker und Bestsellerautor Götz Aly über die Radikalisierung des NS-Regimes, Vergleiche zwischen dem Ende der Weimarer Republik mit der heutigen Zeit und die Sinnhaftigkeit eines AfD-Verbots

von Michael Thaidigsmann  06.09.2026

AfD in Sachsen-Anhalt

Prien: Abschaffung der Schulpflicht wäre Katastrophe

Im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt plädiert die AfD für das Recht von Eltern, Kinder zu Hause zu unterrichten. Die Bundesbildungsministerin hält das für falsch

 06.09.2026

Landtagswahl

Wahllokale in Sachsen-Anhalt geöffnet

Die Menschen in Sachsen-Anhalt entscheiden heute darüber, wie die Politik in den kommenden fünf Jahren aussehen soll. Zuletzt warnte der Zentralrat der Juden vor der AfD, die in Umfragen vorne liegt

 06.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Wahlen

So antisemitisch ist die AfD

Die rechtsextreme Partei inszeniert sich gern als Vorkämpferin gegen Judenhass und für Israel. Ein Faktencheck

von Stefan Dietl  06.09.2026