Bremen

»Antisemitische Lügenverbreitung«

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) Foto: dpa

Bremen

»Antisemitische Lügenverbreitung«

SPD-Innensenator Mäurer steht wegen Äußerung zu angeblichen »Hinrichtungen« in Israel in der Kritik

 09.10.2018 13:11 Uhr

Antisemitische Lügenverbreitung» und eine «unglaubliche Entgleisung» wird dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) vorgeworfen. Die Kritik kommt von den Grünen, der CDU und der FDP, und sie bezieht sich auf eine Rede Mäurers in der Bremischen Bürgerschaft.

Mäurer hatte dort Anfang Oktober gesagt: «Wenn ich sehe, dass die israelische Armee am Grenzzaun Dutzende von Palästinensern einfach hinrichtet, auch dafür habe ich kein Verständnis. Und ich kann alle diejenigen verstehen, die das zum Anlass nehmen, hier sehr deutlich ihre Meinung zu sagen.»

Verständnis Anlass seiner Äußerung war eine Große Anfrage der CDU zum Thema «Sicherheit in Bremen nicht durch ausländische Konflikte gefährden». Mäurer hatte Verständnis für Proteste gegen die türkische Militäroffensive in Syrien gezeigt – und eben für Demonstrationen gegen angebliche «israelische Hinrichtungen».

Mehrere Politiker fordern nun den Rücktritt von Mäurer. «Wenn gemeint wie gesagt: Rücktritt!», teilte etwa Claas Rohmeyer mit. Der CDU-Politiker und Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft ist der Ansicht, dass sich Mäurer mit seiner Aussage vollkommen disqualifiziert habe.

Mittlerweile geht auch der Koalitionspartner der Bremer SPD auf Distanz. Bei Mäurers Worten handele es sich um «antisemitische Lügenverbreitung», schrieb die Grünen-Landes-Vorsitzende Alexandra Werwath auf Twitter.

Laienschauspieler Elisabeth Motschmann, Bundestagsabgeordnete aus Bremen, verurteilt die Worte des SPD-Politikers ebenfalls scharf: «Ein Laienschauspieler sollte sich nicht auf die außenpolitische Bühne begeben. Das ist gründlich schiefgegangen», so die SPD-Politikerin. «Wir kämpfen gegen Antisemitismus im eigenen Land, und ausgerechnet ein Innensenator äußert sich antisemitisch.»

Zur Kritik an seiner Äußerung sagt Mäurer: «In der Debatte habe ich dies vielleicht unglücklich formuliert. In der Sache bin ich aber weiterhin der Auffassung, dass man angesichts der Toten an der Grenze Verständnis haben muss, wenn es als Reaktion darauf zu Demonstrationen und Protesten kommt.»

Doch die Kritik ebbt nicht ab. «Mit dieser halbherzigen Entschuldigung ist es nicht getan. Er ändert nur die Wortwahl, sein – falscher – Vorwurf bleibt. Damit macht der Innensenator Judenhass hoffähig», so die Vize-Präsidentin der «Deutsch-Israelischen Gesellschaft» und CDU-Politikerin Gitta Connemann.

Der deutsch-israelische Autor Arye Sharuz Shalicar kritisiert Mäurer ebenfalls: «Der Innensenator spricht aus, was radikal-islamistische, rechtsradikale und linke Israelboykott-Kreise sich von deutschen Entscheidungsträgern wünschen. Das ist ein höchst bedauerlicher Zwischenfall, der zeigt, wie sehr bestimmte deutsche Kreise die lebenden und sich zur Wehr setzenden Juden hassen, während sie den Kopf am Internationalen Holocaust-Gedenktag senken.»

hamas Der Hintergrund der Kritik an Mäurer: Es handelt sich mitnichten um «Hinrichtungen» und um «friedliche Demonstranten» an der Grenze zu Israel. Seit Monaten versuchen bewaffnete Terroristen und andere Unterstützer der Terrororganisation Hamas, die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel gewaltsam zu durchbrechen.

In einem Interview hatte ein Sprecher der Hamas unlängst bestätigt, dass ein großer Teil der vom israelischen Militär an der Grenze getöteten «Protestierenden» Mitglieder der Hamas waren. ja

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026