Einspruch

Alles hat seine Zeit

Louis Lewitan Foto: Stefan Nimmesgern

Einspruch

Alles hat seine Zeit

Louis Lewitan rät, sich trotz allem das Leben nicht vom Terror bestimmen zu lassen

von Louis Lewitan  18.07.2016 19:21 Uhr

An einen Tanz auf dem Vulkan kann sich niemand gewöhnen. Man kann nur lernen, mit der Angst zu leben. Das ist zwar wenig tröstlich, erlaubt jedoch das Nachdenken. Darüber etwa, was im Leben wichtig ist, womit man seine Zeit verschwendet, weshalb man sich tagtäglich stresst und aufregt.

In Zeiten weltweiter Terrorattacken kann es weder beschauliche Beständigkeit noch ungetrübte Freude geben. Die Zeiten der Unbekümmertheit, ob in Jerusalem oder Nizza, sind endgültig vorbei. Ein Umdenken ist erforderlich. Wer sich in Sorglosigkeit wiegt, macht sich etwas vor. Ein bisschen Vergessen und Verdrängen ist gesund; das hilft, die harte Wirklichkeit abzufedern. Aber die mörderische Wirklichkeit zu verleugnen, wäre unverantwortlich.

verstand Zwischen Schicksalsschlag und Gegenschlag hilft es, den Verstand einzuschalten. Menschenansammlungen auf der Fanmeile in Berlin sind ebenso zu meiden wie gigantische DJ-Partys auf den Champs-Élysées. Attentäter, die entschlossen sind, sich für Allah in die Luft zu sprengen, sind moderne Terroristen. Sie sind keine Verrückten, sondern Mörder, die gezielt eine Strategie der Angst und eine Taktik der Unvorhersehbarkeit betreiben. Ihr Treibstoff ist der unbändige Hass auf die Moderne, die Vielfalt und unsere Freiheit.

Man darf sich die Freude am Leben nicht nehmen lassen, sagt die Zuversicht. Man soll sich nicht in aller Öffentlichkeit schamlos freuen, flüstern die Schuldgefühle. Was da hilft, ist: den Tatsachen ins Auge zu blicken. Mit dem einen Auge sollten wir erkennen, dass es anderen schlechter geht, und ihr Leid und ihren Schmerz sehen. Mit dem anderen Auge sollten wir uns an Schönheit, Gesundheit und dem kurzweiligen Frieden erfreuen.

Und mit beiden Augen sollten wir ab und an die Verse von König Salomon lesen. Im Buch Kohelet steht alles Wesentliche geschrieben: Es gibt eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit zum Klagen und eine Zeit zum Tanzen.

Der Autor ist Psychologe und Stressberater.

Reaktion

»Wir dürfen nicht dulden, dass Ausländerkriminalität, Judenhass an der Tagesordnung sind«

Bundeskanzler Merz sprach in Berlin über Migration und den grassierenden Judenhass im Land

 17.09.2026

Wahlkampf im Nordosten

Ex-CDU-Politiker Michel Friedman wirbt für die Grünen

 17.09.2026

Brandanschlag auf Synagoge Wuppertal

Nach ersten Erkenntnissen handelte der polizeibekannte Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit allein

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Linke

Neue Umfrage sieht eine Partei wieder knapp in Führung

 17.09.2026

München

Drinnen redet ein Palästinenser, draußen wird er mit »Free Palestine«-Rufen niedergebrüllt

In der bayerischen Landeshauptstadt fand eine Medienkonferenz mit prominenten Teilnehmern statt, gegen die es im Vorfeld Boykottaufrufe gab. Redner beklagten die zunehmende Polarisierung

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Karlsruhe

Iraker plante Anschlag in Bremen

Der 24-jährige Islamist soll eine Kirche in Bremen als Anschlagsziel ausgewählt und schon eine Schusswaffe beschafft haben. Die Ermittler werfen ihm mehrere schwere Straftaten vor

 17.09.2026

Synagoge in Mailand (Archiv)

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 Aktualisiert

Berlin-Wahl

»Stimmen Sie gegen Antisemitismus!«

Die Vorsitzende der DIG Berlin Brandenburg, Cerstin Richter-Kotowski ruft Wähler dazu auf, Parteien zu wählen, die Judenhass bekämpfen

 17.09.2026

München

Rabbiner: Plan gegen islamistischen Terror ist Vorbild für Europa

Mit einem Zehn-Punkte-Plan sollen in Deutschland Radikalisierung und islamistischer Terror bekämpft werden. Zustimmung kommt von Rabbinern, die über die Landesgrenzen hinaus denken. Allerdings wird auch Kritik laut

von Leticia Witte  17.09.2026