Mahnung

9. November 1938 darf nicht vergessen werden

Passanten vor einem jüdischen Geschäft, dessen Schaufensterscheiben in der Pogromnacht am 9. November 1938 zerstört wurden. Foto: Verfügbar für Kunden mit Rechnungsadresse in Deutschland und Österreich. !

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat angesichts zunehmender antisemitischer Vorfälle dazu gemahnt, einen kühlen Kopf zu bewahren.

»Es ist nicht so, dass man sich als Jude in Deutschland verstecken muss. Wir haben Brennpunkte, insbesondere in den Metropolen. Ich denke hier zum Beispiel an Berlin oder Dortmund, wo wir Schwerpunkte haben, die man mit Intensität bekämpfen muss«, sagte er »Nordwest-Zeitung« (Samstag).

Gedenktage Zugleich betonte er aus Anlass des Gedenktages an die Pogromnacht vor 81 Jahren, die Geschehnisse des 9. November 1938 dürften nicht in Vergessenheit geraten. Die Pogromnacht habe jedem deutlich gemacht, in welche Richtung sich der Nationalsozialismus entwickelt. »Es ist gut, wenn es solche Art von festen Gedenktagen gibt, die uns dazu veranlassen, innezuhalten und zurückzublicken«, sagte der 65-Jährige.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand und misshandelten, verschleppten und ermordeten jüdische Bürger.

Halle Max Privorozki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, fühlt sich einen Monat nach dem Anschlag auf seine Synagoge an die Pogromnacht vor 81 Jahren erinnert: »Ich sehe Parallelen zwischen dem 9. November 1938 und dem 9. Oktober 2019, dem Tag des Anschlags in Halle auf unsere Synagoge«, sagte er der »Süddeutschen Zeitung« (Wochenende).

Privorozki, der während des Angriffs selbst im Gebetshaus war, sagte, man beobachte in seiner Gemeinde, »dass in Deutschland Antisemitismus mit großer Geschwindigkeit immer krasser wird«.

»Sich offen als Antisemit zu zeigen, ist nicht mehr peinlich«, sagte Privorozki. »Wenn wir jetzt keine Maßnahmen ergreifen gegen Antisemitismus und Judenhass, weiß ich nicht, ob die jüdische Gemeinschaft in Deutschland überhaupt noch eine Zukunft hat«, sagte Privorozki.  dpa

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  28.06.2026

Meinung

Der Kahlschlag der Familienministerin

Der angekündigte Umbau des Bundesprogramms »Demokratie leben!« lässt Engagierte im Regen stehen. Die Folgen für Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention werden fatal sein

von Viktoria Gulde  27.06.2026

Nahost

Amerikas Rückzug

Die USA lassen Israel fallen und versuchen plötzlich, den Iran zu bestechen. Eine gefährliche Situation für den Judenstaat – aber auch eine Chance, sich neu zu erfinden

von Rafael Seligmann  27.06.2026

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert