Fernsehen

3sat-Dokumentation über Ausgrenzung von Sinti und Roma

Gründer und Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma: Romani Rose Foto: imago images/Jürgen Heinrich

Der Erinnerung an den Porajmos - den NS-Völkermord an Sinti und Roma - und der Gleichberechtigung dieser Bevölkerungsgruppe widmete Romani Oskar Rose sein Leben. Er ließ nicht locker, bis an diesen Genozid ebenso erinnert wurde wie an den Holocaust. Rose deckte darüber hinaus auf, dass das Denken, das hinter den Verbrechen stand, in der Bundesrepublik weiter lebte: Sinti und Roma wurden ausgegrenzt, die Vorurteile sind bis heute verbreitet.

Der Dokumentarfilm von Peter Nestler stellt dieses Engagement und das Schicksal der Familie Rose ins Zentrum von »Unrecht und Widerstand - Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung«. Über die Erlebnisse des Einzelnen werden die Leiden unter den Nazis und später die Verleugnung der Verfolgung durch bundesdeutsche Behörden eindrucksvoll nachvollziehbar. 3sat strahlt den 110-minütigen Film am 25. Juli um 22.25 Uhr aus - Anlass ist der am 2. August begangene Europäische Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.

Die Roses waren Schausteller. Der Großvater von Romani erkannte die Gunst der Stunde und gründete früh ein Kino; das Jahrmarktvergnügen zog um in ein festes Haus. Unter den Nazis verlor er zunächst sein Eigentum, später sein Leben. Insgesamt 13 Mitglieder der Familie starben in Konzentrationslagern.

Obwohl 90 Prozent der verfolgten Sinti und Roma katholischen Glaubens waren, half ihnen der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber nicht, als sie sich an ihn in ihrer Not wandten. Entsprechende Belege fanden Historiker im bischöflichen Archiv. Eine Schuld, zu der sich der heutige Münchner Kardinal Reinhard Marx im Film bekennt.

Romanis Onkel Vinzenz hatte gewissermaßen Glück im Unglück, er musizierte für Nazi-Größen. Nach der Befreiung versuchte er ebenso wie Romanis Vater vergeblich, auf dem Rechtsweg Gerechtigkeit zu erlangen. Schrecklich muss für die Volksgruppe die Erfahrung gewesen sein, weiter ausgegrenzt und stigmatisiert zu werden. So heißt es im Film, hinter dem Mannheimer Bahnhof habe es ein »Zigeunerlager« gegeben. Wer dort geboren wurde, hatte nie eine Chance auf Bildung.

Rose wehrte sich mit spektakulären Aktionen. Sinti und Roma erzwangen die Überführung des Tübinger Archivs einer Forscherin, die eine pseudowissenschaftliche Arbeit mit Daten von Sinti und Roma nach dem Krieg fortsetzte. Und sie besetzten 1980 die Gedenkstätte des KZ Dachau, um das bayerische Innenministerium dazu zu bewegen, ihnen Akteneinsicht in die Unterlagen der 1970 aufgelösten »Landfahrerzentrale« zu gewähren. Jene Tage und die damals ausgelösten Diskussionen werden mit Archivmaterial aus den Fernsehanstalten lebendig.

1982 wird der Porajmos vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt als Völkermord anerkannt. Romani Rose ist zu diesem Zeitpunkt das Gesicht der Volksgruppe in Deutschland. Rose erinnert sich in dem Gespräch, das den roten Faden des Films bildet, an sein Engagement, und tritt dabei bescheiden auf.

Kurz angerissen wird in der hervorragend recherchierten und informativen Dokumentation die Situation der Sinti und Roma in Ost- und Südosteuropa. Ihre systematische Diskriminierung war in der Bundesrepublik kein Grund für eine Asylberechtigung, wie der Autor mit Archivbildern von einer Abschiebung von Sinti ins sozialistische Polen zeigt.

Im Mittelpunkt steht jedoch die Familiengeschichte von Romani Rose, der unermüdlich an die Verbrechen erinnert und für Versöhnung plädiert. Er fordert Gerechtigkeit, nicht Rache. Er würdigt auch jene, die ihn unterstützt haben. Roses Kampf wird stets in die jeweils aktuellen zeitlichen Umstände eingeordnet: Ebenso wie der Antisemitismus ist auch der Antiziganismus nur schwer auszurotten.

»Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung«, Regie: Peter Nestler. 3sat, Mo 25.07., 22.25 - 00.05 Uhr. 

Shelly Meyer

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