Berlin

17-Jähriger angegriffen und antisemitisch beleidigt

Foto: imago

Ein Teenager ist am Sonntagabend gegen 21.15 Uhr im Berliner Stadtteil Treptow-Köpenick an einer Bushaltestelle angegriffen und antisemitisch beleidigt worden. Der Täter soll betrunken gewesen sein und sich selbst als Nationalsozialist bezeichnet haben, teilte die Polizei auf ihrer Webseite unter Berufung auf die Angaben des 17-jährigen Opfers mit.

Schläge Der Mann habe ihn zuerst angerempelt und dann aufgefordert, zu Boden zu schauen. Für den Fall, dass der Jugendliche dennoch hochschaue, habe er Schläge angedroht und den Jugendlichen anschließend antisemitisch beleidigt. Anschließend fuhr der Angreifer mit einem Bus der Linie 160 davon.

Laut Polizei hat der Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungen an sich gezogen.

DUNKELZIFFER Vergangene Woche hatte Berlins Generalstaatsanwältin Margarete Koppers Justiz und Strafverfolgungsbehörden aufgefordert, antisemitische Straftaten deutlicher als bisher zu benennen. Die Justiz dürfe da keine Scheu haben, erklärte Koppers anlässlich der Vorstellung des ersten Jahresberichtes der Antisemitismusbeauftragten ihrer Behörde, Claudia Vanoni. Diese ist seit September 2018 im Amt.

Ein großes Problem ist laut Koppers und Vanoni die große Dunkelziffer bei antisemitischen Straftaten. Laut Schätzungen werden bis zu 80 Prozent nicht angezeigt. In der jüdischen Gemeinschaft entstehe somit oft der Eindruck, eine Anzeige würde folgenlos bleiben, denn »es passiere sowieso nichts«, sagte Vanoni. Viele der Betroffenen scheuten zudem die Konfrontation mit den Tätern, sollte es zu einer Verhandlung kommen.

VERFAHREN Vanoni gab bekannt, dass die Berliner Strafverfolgungsbehörden im vergangenen Jahr 386 Verfahren mit antisemitischem Hintergrund eingeleitet hatten. Davon musste fast die Hälfte (169) wieder eingestellt werden.

In den meisten Fällen konnten den Angaben zufolge die Täter nicht ermittelt werden, oder die Ermittlungen hätten keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben. Lediglich 27 der Verfahren aus dem Jahr 2019 wurden bislang rechtskräftig abgeschlossen, in 49 angezeigten Fällen dauerten die Ermittlungen noch an. (mit epd)

Extremismus

AfD: Björn Höcke zitiert Nazi-Parole

Der AfD-Politiker Höcke ist wegen einer verbotenen Nazi-Parole bereits verurteilt worden. Jetzt prüft die Polizei einen neuen Vorfall. Doch Abgeordnete stehen unter besonderem Schutz

 06.02.2026

München

Jüdische Gemeinde erhält Drohbrief mit Patrone

Der Staatsschutz der bayerischen Polizei ermittelt

von Imanuel Marcus  06.02.2026

Berlin/Gießen

Nach Rede im Hitler-Stil: AfD will Mitglied rauswerfen

Mit seiner Rede, die an Adolf Hitler erinnerte, sorgte Alexander Eichwald beim AfD-Jugendkongress für Aufregung. Jetzt droht ihm der Parteiausschluss

 06.02.2026

Berlin

Julia Klöckner reist nach Israel

Die Bundestagspräsidentin will sich mit Regierungs- und Oppositionsvertretern austauschen, nach Yad Vashem und zum Nova-Festival-Memorial fahren

 06.02.2026

Kommentar

Strafanzeige als PR-Gag?

Laut und verwegen ist der Genozid-Vorwurf einer Schweizer Gruppierung gegen den Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis. Mit einer Rechtsdebatte hat es aber nichts zu tun

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

Bundesrat Ignazio Cassis muss sich in Den Haag verantworten.

Den Haag

Schweizer Bundesrat wegen Völkermord angezeigt

Eine Gruppe Schweizer Anwälte wirft Außenminister Ignazio Cassis Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vor

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

New York

Epstein-Dokumente befeuern antisemitische Verschwörungsmythen in sozialen Medien

Einer JTA-Recherche zufolge nutzen Rechtsextreme, aber auch Akteure aus anderen politischen Lagern, einzelne Passagen, um altbekannte Narrative über angebliche jüdische Machtstrukturen neu zu befeuern

 06.02.2026

Frankfurt am Main

Nach Antisemitismusvorwurf gegen RTL: Experte fordert Schulungen in Medien

Der Experte Samuel Stern fordert mehr Schulungen und Workshops gegen Antisemitismus in Medienhäusern und Fernsehsendern

 06.02.2026

London

Keir Starmer entschuldigt sich bei Epstein-Opfern

Der Premierminister: »Es tut mir leid, was Ihnen angetan wurde.«

 06.02.2026