Meinung

100 Tage Haft und kein Ende

Der Fall des ehemaligen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn hatte allerhand Spektakuläres zu bieten: Macht, Geld, Sex, ein armes Zimmermädchen – daraus werden irgendwann vielleicht einmal Drehbücher geschrieben werden. Doch ein Happy End ist trotz der zurückgezogenen Anklage wegen versuchter Vergewaltigung von Nafissatou Diallo Anfang Mai nicht in Sicht. Denn es gibt keinen Freispruch.

Der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance erklärte, dass Diallo während der Vernehmungen konstant die Unwahrheit gesagt habe. Außerdem sei ungeklärt, ob es nicht doch zu einvernehmlichen, also freiwilligen sexuellen Handlungen gekommen sei. Und als ob das nicht schon genug wäre: Das Zimmermädchen, das 2004 nach dem Tod ihres Mannes aus Guinea in die USA eingewandert war, lebe seither illegal in den USA.

glaubwürdigkeit Wenn ihr kaum noch jemand glaube, könne man das erst recht nicht von den Geschworenen verlangen, heißt es bei Vance. Ergo: Strauss-Kahn bekommt seinen Pass zurück, er kann als freier Mann wieder nach Frankreich zurückkehren, um sich dort mit seiner Familie von den vergangenen drei Monaten zu erholen, in denen die ganze Welt erfahren musste, welche sexuellen Vorlieben der Politiker hat, der sich für die Sozialistische Partei um das Präsidentschaftsamt beworben wollte.

Doch ganz so idyllisch wird es auch in Europa für ihn nicht werden. Denn dort wartet bereits das nächste Verfahren: Er soll versucht haben, die Journalistin Tristane Banon zu vergewaltigen. Das klingt nach Fortsetzung – aber nicht nach der seiner Karriere.

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Berlin

Bundesrat für Verbot von Handel mit Dokumenten von NS-Opfern

»Wir dulden es nicht länger, dass aus dem Leid der NS-Opfer Profit geschlagen wird«, sagt NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)

 12.06.2026

Ankara

Erdoğan vergleicht Netanjahu erneut mit Hitler

»Wer Hitlers Weg folgt, sollte nicht vergessen, dass sein Schicksal dem anderer Tyrannen in der Geschichte gleichen wird«, erklärt der türkische Präsident in Richtung des israelischen Regierungschefs

 12.06.2026

Debatte

Mario Voigt nutzte KI für Reden zum Holocaust-Gedenken

Ein Portal findet mit KI-Analyse-Werkzeugen Auffälligkeiten in Beiträgen von Thüringens Regierungschef. Wie viel KI darf in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag stecken?

 12.06.2026

Berlin

Anne-Frank-Tag: Bildungsstätte sieht Antisemitismus-Flut im Internet

»Wir erleben aktuell, dass sowohl rechtsextreme als auch islamistische und linke Gruppen antisemitisch agieren, antisemitische Narrative aber zugleich in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind«, sagt Deborah Schnabel

 12.06.2026

Brüssel

Kallas vergleicht Israel mit Apartheids-Südafrika

Die EU-Außenbeauftragte wird für ihre Aussage von anderen EU-Diplomaten und -Beamten scharf kritisiert

 12.06.2026

Künstliche Intelligenz

Preiskrieg zwischen Giganten

Sam Altmans OpenAI will den aggressiv wachsende Rivalen Anthropic der Geschwister Daniela und Dario Amodei auf Distanz halten

 12.06.2026