Meinung

100 Tage Haft und kein Ende

Der Fall des ehemaligen IWF‐Chefs Dominique Strauss‐Kahn hatte allerhand Spektakuläres zu bieten: Macht, Geld, Sex, ein armes Zimmermädchen – daraus werden irgendwann vielleicht einmal Drehbücher geschrieben werden. Doch ein Happy End ist trotz der zurückgezogenen Anklage wegen versuchter Vergewaltigung von Nafissatou Diallo Anfang Mai nicht in Sicht. Denn es gibt keinen Freispruch.

Der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance erklärte, dass Diallo während der Vernehmungen konstant die Unwahrheit gesagt habe. Außerdem sei ungeklärt, ob es nicht doch zu einvernehmlichen, also freiwilligen sexuellen Handlungen gekommen sei. Und als ob das nicht schon genug wäre: Das Zimmermädchen, das 2004 nach dem Tod ihres Mannes aus Guinea in die USA eingewandert war, lebe seither illegal in den USA.

glaubwürdigkeit Wenn ihr kaum noch jemand glaube, könne man das erst recht nicht von den Geschworenen verlangen, heißt es bei Vance. Ergo: Strauss‐Kahn bekommt seinen Pass zurück, er kann als freier Mann wieder nach Frankreich zurückkehren, um sich dort mit seiner Familie von den vergangenen drei Monaten zu erholen, in denen die ganze Welt erfahren musste, welche sexuellen Vorlieben der Politiker hat, der sich für die Sozialistische Partei um das Präsidentschaftsamt beworben wollte.

Doch ganz so idyllisch wird es auch in Europa für ihn nicht werden. Denn dort wartet bereits das nächste Verfahren: Er soll versucht haben, die Journalistin Tristane Banon zu vergewaltigen. Das klingt nach Fortsetzung – aber nicht nach der seiner Karriere.

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