Katharina Höftmann Ciobotaru

Schwestern im Geiste

Katharina Höftmann Ciobotaru lebt seit 2010 in Tel Aviv. Foto: picture alliance / Frank May

Katharina Höftmann Ciobotaru

Schwestern im Geiste

Tel Aviv und Berlin sind nun endlich Partnerstädte. Das war längst überfällig

von Katharina Höftmann Ciobotaru  05.05.2025 07:31 Uhr

Tel Aviv erinnerte mich immer schon an Berlin. Es ist genauso unfertig, aufregend, schön und hässlich zugleich. Als ich 2010 nach Tel Aviv zog, kamen zur selben Zeit Tausende Israelis nach Berlin, und ihr Tel Aviver Vibe passte in die deutsche Hauptstadt wie die Currywurst. Diese beiden Städte waren schon immer Schwestern im Geiste. Hätte man mich gefragt, hätte ich gedacht, Berlin und Tel Aviv sind längst Partnerstädte. Doch obwohl schon 2023, vor dem 7. Oktober, angekündigt, ist die Partnerschaft erst jetzt offiziell geworden.

Tel Aviv ist, anders als manche außerhalb von Israel denken, nicht die Hauptstadt Israels. Das ist Jerusalem. Tel Aviv ist das Antidot zu Jerusalem. Die Stadt ist überhaupt all das, was der Rest von Israel sich nicht zu sein traut. Ähnlich wie Berlin in Deutschland.

Die Verbindung zwischen beiden Städten haben die Menschen ohnehin schon immer gespürt.

Lange war Tel Aviv als Bubble verschrien, als Epizentrum des Hedonismus, in dem Leute die Augen vor den harten Realitäten um sich herum verschließen. Aber spätestens seit den Protesten gegen die Justizreform, die mit voller Wucht in Tel Aviv begannen und dann übers ganze Land schwappten, spätestens, seitdem halb Tel Aviv Samstag für Samstag gegen eine extremistische Regierung auf die Straße ging, war klar: Tel Aviv ist nicht nur Zentrum der Freiheit, der Kultur, des fantastischen Essens und der wilden Nächte – Tel Aviv ist das Gewissen Israels.

Die Stadt ist bis heute die bedeutendste Hochburg der israelischen Friedensbewegung. Wenn einer irgendwo im Land für Palästinenser auf die Straße geht, dann hier in Tel Aviv.

Das alles sind gute Gründe für Berlin, seine Verbindung zu Tel Aviv, die Menschen wie ich ohnehin schon immer gespürt haben, nun endlich auch offiziell zu machen. Und nein, dabei geht es nicht nur um Solidarität, die Israel gerade jetzt so dringend braucht, und ja, auch verdient. Tel Aviv ist einfach das Coolste, was Berlin passieren kann. Diese Städtepartnerschaft war längst überfällig!

Die Autorin ist Journalistin. 2011 erschien ihr Buch »Guten Morgen, Tel Aviv! Geschichten aus dem Holy Land«.

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Jerusalem

Israel-Libanon-Gespräche: Netanjahu kündigt Verbleib der Armee im Südlibanon an

»Die IDF wird weiterhin entschlossen handeln, um Bedrohungen für unsere Soldaten und Zivilisten abzuwehren«, sagt die israelische Regierung

 23.06.2026

Jerusalem

Netanjahu: Israel hat iranische Bombe verhindert

Israels Premier bezeichnete den Angriff auf den Iran als »größte Luftoperation« in der Geschichte des Landes

 22.06.2026

Bildung

Israel setzt auf Künstliche Intelligenz im Englischunterricht

Der Start des Programms fällt in eine Phase, in der die Schulen des jüdischen Staates mit erheblichen Problemen beim Sprachenunterricht kämpfen

 22.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  22.06.2026

Süd-Libanon

Israelische Armee entdeckt Hisbollah-Tunnel mit Raketenstellungen

IDF: Die Raketenschächte sind durch Luftangriffe nur sehr schwer oder gar nicht zerstörbar

 22.06.2026

Absichtserklärung

Trumps Frieden – Irans Sieg

Während der US-Präsident das Memorandum mit Teheran als Durchbruch feiert, warnen Experten in Israel vor Zugeständnissen bei der Atomfrage und im Libanon

von Sabine Brandes  21.06.2026

Jerusalem

Umfrage: 92 Prozent der Israelis sehen Iran als Kriegssieger

Nur wenige Israelis halten die Kriegsführung ihrer Regierung für erfolgreich. Die Mehrheit sieht eine geschwächte Sicherheit und unerreichte Ziele.

 21.06.2026

Jerusalem

Israel lehnt Einschränkungen im Kampf gegen Hisbollah ab

Verteidigungsminister Israel Katz kündigt an, dass die israelische Armee auch weiterhin »Maßnahmen zur Beseitigung von Bedrohungen« im Südlibanon ergreifen könne

 21.06.2026