Gastbeitrag

Kunsthaus Zürich muss Herkunft von NS-Raubkunst erforschen

Heute Morgen hat Raphael Gross seinen Abschlussbericht zur Bührle-Forschung vor unzähligen Medienvertretern präsentiert. Gross war im März 2023 von Stadt und Kanton Zürich und von der Zürcher Kunstgesellschaft mit einer unabhängigen Überprüfung der bisherigen Provenienzforschung zur Sammlung Emil Bührle beauftragt worden.

Gross und sein Forschungsteam kommen nun zum Schluss, dass die von der Bührle Stiftung vorgenommene Provenienzforschung zur Dauerleihgabe den vom Kunsthaus Zürich geforderten Standards nicht genüge. Daraus ergibt sich ein großer Bedarf an weiterer Provenienzforschung. Wir vom SIG sehen uns in unserer langjährigen Forderung nach Transparenz und Aufarbeitung der Sammlungsgeschichte Bührles, insbesondere der Klärung von Werken in jüdischem Vorbesitz, bestätigt.

Der Bericht benennt die Herkunft von Emil Bührles Vermögen, das zu einem Großteil aus Waffenverkäufen an NS-Deutschland stammte. Bührle hat darüber hinaus sowohl von Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern als auch von Zwangsarbeit in Schweizer Einrichtungen profitiert. Das ist wichtig, da die moralische Frage, wie heute mit dieser Sammlung vor allem in der Schweiz umzugehen ist, in den Fokus rückt.

Ohne die nationalsozialistische Verfolgung wäre die Sammlung Bührle so nie zustande gekommen, sagt Raphael Gross. Die Sammlung Bührle ist somit aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte sowohl Teil der Schweizer als auch der jüdischen Geschichte.

Aufgrund der Resultate der Untersuchung sollte, wie es die drei Empfehlungen formulieren, nun weitere Provenienzforschung unternommen werden. Nun sind die Empfehlungen aus Sicht des SIG rasch und vollumfänglich umzusetzen.

Erstens muss sich die Bührle Sammlung, wie es Gross in seinem Bericht vorschlägt, auf die Aufklärung von jüdischem Vorbesitz und NS-verfolgungsbedingten Entzug der Werke fokussieren. Zweitens empfiehlt der Bericht, das Kunsthaus Zürich solle ein Fachgremium einsetzen. Dazu muss ein Prüfschema für NS-verfolgungsbedingten Entzug entwickelt werden, das sowohl für die eigene Sammlung als auch für die Dauerleihgaben angewendet werden kann.

Drittens sollte sich das Kunsthaus Zürich nun, wie es Gross Bericht vorschlägt, um eine ernsthafte und vertiefte Auseinandersetzung mit dem Namen »Sammlung Emil Bührle« bemühen. Es stellt sich nun nicht nur für die Autoren des Berichts die grundsätzliche Frage, ob vor dem Hintergrund der jüngsten Resultate das Kunsthaus diese Erkenntnisse mit seiner moralisch-ethischen Haltung in Übereinstimmung bringen kann.

Wir sind überzeugt: Das Kunsthaus Zürich wird sich früher oder später mit dieser Frage auseinandersetzen müssen. Denn es zeigt sich einmal mehr, dass der Umgang der Schweiz mit der NS-Zeit und die Übernahme von Verantwortung noch immer hochaktuell sind.

Der Autor ist Generalsekretär des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebundes.

Irak

Humor als Waffe

Elizabeth Tsurkov berichtet über ihre 903 Tage als Geisel einer pro-iranischen Terrormiliz und was ihr beim Überleben half

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026

Auszeichnung

Vier Deutsche mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr werden vier Personen und eine Initiative geehrt

 13.01.2026

Nachruf

Zum »idealen arischen Baby« erklärt: Hessy Levinsons Taft gestorben

Der Fotograf sagte Tafts Familie damals, er habe bewusst das Foto eines jüdischen Kindes eingereicht, um die Rassenideologie der Nazis ad absurdum zu führen

von Imanuel Marcus  13.01.2026

Jackson

Brandanschlag auf Synagoge in Mississippi

Zwei Torarollen hat das Feuer vollständig zerstört. Der Verdächtige wurde vom FBI gefasst. Er bezeichnete das Gebäude während eines Verhörs als »Synagoge Satans«.

 12.01.2026 Aktualisiert

Fußball

Als Bayern gegen Prag verlor

Vor 125 Jahren traf der FC Bayern bei seinem ersten Auslandsspiel auf den legendären DFC Prag – und unterlag 0:8. Nach dessen Auflösung 1938 geriet der jüdische Verein fast in Vergessenheit, doch seit einigen Jahren wird er von Enthusiasten wiederbelebt

von Kilian Kirchgeßner  11.01.2026

Armenien

Offene Arme in Jerewan

Juden finden in einer der ältesten Städte der Welt Sicherheit und Gemeinschaft. Ein Ortsbesuch

von Stephan Pramme  11.01.2026

Sport

»Absoluter Holocaust«: Fußball-Kommentator sorgt für Eklat

Der Ex-Torwart Shay Given hat die Amtszeit des Trainers Wilfried Nancy bei Celtic Glasgow mit dem industriellen Massenmord der Nationalsozialisten verglichen

 11.01.2026

Belgien

Außerhalb des Völkerrechts

Die belgische Regierung verweigert einer Staatsangehörigen die konsularische Betreuung, weil sie in einer von Brüssel nicht anerkannten israelischen Siedlung lebt

 09.01.2026

Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

2025 hat sich die Zahl der jüdischen Auswanderer nach Israel fast verdoppelt. Experten machen dafür vor allem den wachsenden Antisemitismus verantwortlich

 08.01.2026