Meinung

Jüdische Schulen: Orte der Zugehörigkeit

Eduard Steinberg

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Jüdische Schulen: Orte der Zugehörigkeit

Der Wunsch nach jüdischer Bildung wächst, während die Strukturen zunehmend fragil werden

von Eduard Steinberg  24.08.2026 14:56 Uhr

Die Nachricht von der Schließung der Masorti-Grundschule in Berlin ist traurig. Zunächst verlieren wir einen Bildungsort. Vor allem aber verlieren wir einen Ort jüdischer Zugehörigkeit. Eine jüdische Schule ist ein Ort, an dem ein Kind nicht erklären muss, warum es Chanukka feiert, warum der Freitagabend anders aussieht oder warum jüdische Geschichte Teil der eigenen Familiengeschichte ist.

Als Lehrer erlebe ich, wie wichtig es für Kinder und Jugendliche ist, einen solchen Ort zu haben. Einen Ort, an dem Jüdischsein nicht nur akzeptiert, sondern selbstverständlich gelebt wird. Gerade angesichts eines immer deutlicheren Antisemitismus ist diese Erfahrung von Identität und Zusammengehörigkeit von unschätzbarem Wert.

Zu oft hängt das Überleben jüdischer Schulen davon ab, ob sich genügend Spender finden. Das kann auf Dauer nicht die Antwort sein.

Viele jüdische Eltern wünschen sich heute ganz bewusst eine jüdische Schule für ihre Kinder. Gleichzeitig sind die Schülerzahlen gerade in kleineren Gemeinden oft zu gering, um eine Einrichtung dauerhaft zu tragen. Familien ziehen nach Israel, in andere Länder oder in deutsche Großstädte. Was für die einzelne Familie die richtige Entscheidung sein kann, wird für eine Schule schnell zur existenziellen Frage.

So entsteht eine paradoxe Situation: Der Wunsch nach jüdischer Bildung wächst, während die Strukturen zunehmend fragil werden. Zu oft hängt das Überleben jüdischer Schulen davon ab, ob sich genügend Spender finden. Das kann auf Dauer nicht die Antwort sein. Jüdische Bildung ist kein Luxus, Schulen sind keine Nischenangebote.

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Sie sind ein Fundament dafür, dass jüdisches Leben in Deutschland Zukunft hat. Wir sollten deshalb über jüdische Schulen nicht erst dann sprechen, wenn ihre Schließung bevorsteht. Wir müssen früher fragen, welche Strukturen sie brauchen, um auch in zehn oder 20 Jahren bestehen zu können. Denn eine jüdische Schule ist ein Ort, an dem junge Menschen lernen: Ich bin nicht allein, sondern ein Teil dieser Gemeinschaft.

Der Autor ist Lehrer und Vorstandsmitglied des Verbands jüdischer Lehrkräfte und in Bildung und Erziehung Tätiger in Deutschland.

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