Dass im einstigen Volkswagenwerk Osnabrück bald Komponenten für Flugabwehrsysteme des israelischen Rüstungskonzerns Rafael produziert werden, ist vor allem logisch, sinnvoll und ja: normal.
Warum logisch? Deutschlands Geschäftsmodell ist nach Jahrzehnten kaputtgegangen. Es gibt keine günstige Energie mehr aus Russland, keinen militärischen Nulltarifschutz aus den USA, und chinesische Kunden finden deutsche Autos nicht mehr grandios, stattdessen flutet China unseren Markt mit den Erzeugnissen seiner Autoindustrie.
Damit ist es auch logisch, dass Volkswagen Produktionsstätten stilllegt und – sosehr sich sogenannte Friedensfreunde darüber aufregen – dort nun Rüstungsgüter hergestellt werden.
Ist es denn sinnvoll, ein solches Werk ausgerechnet an einen israelischen Konzern zu verkaufen? Und wie! Auch hier mag die Analyse bei den »Friedensfreunden« abweichen. Aber: Israel ist in einer globalen Auseinandersetzung auf unserer Seite.
Es sind Russland, China, Nordkorea und Iran, die auf der anderen Seite stehen und einander unterstützen. Iran hilft den Russen mit seiner Drohnentechnologie, Nordkorea mit Soldaten, und die Russen sagen den Iranern, wo und wie sie am besten amerikanische Soldaten töten können.
Putin und seine Propagandisten
Was Deutschland damit zu tun hat? Wladimir Putin und seine Propagandisten haben oft genug gesagt, für wie verkommen sie den Westen und damit auch jeden europäischen Staat halten, der sich der EU oder der NATO angeschlossen hat. Im russischen Staatsfernsehen werden bereits Angriffe auf Berlin gefordert.
Und damit sind wir beim neuen Normal. Gegen diese – George W. Bush lag begrifflich völlig richtig – Achse des Bösen hilft Entschlossenheit. Die kauft uns der Gegner (Feind wäre treffender) aber nur ab, wenn wir auch über die militärische Hardware verfügen, um etwa in einem Luftkrieg bestehen zu können. Der wäre wahrscheinlich das Mittel der Wahl in Moskau.
Dass Israel weiß, wie man eine starke Luftverteidigung baut, ist also ein Glücksfall für Deutschland. Wie auch die Kooperation, die bald in Osnabrück ans Werk geht.
Der Autor ist freier Journalist, hostet den Podcast »Ostausschuss« und schreibt für den »Focus« über Sicherheits- und Außenpolitik.