Gaza/Israel

Die Hamas gibt die Geiseln nicht frei – und die Welt schweigt

Nicole Dreyfus Foto: Claudia Reinert

Gaza/Israel

Die Hamas gibt die Geiseln nicht frei – und die Welt schweigt

Ein Kommentar von Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  06.11.2024 18:45 Uhr

Während sich gerade die Scheinwerfer dieser Welt auf die USA und Donald Trump richten, werden in den Tunneln unterhalb von Gaza noch immer Dutzende Geiseln von der palästinensischen Terrororganisation Hamas festgehalten. Düster sind nicht nur die Gänge in den Tunneln, sondern auch die jüngsten Einschätzungen des israelischen Geheimdienstes, wonach offenbar nur noch die Hälfte der noch vermissten 101 Geiseln am Leben sei.

Der Westen empört sich – zu Recht –, dass ein despotischer, frauenfeindlicher und gefährlicher Mensch, dessen Traum vom Diktator an diesem Mittwoch in Erfüllung ging, und der wirres Zeug redet, zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde. Auch mit guten Gründen wird wortreich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisiert, der gestern Abend seinen Verteidigungsminister Yoav Gallant feuerte und seinem rechtsnationalen Kabinett neues Terrain für riskante politische Spiele ebnete.

Israel Katz, ein Mann mit offensichtlich wenig militärischer Sachkenntnis, jedoch umso mehr dafür bekannt, schrille Töne von sich zu geben, ist bereits auf Gallants frei gewordenen Posten nachgerückt. Einmal mehr wird die politische Weltbühne, sei es in Israel oder in den USA von lauten und schrägen Vögeln dominiert – wahrlich ein Grund zur Sorge.

Trotzdem scheint offenbar niemand darüber besorgt zu sein, wenn Nachrichten bekannt werden wie zum Beispiel die, dass die Hamas abermals einen Vorschlag für einen kurzfristigen Waffenstillstand im Austausch für die Freilassung von israelischen Geiseln abgelehnt hat.

Warum empört sich hier niemand? Warum wird einmal mehr unüberhörbar laut darüber geschwiegen, was das Kalkül der Hamas ist, das jedes Interesse an einer Waffenruhe unterbindet?

Eines ist klar: Solange der ungelöste Geiseldeal Status Quo bleibt, lenkt er unweigerlich und kontinuierlich Aufmerksamkeit auf den Konflikt und mobilisiert weiterhin Terror-Sympathisanten für den Krieg. Selbst wenn internationale Akteure zu einer Lösung des Konflikts drängen.

Die Hamas spekuliert darauf und missbraucht einen Aufschub der Verhandlungen, um weiterhin den Druck auf Israel zu erhöhen, was, wie sich im Falle Gallants soeben gezeigt hat, auch zunehmend die politischen und sozialen Spannungen im Lande verstärkt. Auf den scheidenden Gallant, der sich als einer der wenigen israelischen Regierungsmitglieder neben militärischem Druck zugleich auch stark um einen diplomatischen Kurs bemühte, folgt ein weniger zu Diplomatie bereiter Israel Katz – und die Rechnung der Hamas scheint aufzugehen und könnte einfacher nicht sein: Frieden? Nein danke!

Selbst wenn Netanjahu aktuell in Europa kaum noch Freunde hat, ist er eben doch »einer von uns«, er wird von der Weltgemeinschaft mit eigenen Standards gemessen. Die Hamas nicht – und das kostet sie schamlos aus.

Hier müssten also die sonst so scharfen Kritiker gegen Netanjahu und seine Gefährten ansetzen, wenn es darum geht, die Hamas-Terroristen, aus demselben machistischen Holz geschnitzt wie ein Donald Trump-, zu verurteilen.

Zur Erinnerung: Das von vielen Seiten lang ersehnte Kriegsende kann nicht nur allein von Israel hergestellt werden. Die Hamas muss einlenken - und die Geiseln endlich freilassen.

Großbritannien

Frauen haben Besseres verdient

Die Journalistin Marina Gerner beklagt in ihrem Buch fehlende Innovationen im Bereich Frauengesundheit – und eckt nicht nur mit dem Titel an

von Amie Liebowitz  28.11.2025

Kultur

André Heller fühlte sich jahrzehntelang fremd

Der Wiener André Heller ist bekannt für Projekte wie »Flic Flac«, »Begnadete Körper« und poetische Feuerwerke. Auch als Sänger feierte er Erfolge, trotzdem konnte er sich selbst lange nicht leiden

von Barbara Just  28.11.2025

Niederlande

Demonstranten stören Vorlesung in Gedenken an Nazi-Gegner

An der Universität Leiden erzwangen antiisraelische Studenten die Verlegung einer Gedächtnisvorlesung zum Andenken an einen Professor, der während der Nazi-Zeit gegen die Judenverfolgung protestiert hatte

von Michael Thaidigsmann  28.11.2025

Großbritannien

Verdächtiger nach Anschlag auf Synagoge in Manchester festgenommen

Der Angriff auf die Synagoge am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur sorgte international für Bestürzung. Jetzt wurde ein weiterer Tatverdächtiger festgenommen

von Burkhard Jürgens  27.11.2025

Bereit fürs ICZ-Präsidium: Noëmi van Gelder, Arthur Braunschweig und Edi Rosenstein (v.l.n.r.)

Interview

»Meinungsvielfalt gilt es auszuhalten« 

Am 8. Dezember wählt die Gemeindeversammlung der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich ein neues Präsidium. Ein Gespräch mit den Kandidaten über Herausforderungen an die Gemeinde, Grabenkämpfe und Visionen

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Schweiz

Antisemitismus auch in der queeren Szene benennen

Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich teils unsicher, wenn in der queeren Szene über Israel gesprochen wird. Der Verein Keschet will das ändern

von Nicole Dreyfus  27.11.2025

Das Ausmalbuch "From the river to the sea" in einer Buchhandlung in Zürich.

Meinung

Mit Kufiya und Waffen

Ein Kinderbuch mit Folgen

von Zsolt Balkanyi-Guery  27.11.2025

USA

Personifizierter Hass

Menschen wie Nick Fuentes waren lange ein Nischenphänomen. Nun drängen sie in den Mainstream - und sind gefährlicher denn je

von Sophie Albers Ben Chamo  26.11.2025

Meinung

Die polnische Krankheit

Der Streit um einen Tweet der israelischen Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem zeigt, dass Polen noch immer unfähig ist, sich ehrlich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen

von Jan Grabowski  26.11.2025