Meinung

Antisemitismus an Kunsthochschulen: Eine Kultur des Wegschauens

Klemens Elias Braun studiert an der Universität der Künste Berlin

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Antisemitismus an Kunsthochschulen: Eine Kultur des Wegschauens

Die Serie antisemitischer Vorfälle an Ausbildungsstätten für angehende Künstler reißt nicht ab. Warum sind die Hochschulen offenkundig außerstande, das Problem in den Griff zu kriegen?

von Klemens Elias Braun  10.02.2025 13:52 Uhr

Was verbindet Berlin, Halle, Hamburg, Kassel, Karlsruhe, Leipzig, München, Nürnberg, Wien und Zürich? Sie alle haben Kunsthochschulen, die in den vergangenen Monaten wahlweise durch antisemitische Proteste, BDS-unterstützende Professoren oder Hamas-glorifizierende Studenten aufgefallen sind.

Der jüngste Skandal in dieser Reihe ereignete sich an der Kunsthochschule Kassel. Dort hat eine Studentin in einer internen Prüfung Werke eines jordanischen Künstlers gezeigt, der in den sozialen Medien mehrfach terrorverherrlichende Posts abgesetzt hat. Die Arbeit glorifiziere und ästhetisiere islamistische und antisemitische Gewalt, kritisierte der Verband Jüdischer Studierender Hessen. Das Wissenschaftsministerium des Bundeslandes hat inzwischen eine rechtliche und inhaltliche Aufarbeitung angekündigt.

Dass Fälle dieser Art überhaupt öffentlich werden, ist die Ausnahme. Angst vor negativen Reaktionen, sollte man entsprechende Handlungen publik machen, häufig ausbleibende Konsequenzen für die Täter sowie mangelndes Vertrauen in die Unterstützung durch Institutionsleitungen befördern eine Kultur des Schweigens. Erschwerend kommt in der Kunstwelt und ihren Hochschulen hinzu, dass sich in dem kleinen Kosmos jeder kennt. Für jüdische, israelische und antisemitismuskritische Studenten ist das besonders belastend.

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Exemplarisch für den falschen Umgang von Kunsthochschulen mit Antisemitismus ist die Absolventenausstellung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (AdBK). Eine Absolventin hatte mehrfach Posts geteilt und gelikt, die die Hamas glorifizieren und ihren vermeintlichen Sieg feiern. Betreut wurde die Studentin von einer Professorin, die sich in den vergangenen Jahren ambivalent über die gegen Israel gerichtete Boykott-Kampagne BDS geäußert sowie einen Social-Media-Beitrag mit »Gefällt mir« markiert hatte, der den 7. Oktober 2023 als Ausbruch bewaffneter Palästinenser interpretiert.

Auf Instagram problematisierten einige Nutzer die Absolventenausstellung der Akademie. Es spricht für sich, dass die AdBK auf die Frage eines Users, ob hier nicht ein Antisemitismus-Problem vorläge, antwortete: »Nein, ganz sicher nicht!«. Eine weitergehende Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gab es nicht, stattdessen wurden kritische Kommentare gelöscht.

Die Hilflosigkeit im Kulturbetrieb ist angesichts des massiven Drucks durch die BDS-Kampagne groß.


Kulturinstitutionen betonen zwar gerne, sie seien gegen Antisemitismus, wenn es aber darauf ankommt, können oder wollen sie ihn entweder nicht erkennen, oder haben die Hoffnung, dass sich dieser schon irgendwie unter den Teppich kehren lasse. Zu groß ist insbesondere im Kulturbetrieb mittlerweile die Hilflosigkeit angesichts des massiven Drucks durch die immer aggressiver auftretende BDS-Kampagne, die von der Strike-Germany-Bewegung und vorgeblich »pro-palästinensischen« Gruppen flankiert wird.

Dabei hätte man sich spätestens nach den Skandalen der »documenta15« in den Universitäten und Museen gründlich mit israelbezogenem und postkolonialem Antisemitismus auseinandersetzen müssen. Statt Strukturen und Curricula zu überprüfen, ist die Toleranz für BDS-Anhänger sowie für Künstler und Hochschulangehörige, die das Existenzrecht Israels ablehnen, gewachsen. Es sei angeblich alles zu kompliziert, zu unklar und sowieso von der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit gedeckt, hört man oft.

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Fordert die Politik, wie jüngst der Bundestag mit seinem Entschließungsantrag gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit an Schulen und Hochschulen, ein konsequentes Vorgehen bei entsprechenden Vorfällen, ist schnell die Rede von »Zensur« und »Repressionen«. Das sind jedoch nur vorgeschobene Argumente, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Was muss denn eigentlich noch passieren, bis man handelt?

Es ist kein Ausweis von »Engstirnigkeit« oder »Provinzialität«, wenn die kritische Öffentlichkeit weiter in trauriger Regelmäßigkeit über die Ausfälle der kulturellen und akademischen Eliten berichtet. Im Gegenteil, die eigentliche Schande ist das fehlende Verständnis für den in Teilen des akademischen und künstlerischen Diskurses verankerten Antisemitismus.

Der Autor studiert an der Universität der Künste in Berlin und ist Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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