TV-Tipp

Zurück nach Berlin?

Foto: imago/Priller&Maug

TV-Tipp

Zurück nach Berlin?

Eine neue Reportage auf Arte über Londons Juden nach dem Brexit

von Christof Bock  07.12.2021 16:16 Uhr

Eva Evans kämpft mit den Tränen. Sie hasse das deutsche Wort »Ge-burts-ur-kunde«, sagt die 97-jährige Londonerin. In der Nazi-Zeit hat sie als junge Frau mit knapper Not Berlin verlassen und dann in Großbritannien eine sichere Heimat gefunden. 80.000 Juden flohen während des Dritten Reiches an die Themse.

Nun sortiert unter Evas erzürnten Blicken ihre Tochter Janet Lew Einbürgerungspapiere mit deutschem Bundesadler. Janet will London verlassen. Wie vielen anderen Juden ist ihr England nach dem Brexit fremder geworden. Und so wie viele andere Juden ist sie nun neugierig auf Deutschland. Das Land, aus dem ihre Familie einst hatte fliehen müssen. Die Reportage

»Re: Auswandern nach Deutschland? Londons jüdische Gemeinde und der Brexit« am Dienstag um 19.40 Uhr auf Arte beleuchtet das Thema und zeigt, dass durch viele Familien dieser Tage ein tiefer Riss geht.

Die Macher der Doku begleiten auch Pippa Goldschmidt. »Das ist aber schön, dich zu sehen«, sagt die Schriftstellerin zur Sprachsoftware.

Ihre Hand unterstreicht den Satz mit einer Geste wie ein vortragender Dichter. Hier lernt jemand mit Leidenschaft die deutsche Sprache. Ihr britischer Akzent ist der Ex-Londonerin bei der Übung kaum anzuhören.

Pippa ist die Enkelin eines geflüchteten deutschen Juden. Obwohl ihr Großvater Ernst Goldschmidt im Ersten Weltkrieg für Deutschland in den Schützengräben der Westfront kämpfte, musste er Jahre später in seiner Heimat um sein Leben fürchten. Zuflucht vor den Nazis fand er in Großbritannien. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er gegen Deutschland.

»Als er nach England flüchtete, musste er die Sprache lernen«, erläutert die Enkelin. Er habe sich integrieren müssen, die deutschen Flüchtlinge hätten sich damals in der Öffentlichkeit unauffällig verhalten müssen. So wie Opa Ernst will nun auch Pippa eine Sprache schnell lernen, von der sie nur Grundkenntnisse hatte. Nur umgekehrt.

Pippa hat ihre Heimat Anfang 2020 verlassen, um sich in Deutschland auf die Spuren ihres Großvaters zu begeben. Sie hat ein neues Leben in Frankfurt/Main begonnen und schreibt ein Buch über ihre Familie.

Obwohl in London geboen, fühlt sich Janet in der deutschen Kultur heimisch. Ihre Mutter hat ihr als Kind Deutsch beigebracht. »Ich identifiziere mich überhaupt nicht mit britischen Juden. Ich habe mich nicht nie englisch gefühlt. In der Synagoge fühle ich mich anders als die anderen britischen Juden. Ich hab eine völlig andere Geschichte. Wir sind als Außenseiter aufgewachsen.« Janet hat vor zwei Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt. Auch Tochter Annie will raus aus dem Land. Sie fühlt sich eindeutig als Britin - sieht aber ganz pragmatisch nach dem Brexit die Vorteile eines EU-Passes. Eine sehenswerte Arte-Reportage zu einem spannenden Thema.

»Auswandern nach Deutschland? Londons jüdische Gemeinde und der Brexit« läuft am Dienstag um 19.40 Uhr auf Arte.

Zahl der Woche

15.000.000 Dollar

Fun Facts und Wissenswertes

 20.01.2026

Köln/Murwillumbah

Der neue Dschungel-Cast: Genialer Coup oder totaler Flop?

Gil Ofarim und Co.: Das neue Dschungelcamp-Ensemble sorgt für geteilte Meinungen. Während die einen den Cast lieben, gibt es auch auffällig viele Debatten darüber. Lohnt sich das Einschalten diesmal?

von Jonas-Erik Schmidt  20.01.2026 Aktualisiert

Essen

»Holo-Voices«: Zeitzeugen des Holocausts sollen für immer sprechen

Auf der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen startet ein Medienprojekt, das Zeugen des Holocausts mit Besuchern in einen Dialog bringt. »Holo-Voices« soll Zeitzeugen »eine Stimme für die Ewigkeit« geben

 20.01.2026

Vorwürfe

Kritik an Gil Ofarim: Jetzt äußert sich sein Bruder

Erstmals meldet sich nun Tal Ofarim zu Wort

 20.01.2026 Aktualisiert

Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht« über ihre Sorgen um die Demokratie und den Aufstieg rechter Parteien. Zu sehen sind Ausschnitte der Interviews auch im Nachtprogramm der ARD

 19.01.2026

Smartphones

Leben statt Bildschirm

Nach seinem Burnout will der Autor Jacob Weizman über die Gefahren übermäßiger Handy-Nutzung aufklären

von Leon Stork  19.01.2026

Europäische Mini-Tour

Paul Simon gibt zwei Konzerte in Berlin

Der 84-jährige Künstler tritt auch in Prag, Paris und anderen Städten auf. Tickets werden bereits angeboten – zu dreistelligen Preisen

 19.01.2026

Potsdam

Zentrum für Jüdischen Film geplant

Diese Einrichtung werde an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf aufgebaut, sagt Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD)

von Yvonne Jennerjahn  19.01.2026

Frankreich

Undercover bei Israelfeinden

Für ihr Buch »Die neuen Antisemiten« recherchierte die französische Journalistin Nora Bussigny nach dem 7. Oktober in Aktivistengruppen und bei Demonstrationen

 19.01.2026