Berlin

Zentrum für Politische Schönheit entschuldigt sich

»Gedenkstätte« des Künstlerkollektivs »Zentrum für Politische Schönheit« vor dem Reichstag in Berlin Foto: dpa

Nach breiter Kritik unter anderem von jüdischen Verbänden an seiner jüngsten Aktion hat das Künstlerkollektiv »Zentrum für Politische Schönheit« (ZPS) eine Kehrtwende vollzogen. Am Mittwochnachmittag veröffentlichte die Gruppe im Internet eine Entschuldigung an Holocaust-Überlebende und Angehörige von NS-Opfern. Die Internetseite für die Aktion unter dem Titel »Sucht nach uns!« wurde abgeschaltet.

Das ZPS hatte seit Anfang der Woche zwischen Bundestag und Kanzleramt in Berlin eine Stahlsäule zum Gedenken an NS-Opfer installiert, das die Künstler nun verhüllten. In der Säule befinden sich nach ZPS-Angaben angeblich auch Asche und Knochenreste von Holocaust-Opfern. Damit wollte die Künstlergruppe vor einer Zusammenarbeit von CDU/CSU mit der AfD auf Bundes- und Landesebene warnen. Die Aufstellung der Gedenksäule war den Angaben zufolge vom Grünflächenamt Berlin-Mitte bis Samstag genehmigt worden.

HALLE Wie ZPS-Sprecher Philipp Ruch sagte, gab es weitere vergleichbare Projekte in mehreren Städten, darunter Halle, Arnstadt und Cottbus. Auch diese wurden laut ZPS umgestaltet und die Stelen ersetzt.

Die Kunstaktion war auf breite Kritik gestoßen. Unter anderem hatte der Zentralrat der Juden eine mögliche Störung der Totenruhe kritisiert. Auch der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte von den Künstlern die Beachtung jüdischer Religionsgesetze gefordert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Wir verneigen uns vor Millionen Menschen, den Opfern des Holocaust und ihren Nachkommen«, heißt es in der am Mittwochnachmittag veröffentlichen Erklärung des ZPS. Die Künstlergruppe räumte Fehler ein. Zwar sei ihnen bewusst gewesen, dass sie mit ihrer Aktion die Gefühle von vielen Menschen aufwühlen würden. »Dennoch lag uns nichts ferner, als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen. Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben«, betonten die Aktivisten.

Weiter entschuldigte sich das ZPS auch bei jüdischen Institutionen, Verbänden und Einzelpersonen, »deren Gefühle wir verletzt haben, weil durch unsere Arbeit die Totenruhe nach jüdischem Religionsrecht gestört oder angetastet worden sein könnte«.

Die Gruppe kündigte an, dass das Kernstück der Säule - ein orangesfarbenes Glasmodul in dessen Innerem sich offenbar von Kunstharz umschlossene Asche und Knochen befinden sollen - verhüllt werden soll. Eine für Samstagnachmittag geplante Aktion, bei der für die temporäre Gedenksäule ein dauerhafter Betonsockel gegossen werden sollte, wurde abgesagt. »Das weitere Vorgehen wird beraten«, sagte eine ZPS-Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Es wäre gut, wenn das ZPS beim Abbau der Installation einen Rabbiner hinzuzöge, um wenigstens dann für die Beachtung der jüdischen Religionsgesetze zu sorgen«, hatte zuvor der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Klein am Mittwoch im RBB betont. Falls tatsächlich Asche jüdischer NS-Opfer verwendet worden sei, hätten die Aktionskünstler nicht zu Ende gedacht, so Klein.

»Es ist erschütternd, dass heutzutage Künstler meinen, zu solch drastischen Mitteln greifen zu müssen, um auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Durch das bewusste oder unbewusste Verletzen religiöser Gesetze von Minderheiten tragen sie zur Verrohung der Gesellschaft bei, vor der sie ja eigentlich warnen wollen«, so Klein.  epd

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

50 Jahre »Columbo«

»Ich hätte da noch eine Frage ...«

Peter Falk spielte sich mit der Rolle des begriffsstutzigen Inspektors weltweit in die Herzen der Fernsehzuschauer

von Gregor Tholl  19.09.2021

NS-Geschichte

»Du bist Jüdin«

Am 19. September 1941 wurde es für deutsche Juden Pflicht, den gelben Stern zu tragen

von Nina Schmedding  19.09.2021

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  17.09.2021

Raubkunst

Erbenanwälte greifen Düsseldorfer Oberbürgermeister an

Viereinhalb Monate nach Rückgabe-Beschluss hat Stadt Franz Marcs Gemälde »Die Füchse« noch nicht restituiert

 17.09.2021

Antisemitismus

»Ich hasse Israel nicht«

In einem Interview hat sich die wegen ihrer Teilnahme am Al-Quds-Marsch 2014 scharf kritisierte Journalistin Nemi El-Hassan erklärt

 16.09.2021

Wettbewerb

Schülerpreis fördert Auseinandersetzung mit jüdischem Leben

Felix Klein: Strategien zum Kampf gegen den Judenhass müssen an Schulen ansetzen

 15.09.2021

Frankfurt/Main

(K)ein sicherer Raum

Beim Jewish Women Empowerment Summit wurde über Intersektionalität diskutiert

von Eugen El  15.09.2021

Sehen!

»Das Kino wird Corona besiegen«

Am 4. September ist das Jerusalem Film Festival zu Ende gegangen – als bester Film wurde der finnische Beitrag »Compartment No. 6« ausgezeichnet

von Tal Leder  15.09.2021

Ruth Orkin

Mit dem Blick einer Frau

Eine Ausstellung in Berlin würdigt das faszinierende Werk der amerikanischen Foto-Pionierin, die Israel und Europa bereiste

von Ralf Balke  15.09.2021