Berlin

Wissen macht’s

Das Weizmann-Institut für Wissenschaften ist am Mittwochnachmittag in Berlin zu Gast bei der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung (DIW) gewesen. Rund 80 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien nahmen an dem Treffen in der Zentrale des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft teil. Ziel des Empfangs war es, die Beziehungen zwischen dem israelischen Institut und deutschen Forschungseinrichtungen zu vertiefen. Darüber hinaus wurde über weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit forschenden Unternehmen gesprochen.

Rekord Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, betonte in seiner Eröffnungsrede die historische Wichtigkeit der deutsch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen. »Die Zusammenarbeit in diesem Bereich hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Bundesrepublik und Israel sich nach der Schoa wieder angenähert haben.« Seitdem sei der Austausch zwischen beiden Staaten ebenso intensiv wie erfolgreich ausgebaut worden. »2011 war ein Rekordjahr«, sagte Hadas-Handelsman. »Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Israel betrug 6,5 Milliarden US-Dollar. Das sind 1,1 Milliarden mehr als im Vorjahr.«

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, hob die zahlreichen wissenschaftlichen Kooperationen beider Länder hervor. Der 1964 geschlossene »Minerva-Vertrag« sei bis heute gültig und trage nach wie vor Früchte. »Über 80 wissenschaftliche Projekte werden pro Jahr am Weizmann-Institut von der Max-Planck-Gesellschaft gefördert.« Ein solch dichtes Netz der Zusammenarbeit sei ein Beleg für die inzwischen guten Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Know-how Die Präsidentin der DIW, Hildegard Müller, machte sich dafür stark, dass die Kooperationen zwischen Israel und Deutschland auf allen Ebenen weiter ausgebaut werden. Dies sei eine typische Win-win-Situation: »Deutschland kann von der Nanotechnologie über die Medizintechnik bis hin zu biotechnischen Innovationen vom Know-how Israels profitieren.« Umgekehrt profitiere auch der jüdische Staat, jährlich gebe es über 6.000 Kontakte zwischen Firmen aus beiden Ländern.

Müller lobte zudem den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Israel. »Kein Land auf der Welt gibt proportional gesehen mehr Geld für Bildung aus.« Dies sei einer der Gründe dafür, dass der jüdische Staat so innovativ sei und mache den Standort für deutsche Unternehmen wie SAP oder Siemens sehr attraktiv. »Hinter den USA und China ist die Bundesrepublik der drittwichtigste Handelspartner Israels«, betonte Müller.

Um den Wissenschaftsstandort Israel ging es auch in der Rede von Daniel Zajfman, Präsident des Weizmann-Instituts. Ihm komme es darauf an, Rahmenbedingungen zu schaffen, durch die Wissenschaftler die Möglichkeit erhalten, das Beste aus sich herauszuholen, sagte er. Dies zahle sich unterm Strich auch finanziell aus. »Denn genauso wenig wie man einem Künstler befehlen kann, ein neues großartiges Bild zu malen, kann man einem Forscher befehlen, eine bahnbrechende Erfindung zu machen.«

Unterschiede »Es ist ein großer Gewinn für beide Seiten, wenn Forscher aus beiden Ländern zusammenkommen und gemeinsam an einem Projekt arbeiten«, sagte Zajfman. Sicherlich komme es angesichts der kulturellen Unterschiede gelegentlich auch zu Konflikten, »letztlich tragen die unterschiedlichen Eigenschaften aber zum Erfolg von Forschungsprojekten bei«.

»Worin diese Unterschiede zwischen Deutschen und Israelis bestehen?«, fragte er das Plenum rhetorisch – und gab ebenso verschmitzt wie ausgelassen die Antwort selbst: »Der Unterschied ist folgender: So wie die Israelis Auto fahren, forschen sie auch. Dasselbe gilt für die Deutschen.«

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Zahl der Woche

810.000 wahlberechtigte Israelis

Fun Facts und Wissenswertes

 28.10.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Oktober bis zum 4. November

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Philologie

Mehr als Dolmetscher

Jüdische Übersetzer haben nicht nur zwischen den Sprachen vermittelt, sondern dabei auch eigene Denkformen geprägt

von Katharina Hillmann  27.10.2026

Bucerius Kunst Forum

Verstreute Meisterwerke

Eine Ausstellung in Hamburg vereint rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus 15 jüdischen Sammlungen und erinnert an den Kunstraub der Nationalsozialisten

von Edgar S. Hasse  27.10.2026

Kino

Wiener Blut

Ulrike Ottinger lädt in der Horrorkomödie »Die Blutgräfin« zum morbiden Vampirvergnügen und schwelgt in opulenten Bildern. Isabelle Huppert geht perfekt gestylt auf Beutezug

von Anna Maria Pahlke und Sophie Albers Ben Chamo  27.10.2026

Jerusalem

Cohen interpretiert Cohen

Der israelische Jazz-Musiker Avishai Cohen hat sich für sein neues Album ein Buch des legendären Singer-Songwriters Leonard Cohen vorgenommen

von Imanuel Marcus  27.10.2026

Nachruf

»Star Trek«-Star Walter Koenig ist tot

Seine Rolle als Pavel Chekov hatte eine humoristische Funktion. Der Charakter sollte jüngere Zuschauer ansprechen

 27.10.2026