Wuligers Woche

Windräder gegen Judenhass

Ist CO2 jetzt gut für die Juden oder nicht? Foto: Getty Images / istock

Wuligers Woche

Windräder gegen Judenhass

Woher kommt der Antisemitismus? Vom Kohlendioxid!

von Michael Wuliger  01.08.2019 08:07 Uhr

Ich habe nichts gegen Antisemitismusbeauftragte. Einige meiner besten (Facebook-)Freunde sind Antisemitismusbeauftragte. Zwei kenne ich sogar persönlich. Dr. Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, zählt leider nicht dazu. Mit umso größerem Interesse habe ich deshalb seinen ersten Tätigkeitsbericht vom Juli dieses Jahres gelesen.

Das 62 Seiten starke Dokument enthält einen »Überblick über den Sachstand und Empfehlungen zur Bekämpfung des Antisemitismus«. Bekämpft werden soll der Judenhass nicht nur mit den üblichen bewährten Mitteln wie »Hinschauen«, »Erinnern«, »Begegnen«, »Bilden« und natürlich »Brücken bauen«.

Solarzellen Auch Windräder und Solarzellen sind offenbar zum Einsatz vorgesehen. »Wenn wir den Antisemitismus global und glaubwürdig bekämpfen (...) wollen, dann muss dies auch stärkere Anstrengungen für die Wende zu erneuerbaren Energien und die Dekarbonisierung bedeuten«, schreibt Blume in einem »Schlussplädoyer für vernetztes Denken«. Denn: »Die Verfeuerung fossiler Rohstoffe vergiftet nicht nur Umwelt und Klima, sondern verformt auch Gesellschaften, Staaten und religiöse Lehren ins Autoritäre.«

Der kausale Zusammenhang zwischen Kohlendioxid und Judenhass war mir bisher noch nicht bewusst.

Jetzt bin ich verwirrt. Der kausale Zusammenhang zwischen Kohlendioxid und Judenhass war mir bisher noch nicht bewusst. Aber ich bin kein Physiker. Dr. Blume auch nicht. Der ist promovierter Religionswissenschaftler. Möglicherweise greift hier das Kachelmannsche Gesetz, wonach, je geringer die naturwissenschaftlichen Grundkenntnisse sind, desto entschiedener die klimapolitische Meinung ausfällt. Vielleicht versteht sich der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte auch als Schüler des großen Naturforschers Alexander von Humboldt, dessen Diktum lautete, dass alles mit allem zusammenhängt.

Google-Recherche Immerhin, originell ist der Konnex zwischen CO2 und Juden. Äh, nein, nicht mal das. Eine kurze Google-Recherche ergibt, dass ihn vor Michael Blume schon ein anderer hergestellt hat, wenn auch aus der entgegengesetzten Warte. William Tapper heißt der Mann, ist klimapolitischer Berater von Donald Trump und fiel vor ein paar Monaten unangenehm auf, als er in einem Interview erklärte: »Die Dämonisierung von Kohlendioxid ist wie die Dämonisierung der armen Juden unter Hitler.«

Wo doch, so der Physikprofessor an der renommierten Princeton University und bekennende Fan von Kohle und Erdöl, »Kohlendioxid, wie die Judenheit, für die Welt von Vorteil ist«.

Ist CO2 jetzt gut für die Juden oder nicht? Der eine sagt so, der andere so. Beide, Blume wie Tapper, meinen es dabei bestimmt gut mit uns. Einen Gefallen haben sie uns aber nicht getan. Das Volk Israel wird traditionell schon mit allen möglichen Widrigkeiten in Verbindung gebracht, ob Kriege, steigende Mieten oder Börsencrashs. Und jetzt also auch noch Kohlendioxid. Irgend­etwas bleibt immer hängen. Nicht lange, und die ersten Autofahrer werden wissen, warum es Dieselfahrverbote in den Innenstädten gibt: »Das ist wegen den Juden!«

London

Gal Gadot spielt Hauptrolle in rasantem Thriller »The Runner«

Gadot spielt die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Maia Marten, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Sohn entführt wird

 23.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Chicago

Heavy-Metal-Auftritt: William Shatner geht mit 95 auf die Bühne

Mit seiner Gruppe The *uckers hat der jüdische Schauspieler und Musiker auch sein erstes Album aufgenommen. Der Titel: »What the F Is Heavy Metal«

 23.07.2026

Kulturkolumne

Kampf um eine schwarze Puppe

Erinnerungen an einen gar nicht idyllischen Sommerurlaub in Österreich in den 60er-Jahren

von Maria Ossowski  23.07.2026

Literatur

Zoff im PEN-Club

Wie erwünscht sind jüdische Schriftsteller heute noch in den USA?

von Hannes Stein  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Europatournee

Bob Dylan kommt im Herbst nach Deutschland

Der jüdische Sänger und Songschreiber wird sieben deutsche Bühnen in Beschlag nehmen. Heute beginnt der Vorverkauf

 22.07.2026

Paris

Berührend: Was seine Tochter dem »Asterix«-Schöpfer schreibt

Millionen kennen René Goscinny wegen »Asterix«. In »Das Klimpern der Schlüssel« schreibt ihm seine Tochter Anne als Erwachsene einen Brief. Daraus entstand ein berührendes Buch, nun auch auf Deutsch

von Sabine Glaubitz  21.07.2026