Fernsehen

WDR stoppt vorerst Moderation durch Nemi El-Hassan

Nemi El-Hassan 2016 in Berlin bei einer Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung. Foto: picture alliance / dpa

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) setzt den geplanten Start der Moderation von Nemi El-Hassan bei der Wissenschaftssendung »Quarks« vorerst aus. Das teilte der öffentlich-rechtliche Sender am Dienstag in Köln mit. Eigentlich hätte die 28-Jährige im November starten sollen.

PRÜFUNG Hintergrund ist das Bekanntwerden ihrer Teilnahme an der judenfeindlichen Al-Quds-Demo in Berlin 2014. Vom WDR hieß es am Dienstag: »Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer. Es wiegt aber auch schwer, einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren. Deshalb ist eine sorgfältige Prüfung geboten.«

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Die »Bild«-Zeitung hatte im Kontext der neuen Aufgabe El-Hassans für den öffentlich-rechtlichen Sender von der antisemitischen Demo-Teilnahme in Berlin berichtet. Daraufhin hatte sich El-Hassan von der Israel-Hass-Demo distanziert und der Deutschen Presse-Agentur in einem Statement mitgeteilt: »An den Al-Quds-Demos vor sieben Jahren in Berlin teilzunehmen, war ein Fehler.«

Bei den alljährlichen Al-Quds-Demonstrationen in Berlin waren in der Vergangenheit immer wieder antisemitische Parolen gerufen und Symbole der pro-iranischen libanesischen Hisbollah-Terrorbewegung gezeigt worden. Gegen die Hisbollah hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ein Betätigungsverbot erlassen.

Am Al-Quds-Tag, der am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan liegt, ruft der Iran jedes Jahr zur »Eroberung Jerusalems« und zur Auslöschung des jüdischen Staates auf. 2014 fand der Marsch im Juli statt, kurz nach Beginn des Gaza-Krieges.

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In dem Statement der Journalistin und Ärztin hieß es weiter zu ihrer damaligen Teilnahme: »Keinesfalls habe ich während der Demo antisemitische Parolen von mir gegeben, noch Menschen jüdischen Glaubens körperlich angegriffen.« Während Ausschreitungen bei dem judenfeindlichen Marsch, bei dem es Berichten zufolge auch regelmäßig zu antisemitischen Sprechchören wie »Israel ins Gas« kam, sei sie nicht zugegen gewesen, so El-Hassan.

ZENTRALRAT Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, teilte am Dienstag in einem Statement mit: »Die Wogen im Fall der Journalistin Nemi El-Hassan schlagen hoch und fördern leider auch Islamfeindlichkeit zutage.«

Daher sei es jetzt wichtig, sich objektiv mit der Frage zu befassen, ob sie trotz ihrer Teilnahme an dem Marsch als WDR-Moderatorin geeignet wäre. »Der öffentlich-rechtliche Sender trägt eine hohe Verantwortung, niemanden auf dem Bildschirm zu präsentieren, der Israel-Hass und Antisemitismus verbreiten könnte.« Dies müsse auch bei El-Hassan gesichert sein. Momentan habe man erhebliche Bedenken, so Schuster. dpa/ja

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