Berlin

Was ist Zivilcourage?

Otto Otto Schily und Michael Wolffsohn (r.) Foto: Rolf Walter

Zivilcourage ist letzten Endes der Aufruf zum Bürgerkrieg» – diese wohl überspitzte, aber dennoch interessante These stellt der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn in seinem neuen Buch Zivilcourage. Wie der Staat seine Bürger im Stich lässt auf.

Am Dienstagabend hat Wolffsohn die Thesen seines provokativen wie brisanten neuen Buches gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesinnenminister Otto Schily diskutiert.

Gewaltmonopol Der Begriff Zivilcourage werde laut Wolffsohn inflationär benutzt und habe wenig mit dem eigentlichen Sinn des Wortes zu tun. Vielmehr setzte der Staat darauf, dass Bürger für ihn in die Bresche springen, wenn er seine grundlegenden Schutzfunktionen nicht mehr erfüllen kann – in der Konsequenz bröckelt das Gewaltmonopol des Staates. Ein empörender Zustand, gegen den die Bürger aufbegehren müssten, findet Wolffsohn.

Otto Schily bezeichnete den Autor als einen «sehr intelligenten Mann, der schnell ins Galoppieren gerät und dabei in Sackgassen endet». Er kritisierte Wolffsohns Thesen als zu einseitig und argumentierte, dass man sich eher mit den Veränderungen des Denkens auseinandersetzen sollte, die den Staat untergraben.

Einig waren sich die beiden jedoch darin, dass die Polizei personell vergrößert werden muss, um ihren Aufgaben nachkommen zu können – und dass der Staat mit der massenhaften Zuwanderung von Flüchtlingen heillos überfordert ist.

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 01.11.2026

Konferenz in Berlin

Wie die Schlagzeile das Israelbild formt

Bei einem Workshop an der Technischen Universität Berlin gingen Wissenschaftler und Journalisten der Frage nach, wie deutsche Medien über Israel berichten, welche Narrative dabei wirken und wo sich Fehler einschleichen

 01.11.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Der ungelesene Bücherstapel oder Die Bibliografie des idealen Menschen

von Nicole Dreyfus  01.11.2026

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  30.10.2026

Literatur

»Empfänger unbekannt«: Wenn ein Freund zum Feind wird

Die judenfeindlichen Novemberpogrome von 1938 jähren sich zum 88. Mal. Anlass, die Geschichte »Empfänger unbekannt« aus demselben Jahr zur Hand zu nehmen. Darin schlägt ein Jude zurück, mit überraschenden Mitteln

von Leticia Witte  30.10.2026

München

Julia Klöckner: Verteidigung jüdischen Lebens Aufgabe für alle

Jüdische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Zum 40. Mal wollen die Kulturtage diesen Reichtum würdigen. Für die Bundestagspräsidentin ein Anlass zu Mahnung und Hoffnung

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  29.10.2026