Welt-Aids-Konferenz

Vorbeugen statt Heilen

Passt’s? Aids-Aufklärung in der neunten Klasse an der Jerusalemer Ziv-Schule Foto: Flash 90

Die schlechte Nachricht zuerst: Für die Immunschwächekrankheit Aids ist immer noch kein Heilmittel in Sicht. Doch es gibt zahlreiche medizinische Fortschritte, die das Leben von HIV-Infizierten und Aids-Kranken erheblich verbessern können. Dies ist das Fazit der 18. Welt-Aids-Konferenz, die Ende Juli in Wien stattfand. Mehrere Tausend Wissenschaftler aus aller Welt tauschten sich dort über den neuesten Forschungsstand aus, insgesamt waren etwa 25.000 Teilnehmer nach Wien gereist, darunter der frühere US-Präsident Bill Clinton und Microsoft-Gründer Bill Gates, dessen »Bill & Melinda Gates Foundation« sich die Versorgung von Aids-Kranken in Indien und Afrika auf die Fahnen geschrieben hat.

Und die Fortschritte der Medizin können sich durchaus sehen lassen. So wird derzeit ein Impfstoff gegen HIV getestet, der bei ersten Versuchen in Thailand eine Schutzwirkung von 31 Prozent ergab. Bekanntlich wird das Humane-Immundefizienz-Virus (HIV), das letztlich zur Aids-Erkrankung führt, unter anderem durch Geschlechtsverkehr übertragen. Ein neues Vaginalgel, das derzeit in Südafrika getestet wird, soll nun das Infektionsrisiko bei Frauen um 40 bis 50 Prozent senken können. Eine Kombination verschiedener Medikamente ermöglicht es heute bereits, das Leben von Erkrankten erheblich zu verlängern. Zumindest in den Industrieländern.

beschneidung Als Gegenmittel gegen die epidemische Ausbreitung von Aids vor allem in Afrika wird häufig die Beschneidung der männlichen Vorhaut empfohlen. Studien zufolge soll dies das HIV-Infektionsrisiko bei Männern um die Hälfte senken. Experten erklären das damit, dass bei einem beschnittenen Penis die Schleimhautoberfläche kleiner ist, über die das Virus eindringen kann. Mehrere afrikanische Länder werben für die Beschneidung in speziellen Kliniken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) propagiert die Beschneidung von Männern in Afrika im großen Stil.

Doch die Schutzwirkung dieses Eingriffs ist sehr umstritten. Jonathan Fuchs, der für das Gesundheitsamt in San Francisco (USA) arbeitet, stellte auf der Wiener Konferenz die Ergebnisse einer Studie vor, die er an homosexuellen Männern in San Franciso, einer Schwulen-Hochburg, durchgeführt hat. Fuchs fand heraus, dass unter beschnittenen Männern HIV-Infektionen kaum weniger verbreitet waren als unter unbeschnittenen. Und wenn jemand bereits infiziert ist, schützt eine Beschneidung ohnehin nicht davor, dass er das Virus per Geschlechtsverkehr an andere weitergibt.

Infektrisiko In Israel sind fast alle Männer aus religiösen beziehungsweise traditionellen Gründen beschnitten. Und doch macht Aids auch vor dem Heiligen Land nicht halt. 6.140 Israelis sind mit HIV infiziert oder bereits an Aids erkrankt. 3.907 von ihnen sind Männer. Zohar Mor, Leiter der Aids-Abteilung des israelischen Gesundheitsministeriums, sagte in Wien, die meisten von ihnen stammten aus Ländern, in denen Aids stark verbreitet ist, oder seien homosexuell. Ärzte der Levinsky-Klinik für sexuell übertragbare Krankheiten in Tel Aviv fanden heraus, dass das Infektionsrisiko für homosexuelle Männer viermal so hoch ist wie für heterosexuelle.

Dies habe mehrere Gründe, so Mor: Einmal sei das Infektionsrisiko bei ungeschütztem Analverkehr ohnehin erhöht, da im Darm leicht Verletzungen entstünden. Zum anderen verzichteten viele, auch beim Sex mit wechselnden Partnern, leichtfertig auf Kondome. Erst die Kombination dieser beiden Faktoren führe zu der erhöhten Infektionsrate bei schwulen Männern.

Das Gesundheitsministerium will daher eine Internet-Aufklärungskampagne starten, um den Gebrauch von Kondomen zu propagieren, kündigte Mor auf der Aids-Konferenz an. Ferner sollen Angestellte des Ministeriums in Clubs und Kneipen Kondome verteilen.

schnelltest Wer fürchtet, bereits infiziert zu sein, kann sich in Zukunft schneller Klarheit verschaffen. Das Gesundheitsministerium will flächendeckend HIV-Schnelltests einführen, die das Ergebnis schon nach 30 Minuten liefern statt, wie bisher, erst nach drei Tagen. »Die Angst davor, Tage im Ungewissen zu verbringen, hält viele davon ab, einen Test zu machen«, sagt Jonathan Karni, Direktor der privaten »Israel Aids Task Force«, die bereits jetzt solche Schnelltests für preiswerte 150 Schekel (30 Euro) anbietet. Studenten, Soldaten und Minderjährige bekommen Ermäßigung. »Als wir diese Tests zum ersten Mal in Israel angeboten haben, bewegten wir uns damit am Rande der Legalität«, sagt Karni. »Jetzt will der Staat sie landesweit einführen.« Hoffentlich ein Fortschritt in der Aids-Bekämpfung.

Giora Feidman

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