Jazz

Von Schlafwandlern und anderen Zombies

»Wir sind hier und gleichzeitig nicht hier«: der israelische Pianist Omer Klein Foto: PR

Es begann mit einem Stevie-Wonder-Interview, das Omer Klein zufällig im Fernsehen sah. »Stevie Wonder ist einer meiner musikalischen Helden. Er sagte lachend, er würde seine Songs direkt von Gott empfangen. Ich ging zum Klavier, schloss meine Augen und spielte, was auch immer kam.« So entstand der Titel »Wonder And Awe«, der Omer Kleins neues Album Sleepwalkers als Solo eröffnet und als Reprise mit Band auch wieder schließt. Das Stück erinnert fast an eine romantische Träumerei.

Dass die Welt heute nicht mehr so harmonisch ist, weiß der 1982 in Netanja geborene Omer Klein, der nach Jahren in Boston und New York heute in Düsseldorf lebt. Man hört es den zwölf Kompositionen seines siebten Albums an. Mal grooven sie funky wie »Blinky Palermo« oder »Hookup«, in dem Drummer Amir Bresler locker den Takt gibt und Bassist Haggai Cohen-Milo mit einem Solo hinzukommt. Mal muten sie fast ein wenig zu technisch an wie in »What’s On Your Mind?« und preschen voran, ohne Atem zu holen.

smartphone Das aber gehört zum Konzept, wie Omer Klein erklärt: »Ich beobachte oft Fußgänger, die abwesend nach unten schauen, alle Aufmerksamkeit auf ihre Smartphones gerichtet. Ein Großteil des heutigen Lebens findet bereits in einer Art alternativer, virtueller Welt statt. In gewisser Weise sehen wir so aus, als wären wir hier und gleichzeitig nicht hier, wie Schlafwandler.« Daher auch der Albumtitel Sleepwalkers. »Das Titelstück vermittelt ein Gefühl von Dringlichkeit und Gefahr«, sagt Klein. »Der Erzähler des Songs sieht Menschen, die wie Zombies herumlaufen, die vielleicht im Begriff sind, von einer Klippe zu stürzen, sich dieser Gefahr aber nicht bewusst sind. Vielleicht ist der Song eine Art Weckruf.«

Eine ähnliche Intention hat Omer Klein bei »What’s On Your Mind?« angetrieben, das auf die gleichlautende Aufforderung Facebooks anspielt: »Hört man dieses Stück, erkennt man einen ziemlich fragmentierten, verwirrten Geist und vielleicht sogar das Echo des kalten Algorithmus, der diese Frage stellt.«

Sind auch die Einflüsse israelischer und jüdischer Musik geringer als früher, so ist das aktuelle Album, das erste auf dem Major-Label Warner, alles in allem trotzdem sehr abwechslungsreich. Ein modernes Klavier-Jazz-Trio ganz auf der Höhe der Zeit.

Omer Klein: »Sleepwalkers«, Warner Music. Konzerte (Auswahl): Heidelberg (17. März), Kassel (19. März), Regensburg (23. März), Bayreuth (25. März), Essen (31. März), Bonn (26. Mai)

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026

Aufgegabelt

Israelischer Salat mit Silan-Dressing

Vor dem großen Schlemmen an Pessach gibt es noch etwas Leichtes: Israelischer Salat mit Silan-Dressing. Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  29.03.2026

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026