Academy Awards

Von Himbeeren und Diktatoren

Sacha Baron Cohen in »Diktator-Robe« auf dem roten Teppich bei der Oscar-Verleihung. Foto: imago

Wenn Hollywood wirklich jüdisch beherrscht sein sollte, wie Antisemiten behaupten, dann war das bei der diesjährigen Oscar‐Verleihung hervorragend getarnt: Kein Film mit jüdischer Thematik erhielt diesmal einen Academy Award.

In der Kategorie »Bester fremdsprachiger Film« ging Agnieszka Hollands Schoa‐Film In Darkness ebenso leer aus wie die Vater‐Sohn‐Tragikomödie Footnote des israelischen Regisseurs Joseph Cedar, der damit nach Beaufort 2008 zum zweiten Mal nominiert war und nicht gewann. Stattdessen ging die Auszeichnung in dieser Kategorie an den Iraner Asghar Farhadi für sein Familiendrama A Separation – was vom Fernsehen des Mullah‐Staates prompt als »Sieg über den Zionismus« gefeiert wurde.

Einen jüdischen Trost‐Oscar immerhin gab es: Woody Allen erhielt die goldene Statuette für das beste Originaldrehbuch. Midnight in Paris hat zwar keinerlei jüdischen Inhalt, aber Allen ist ein Sohn Israels.

Himbeeren Groß abgeräumt hat dafür ein Jude bei einer anderen Auszeichnung. Adam Sandler wurde mit drei Filmen – Meine erfundene Frau, Jack und Jill und Bucky Larson: Born to Be a Star – für insgesamt elf »Goldene Himbeeren« nominiert. Mit dem Preis »prämieren« Amerikas Filmkritiker jedes Jahr die schlechtesten Filme der Saison. So viele Nominierungen für den Schmähpreis hat vor Sandler noch kein Filmschaffender erhalten.

Für einen nachhaltigen Eindruck auf dem roten Teppich sorgte der britische Comedian Sacha Baron Cohen, der als Diktator verkleidet Werbung für seinen gleichnamigen Film machte, der Anfang Mai in die deutschen Kinos kommt.

Mit einer Urne, auf der das Bild des verstorbenen nordkoreanischen Despoten Kim Jong‐il war, mischte sich der Schauspieler, der mit Filmen wie Borat und Hugo berühmt wurde, am Abend der Oscar‐Verleihung unter die Stars.

Trotz einer vorherigen Warnung der Oscar‐Organisatoren, Werbung in eigener Sache zu unterlassen, präsentierte sich Cohen gewohnt provokant und streute als Krönung noch eine ascheähnliche Substanz über einen Moderator mit dem Hinweis, dass es der größte Traum seines Freundes Kim Jong‐il gewesen sei, einmal zu den Oscars zu kommen. ja

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